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Der Israelit · 1900-12-31 · Heft 104 (31.12.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 104 (31.12.1900)
Date
1900-12-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2181 Derselbe Gedanke findet sich auch in folgendem Dialog: Zur Zeit, als das Heiligthum zerstört wurde, mehrten sich die Peruschim (Enthaltsamen, die womöglich jedem entbehrlichen Genuß entsagten, eine An Büßerorden) in Israel. Diese aßen weder Fleisch, noch wollten sie Wein genießen, um dadurch ihre Nationaltrauer zu dotumentiren. Die Haltlosigkeit und Undurchführbarleit einer solch' allgemeinen Maßregel wollte ihnen Rabbi Josua plausibel machen, indem er sie fragte: „Warum entzieht Ihr Euch dem Fleischgenutz?" „Weil Fleisch aus dem Gottesaltar dargebracht wurde, der jetzt zerstört ist." „Und weßhalb wollt Ihr keinen Wein trinken?" „Weil auch der Wein als Trankopfer auf den Altar kam." „Tann sollte man überhaupt gar kein Brod essen dürfen, weil es auch Mehlopfer für den Altar gab." „Du magst vielleicht damit Recht haben, denn man kann ja Früchte genießen, um zu leben." „Ja, dann dürfte man aber auch keine Früchte essen, weil die Erstlingsfrüchte in das Heiligthum gebracht wurden?" „Du magst auch damit im Rechte sein. Ißt man keine Erstlingssondern andere Früchte." „Wenn dem so ist, dann wäre auch das Wasser zum Trinken verboten, weil das Wasser auf dem Altar dargebracht wurde!" Hierauf allgemeines Schweigen. Rabbi Josua aber sprach: Kinder, ich will Euch lehren, wie wir uns zu verhalten haben: Gar nicht zu trauern um unser zerfallenes Heiligthum wäre herz- und gefühllos, uns zu sehr der Trauer hinzugeben, wäre auch nicht statthaft, weil eine Verordnung für die Gesammtheit nur dann erlassen werden kann, wenn deren Durchführbarkeit möglich ist; dem Wein- und Fleischgenuß gänzlich zu entsagen, ist aber für die große Menge nicht denkbar. (Baba Batrah 60.) xA it?2 pirx^ xP«? ^xiL"2 cprs 12*1 r,'zr 2-Tww HP2 D’^aix cnx px ne tjbö Vx wirr n cnP Pes: pyy pmpa weotp Pdxj -px Px p pm? cnx px* l’Boyi N2W7I yy p3cj2 licctp p' nmrn ,P*02 vrcy: n27c-; ■wcx ,mpjö i^oa, "izzv ^axa xd erb 2\x erb -ex .p-cc nvrc2 dL»Ox ,cni32 i>C2 rzew i^cx; xb m-B ,riTB2 1x12 b"X ,pre> ,cw ps*; iS*C2 ->E25r nntw xS c*n .a'-inx ,rm: rniJJB» iVLX 'x ip'j? P2 b2xnnP ,ccd 'cs: :c xdx rz'xn bv ,thj pir; pxtr itrsx x ’xnc inv PcxnnP ♦CD sp ,2*2) ro Tcy1? pS'D1 r.i cx Als ba§ Sanhedrin (Oberste Gerichtshof in Jerusalem) aufgelöst wurde, verstummte der Gesang in den Gasthäusern, denn so heißt es: Beim Gesang wird kein Wein getrunken, bitter schmeckt Berauschendes den Trinkern. (Sotah 42.) xb tb>2 iöxjp;nixnrsn vco Ptprt nbv2 p-trtja 'buzve .(2’ö sp HB1D) 121 p' 171L" Wir sehen daraus, daß aus traurigen Anlässen der Weingenuß oft untersagt wurde. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 27. Dez. (Generalversammlung der Snnagogengemeinde Israelitischer R e l i g i o n s g e s e l l s ch a f t zu Frankfurt a. M.) Rückblicke und Ausblicke enthielt der Bericht, den der Vorstand der Synagogengemeinde „Israelitische Religionsgesellschaft" in der gestrigen ordentlichen Generalversammlung an die Mitglieder erstattete. Ein Rückblick tiefernster Art eröffnete ihn. War doch innerhalb dieses Jahres der Heimgang des Direktors der Realschule und höheren Töchterschule, Dr. Mendel Hirsch, zu betrauern. Ein Mann schied in ihm, der seit jungen Jahren den heute stolzragenden Lau der Unterrichtsanstalten m i t entwickeln half, der Generationen von Seelen Kleiner Hauch aus des Gocteswortes Odem mit reifster Weisheit und tiefster Liebe einhauchte, in dessen unendlich fein und sicher gebildetem Geiste sich alle großen Anliegen der Menschheit widerspiegelien, der jüdisches Herzblut in ihnen entdeckte, wenn sie rein und edel, jüdische Sonnen vor ihnen aufleuchten ließ, wenn sie trüb und verworren waren, dessen beherrschendes Auge das ihm anvertraute,Haus bis zum höchsten Giebel und bis zum fernsten Winkel durchdrang, dessen stetes Lebenssinnen und Lebenstracküen es war, jenem noch mehr Würde, noch mehr Ansehen zu geben. Vorbei, ach vorbei! Vorbei auch die warmen Worte des Gedenkens, die ihm von allen Seiten gewidmet wurden, vorbei die letzten Ehrungen, nicht vorbei, n i e vorbei sein Gedächtnis; in der Geschichte unserer Gemeinde. Weiche Trauer hat ihr Recht und ihre Zeit. Rege Thätigkeit muß sie verdrängen. Denn einen neuen Burgwart gilt es zu finden, der da des in den Schulen webenden eigengearteten Geisteslebens Herr und Hüter werden soll. Vorstand, Ausschuß und Schulrath fahnden eifrigst danach, berathschlagen immer wieder. Der Vorhang wird ein wenig gelüstet: es stellt sich die Aussicht auf ein glückliches Gelingen binnen kurzer Frist dar. — Ein anderer Rückblick! Männer eilen herbei, die in selbstloser Hingabe ihre ganze Kraft aufbieten, um Gold aus der Tiefe zu schürfen. Das Gold des gütigen Herzens, das Gold der offenen Hand. Barren Goldes mögen nöthig sein, um die Erbauung einer neuen, großen, lichten Eentralsynagoge zu ermöglichen. Jene Männer sind die Sammler zu diesem Zwecke.

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