Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 104 (31.12.1900)
- Date
- 1900-12-31
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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68 Alexander gelang, noch mehrere Monate lang für seine Existenz und seine Reichtümer Verzeihung zu erlangen. Am 24. Yentose (14. März 1794) erhielt er sogar vom Gemeinderat für die bescheidene Summe von 20 Sous eine Bescheinigung seines Bürgersinns, unterzeichnet vonHiigard, Grandmougin und dem Xationalagent Mathäus, deren er bedurfte, um Waaren nach Mäcon zurückziehen zu können, die nach Lyon gehen sollten. Wir sehen aus diesem Papier, dass der tliätige Geschäftsmann den Fortgang seiner Geschäfte selbst unter den heftigsten Stürmen nicht unterbrach. Dieses Zeiigniss, das man damals bisweilen Bürgern verweigerte, die ganz anders patriotisch waren, hatte Alexander neuen Geidop fern zu verdanken Als Xationalgardist in das 3. Bataillon der Strassburger Miliz eingeschrieben. hatte er Km> I. zum Ankauf von vier Fahnen gezeichnet, die der Kommune übergeben werden sollten, „um unsere Siege anzuzeigen, wenn sie auf dem Tempel des höchsten Wesens wehen“. Er hatte in freundlicher Weise 5Ü0U 1. in baarem Geld gegen dieselbe Summe in Assignaten in die Gemeindekasse eingeliefert; da diese nachher 47°/0 wert waren, erwuchs ihm aus dieser Gefälligkeit ein trockener Verlust von 27OH 1. Er hatte ausserdem 2öo 1. für die Frauen und Kinder derjenigen Bürger hergegtbmi. die einberufen waren, an den Verschanzungen von Wo i s s e n b u r g und an den Festungswerken von Landau zu arbeiten. Es ist sogar möglich, dass die acht Betttücher, welche dem der Polizei beigeordneten Kommissär übergeben und bescheiden zu 15ol. angeschlagen wurden, zu der Toleranz, die er bis dahin genoss, in gewisser Beziehung standen. Wenn soviel andere gute Bürger in das Innere verbannt, in die Gefängnisse gedrängt, oder aufs Sclmff'ot geschleppt wurden, so war es im Ganzen noch erträglich, sich eines kleinen Teils seiner Wäsche und Toilettestücke eutblösst zu sehen. So geschah es. dass am lo. Germinal (30. März 1794) eine Requisition des nationalen Distriktsagenten, des Bürgers Mainoni. gegengezeichnet vom Sekretär (hristmann. Alexander autforderte, dem Bürger Bonei. Generaladjutant und Oberagent des Kriegsministers, 3 Paar Betttücher und H Servietten zu liefern, „die ihm bei den gegenwärtigen Umständen unerlässlich notwendig waren". Zwei Tage später verlangte Bonei. ein Freund von Sauberkeit und guter Kamerad. m»<h 3 Paar Betttücher und 4 Servietten für seine beiden Adjunkten, welche Kalbsgasse 18 logirten. Mainoni bestimmte „in Erwägung, dass es hauptsächlich die Keichen sind, welche j zu den Bedürfnissen des öffentlichen Dienstes beitragen müssen“ . dass Alexander noch diese Ergänzung der Requisition liefern solle. Um dieselbe Zeit gab der revolutionäre Stadtrat selbst unserm Tabakfabrikanten ein noch schmeichelhafteres Zeugnis von Vertrauen, als dasjenige . seine Servietten von ihm zu entlehnen. Durch Beschluss vom 29. Germinal (18. April 1794) wurde Alexander dazu ernannt, an einer Kommission teilzunehmen, „welche damit beauftragt war. eine amtliche Untersuchung anzustellen und Unterstützungen an die bedürftigen Familien der Vaterlaudsvei teidiger zu verteilen". Vielleicht rechnete man auf neue freiwillige Geschenke seinerseits, aber er erwähnt davon gar nichts in dem umständlichen Verzeichnis seiner damaligen Auslagen. Bald nachdem man von ihm sein Weisszeug verlangt hatte, kam man dazu, das Baus von ihm zu entlehnen, welches er damals in der Domstrasse — oder vielmehr, denn dieser Name roch nach dem alten Regime — in der Philosophiestrasse bewohnte. Am 9. Prairial verlangte der Bürger Guerin, der Vorsteher des Polizeibüreaus, von dem unglücklichen Bankier, dass er dem obersten Kriegskommissär Laserre eine Wohnung für sich, seine Familie, seine Diener, seine Angestellte und seine Pferde zu stellen habe. Man liess ihm nur einen Tag. um die schönsten Zimmer seiner Wohnung zu verlassen, wo der genannte Beamte sofort einzog und „eine schreckliche Ve Wüstung an den Möbeln vornahm“ während seines stark in die Länge gezogenen Aufenthalts, denn dieser dauerte noch fort, als der Eigentümer wieder das Gefängnis verliess. XVI. Alle bis dahin zugestandenen Opfer und aller bisher von dem unglücklichen Alexander mehr oder weniger aufrichtig gezeigte patriotische Eifer konnten ihn thatsächlich gegen die letzten strengen Massregeln nicht schützen, ln der Sitzung vom II. Prairial 30. Mai 1794) verfügte das Komite der allgemeinen Sicherheit endlich seine Verhaftung als „Egoist und Fanatiker.“ Er befand sich in guter Gesellschaft. Unter den andern Schuldigen, die am gleichen Tag ihrer Freiheit beraubt wurden, heben wir. fast aufs Gerathewohl, hervor den Bandelsgeir ssen Alexanders „Abraham Auerbach, Tabakfabrikant, nie de la Loi“; Simon Mayer Sohn der ältere, Schwiegersohn Alexanders, rue des Oharpentiers, „Intrigant und Egoist“; Vater Isaac Lehmann, Kinderspielgasse „Egoist und Fanatiker*, einen protestantischen Pastor, Vater Herrenschneider