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Der Israelit · 1900-12-31 · Heft 104 (31.12.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 104 (31.12.1900)
Date
1900-12-31
Page
– (sequence 19)
Language
German
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67 .'i-i^rtrRr- <'7*^K" von einem dieser ..Späher“, namens Simon, verfasst und dem Maire Monet überreicht wurde. Er konstatirte, dass er sich am ersten Dekadi des Frimaire „in die zwei Stadtdrittel begeben habe, um nachzuselien, ob er auch jüdische Mitbürger auf öffentlichen Plätzen und in den Strassen, oder im Tempel des natürlichen Verstandes finden würde.“ Aber er konnte dort niemand entdecken, woraus er schloss, „dass diese letzteren ihrem Talmud anhänglicher seien, als der republikanischen Verfassung.“ Dergleichen Ungläubige mussten ganz natürlich vielen von den öffentlichen Führern als ausserhalb des Gesetzes stehend erscheinen, und die ungeheuren Reichtümer, die man ihnen zuschrieb , entzündeten noch die Habgier ihrer Feinde. Man hoffte, mit Hilfe des Schreckens sie ihnen zu entreissen. Man sagte sich in's Ohr, wie es auch später Taffin berichten wird, dass Eulogius Schneider, der wilde öffentliche Ankläger, sich von ihnen bestechen liess und IV2 Millionen von ihnen erpresst habe. Ebenso sehen wir Personen ohne politisches oder richterliches Mandat auf die Juden in der Umgebung unserer Stadt Jagd machen und aus dieser Verfolgung, welche gar keinen gesetzlichen Anschein mehr hatte, ein recht beträchtliches Einkommen beziehen. In der Sitzung des Sicherheitskomit6s vom 29. Frimaire (19. Dezember 1793) zeigte Einer von den Verfolgten, der Bürger Joseph Levy, der mehr Mut besass als die andern, einen gewissen Martin an, der aus eigenem Antriebe, „42 ehemalige Juden festgenommen und auf dieselben 15 1. per Kopf zu ihrem Unterhalt erhoben habe“. Aber auf Einen, der Einspruch erhob, kamen so Viele, die aus Furcht schwiegen. XV. In mitten aller Bedrückungen seiner Glaubensgenossen wurde Alexander selbstverständlich in keiner Weise verschont, besonders da er der Angesehenste von Allen war. Unter den Massregeln, die gegen ihn angewandt wurden, war diejenige, die ihn am meisten verletzte, wenn wir es nach seiner Denkschrift richtig beurteilen, die von den Repräsentanten angeordnete Requisition aller seiner Weine und die Anlegung von Siegeln an seine Weinkeller. Diese Siegel blieben mehr als zwei Monate am Platze und während dieser Zeit musste der Fabrikant in den Wirtshäusern „zu erstaunlichen Preisen“ den für seine Familie und seine Arbeiter nötigen Wein holen lassen, und als man schliesslich die Keller wieder öffnete, nahmen die Kommissäre 400 Mass alten Wein in Beschlag, die aus der Pfalz, aus der Markgrafschaft Baden, vom Rhein 11. dgl. lierrührten und vom Besitzer auf 48 bis 50,000 1. geschätzt wurden „Ich hätte mich , fügt Alexander traurig hinzu, über diesen Verlust noch getröstet, wenn ich auf diese Weise zur Wiederherstellung der tapferen Vaterlandsverteidiger , die krank oder verwundet, in den Spitälern lagen, beigetragen hätte; aber wahrscheinlich fand man meinen Wein zu gut für sie , denn ich habe mit Schmerz erfahren, dass er noch in den Kellern des ehemaligen Seminars sich befindet.“ Schwerere Sorgen sollten bald seinen Geist beschäftigen. Das Jahr 1794 fing düster und schreckenerregend an. Der Sturz des Eulogius Schneider im Dezember 1793 hatte der terroristischen Bewegung in S t r a s s b u r g in keiner Weise Einhalt gethan, im Gegenteil. Die Delegirten der Propaganda, die bevollmächtigten Repräsentanten, die gemeinderätlichen Autoritäten fuhren fort, durch ihre heftigen Massnahmen bei Jedermann unaufhörliche Besorgnisse wachzuhalten. Die Protokolle des niederrheinischen Revolutionstribunals sind um jene Zeit voll von ebenso grausamen wie unsinnigen Urteilen: Salome Trensz wurde zu 1050 1; Busse verurteilt, weil sie einen Kohlkopf für 5 Sous verkauft hatte; Christian Flügel wurde an den Pranger gestellt, mit 6 Monaten Gefängnis bestraft und zu 3000 I. .verurteilt, weil er sich eine Bratwurst mit 10 Sous bezahlen liess; Friedrich Braun, dessen Verbrechen darin bestand, dass er einen Schoppen Wein für einen Frank verkaufte, wurde mit einer Geldstrafe von 40,000 1. belegt; Friedrich Engelbach ward zu 5000 1. und zur Verbannung verurteilt, weil er Schriftmuster besass, „die zum Zwecke haben, den Royalismus zu verbreiten“; Johann Friedrich Oesinger wurde mit 35,000 1. Strafe belegt, weil er mit einer deutschen Prinzessin namens Linange einen kriechenden Briefwechsel unterhielt; Mathias Ansei wurde zum Tode und zur Konfiskation seines Vermögens verurteilt, weil er gesagt hatte: „Der Krieg wird nicht so rasch aufhören; der Feind wird noch zu uns kommen“. Wir könnten diese traurigen Citate bis in's Unendliche fortsetzen; man kann sich leicht den Geisteszustand der Personen vorstellen, welche einer Menge ähnlicher jeden Tag in den öffentlichen Blättern oder wohl angeheftet an den Strassenecken begegneten. Wenn man sich angesichts der erbittertsten Denunziationen, deren Gegenstand damals die ehrbarsten Republikaner waren, über etwas wundern darf, so ist es darüber, dass es

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