Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 104 (31.12.1900)
- Date
- 1900-12-31
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2182 Freudig lönnen sie am Schlüsse als Ergebniß 161,000 Mark zeigen. Im Hintergrund winkt dazu noch der Betrag von Mk. 80,000, von einem hohen Gönner zugesichert. Solche Thaten belohnen sich selbst, sind Marksteine des Erdenwallens. Aber ehrlicher, herzlicher Dank wird ihnen dennoch gezollt. — Und wieder sitzen die Männer des Vertrauens der Gemeinde in ernsten Erwägungen um den grünen Tisch. Nach einem Bauplatz für die Synagoge sucht man. D i e s e r ist dem Ostend zu entlegen, das die Mehrzahl der Mitglieder jetzt noch beherbergt. Jetzt noch — wer weiß, ob auch in 10, 20, 30 Jahren? Denn die zusehends wachsende Großstadtentwickelung und die Wohnungsnoth drängen mehr und mehr die jüdische Bevölkerung nach Norden. Und jener Platz trägt dem letzten Gedanken nicht genügend Rechnung. Hier tobt die Welt zu lärmend und rasselnd in die Andacht, dort waltet eine zu einförmige Kirchhofsruhe. Dazu oft das Hemmniß der trotz aller Opferwilligkeit unzulänglichen Mittel. Also bis zum Augenblicke des Berichts lieber noch kein endgültig bindender Beschluß. Die Augen aufgemacht! Auf gutes Zukunftsglück! Aber jetzt bereits bedarf das Gotteshaus eines neuen Obercantors. Vierzig Dienstjahre liegen hinter Herrn Obercantor Friesländer, in Würde, in Weihe, in Freudigkeit durchlebt. Seines ebenbürtigen Nachfolgers harren wir noch. Vom Geistigen hinweg und auf Irdisches, das so vielfach seine Vorbedingung ist, zurückgeschaut! Auf Irdisches, allzu Irdisches, das doch eine große, moralische Macht bedeutet: aus das liebe Geld. Ein hoher Freund spendet insgesammt Mk. 33,000 für Schulkaffen. Der Vorsitzende, Herr Louis Feist, ehrt das Andenken seiner verstorbenen Gattin in schönster Weise durch Stiftung eines Freiplatzes für die Töchterschule in Höhe von Mk. 3000 und durch Gaben an verschiedene Kaffen im Betrage von Mk. 2500. Eine Stimme aus dem Grab ertönt. Frau Rebecca Rapp, geb. Kulp s. A., hat testamentarisch Mk. 2880 vermacht. Lebende lasten es ebensowenig fehlen. Herr und Frau Adolf Stern widmen Mk. 3000 für einen Freiplatz der Knabenschule. Hut ab vor all' diesen Leuten! Wird's auch so bleiben? So Gott will — gewiß! Auch am Schluß Rückblick und Ausblick. „Wir sind am Ende unserer Wanderung angelangt. Eine Todtenbahre haben wir verlassen und ein Gottesfeld haben wir gesucht. Zartsprossendes Menschengewächs ist uns begegnet und nach seinem sorgsamen Gärtner haben wir Umschau gehalten. Männern, in deren Antlitz die reine Freude des Wohlthuns leuchtete, haben wir die Hand gedrückt, und den Quell lebendigster Gotteserkenntniß, den Thoraquell, haben wir allüberall aufspringen sehen. Wir sind am Ende unserer Wanderung angelangt und wir greifen mit frischem Muth auf's Neue zum Wanderstabe. Neue Aufgaben werden sich uns entgegenthürmen, neue Pflichten uns nicht rasten lassen, neue Freuden auch, will's Gott, vor uns auf blühen. Seien Sie uns Alle treue Weggenossen, setzen auch Sie Ihre beste .Kraft ein, damit wir, unbeirrt von den Brandungen der Zeit, ungeschreckt von den Beschwerden des Weges, Niemand zu leid und nur Ihm. dem Allmächtigen, zu lieb, gemeinsam stets gradeaus und vorwärts pilgern, das eine große Ziel vor Augen, die eine tiefe Sehnsucht im Herzen, von dem einen starken Gedanken geleitet: rrr.r.i c^S-in -pvrcn ’-ps. Ja so, ich sollte Ihnen authentisch von dem faktischen Ergebniß der Generalversammlung berichten? Dann rasch! Der verdiente Vorsitzende, Herr Louis Feist, wurde in den Ausschuß gewählt, ebenso Herr Mar M a y e r. Herr Moritz B a ß wanderte aus den: Ausschüsse in den Vorstand. Herr Jsaac M a r x interpellirte in drei Punkten. Er wünscht Maßregeln, um in der Synagoge mehr Ruhe zu schaffen. Avis au lecteur! Nicht der Wunsch, aber seine Erfüllung. Nichi die Erfüllung der Maßregeln, sondern daß sich ein Jeder in diesem Betracht selbst maßregele! Und auch in der zweiten Hinsicht. „Die Fenster auf, die Herzen aus — Geschwinde, geschwinde!" singt der Dichter. „Die Taschen auf, die Beutel auf — Geschwinde, geschwinde!" möchten wir singen. Ernsthaft und fach lich gesprochen: Die Statuten, die von jedem Mitgliede erwarten, daß es bei eintretender Verbesserung seiner Vermögensverhältnisse von selbst seinen Beitrag entsprechend erhöhe, setzen eine hohe moralische Stufe der Mitglieder voraus. Eine Stufe, die indessen jeder Angehörige der Muttergemeinde der deutschen Orthodoxie des 19. Jahrhunderts, der Wirkestätte von Samson Raphael Hirsch, zu erklimmen trachten sollte. Ja, die Statuten! Die sind auch Herrn Marx gut bekannt und er möchte dem Vorstände wegen des zu langen Verbleibs einiger Mitglieder einer Commission ihre Verletzung verwerfen ldies ad. 3). Gefehlt, Herr Marx! Wessen er auch vom Vorsitzenden bedeutet wird. Einen Augenblick, bitte — Hab' ich nicht noch etwas auf dem Herzen? Richtig, einen kleinen Nachtrag zum Bericht über den Bericht. Es schwebte ein gewiss: Geist der Versöhnlichkeit über letzterem, ein Geist, der zu sagen schien: Ist auch im .Kampfesdrang und v\ .Kamvsesglut manches Herbe und Schroffe hier und dort geschehen, so wollen wir doch jetzt nur in energischem Wollen und rastloser Treue auf den inneren Aus- und Fortbau unserer Gemeinde bedacht sein, wollen unsererseits mit Schiller sprechen: „Ich — habe keinen Haß mehr mitgebracht." Altona. Am Sonntag Abend, Chanukas hamisbeach, beging die „Chewrah kadischah d'bikur cholim" im Hause ihres ersten Vorsitzenden, des Herrn Alex. Möller, das seltene Fest des 200jährigen Bestehens. Nach beendetem Maariv-Gebet wurde die Feier eingeleitet durch den von Oberkantor Herrn Nathanson in gesanglich sormvollender Weise vorgetragenen Psalm 30, dem sich die Festrede, gehalten von Herrn Klaus-