Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 102-103 (27.12.1900)
- Date
- 1900-12-27
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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2164 welcher das große Werek abschließt, mit vielem Interesse entgegen und werden dann ms eingehend auf das Ganze zurückkommen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Hamburg, am 2. Chanukatage. Die jüngste Nummer des „Jüdischen Familienblattes" brachte einen Artikel aus der Feder des Predigers des Hamburger Tempels, Dr. S., der von dem „Chanuka-Märchen" bandelte. Es ist dies eigentlich insoferne neu, daß nicht die Spur eines Beweises angeführt wird, Chanuka seines wunderbaren Charakters zu entkleiden, sondern sie volo, sie jubeo. Cs kann nur ein Märchen sein und da es Herrn S. so gefällt, so ist der Beweis erbracht. Nun kann es mir ja gar nicht in den Sinn kommen, mit Herrn S. eine Controverse darüber anzulnüvfen, da mir der Talmud im Traktat Sachhedrin S. 38 dies ausdriicklich verbietet. Zur Entschuldigung rüge ich gleich hinzu, daß ich noch so naiv bin, an den Talmud zu glauben und ihn als Autorität hoch zu verehren, ibn sogar noch höher zu stellen, als einen Tempelprediger. Merkwürdig bleibt jedoch, daß die Weisen, die etwa 100 Fahre nach diesem „Märchen" lebten, die Schüler von ddn und w, und unbedingt die Wahrheit kannten, schon von diesem Wunder als von etwas Allbekanntem reden; denn sie sind getheilter Meinung. cd man mit einem Lichte anfängt und bis zu acht steigt, oder umgekehrt. Noch schlimmer aber ist es, wie Herr S. unser religiöses Gewissen belastet. Wir würden nämlich jedes Jahr r^bzzb rrz'-z gesagt haben, und da Cbanuka trotz Herrn S. bleiben wird, so lange es, Juden gibt, so würde diese Sünde jährlich wiederholt. Wer nun weiß, wie schwer die Sünde der 'Z-b 'z'z bei unseren Weisen wiegt, der kann sich ungefähr einen Begriff machen von der erdrückenden Last derselben, Offen gestanden aber ist es denn doch nicht so schlimm. Tenn für wen wollen Sie, Herr S., Chanuka zum Märchen degradiren? Für Ihre Tempel-Gemeinde? Ter ist es ja ganz gleichgültig, was Chanuka ist. Und in Betreff der rv:rc ist diese ja noch viel, frömmer, als die Orthodoxen. Denn um nicht zur Sünde der 'b 'z zu kommen, haben sie sich die ganz abgewöhnt. Also müsien Sie es für die Orthodoxen erklärt haben. Das können Sie sich aber selbst sagen, daß diese darüber lachen und sich freuen, daß Sie sich so unsterblich lächerlich gemacht haben. Ich wenigstens, und dies Gefühl werden sicher viele meiner religiösen Gesinnungsgenossen mit mir theilen, haben noch nie eine solche Andacht.beim Anzünden u. der n-'i des Chanukalichtes gehabt, wie in diesem Jahre, nachdem ich Ihren Artikel gelesen hatte. Was Sie ferner über den Unterschied zwischen dem jüdischen Glauben, als dem ernsten und strengen, im Gegensatz zum Griechenthum, als dem Cultus des Schönen und Sinnlichen sagen, dem ist ja in ='d:h bv (Sie werden sich dieser Gebetsformel vielleicht aus Ihrer Jugend erinnern) Rechnung getragen. Die aufopfernden Kämpfe der Makkabäer, denen schließlich der Ewige zum Siege verhalf, wurden durch das göttliche Wunder des Lichts gekrönt und ihnen so der Stempel des Göttlichen aufgedrückt. Und welche Partei unter uns Juden ist an die Stelle des Griechenthums getreten? Wem waren die Gesetze des Judenthums zu strenge und zu ernst, so daß man sie abschüttelte und das alte Prophetenwort ipw bewahrheiteten? Die Antwort will ich verschweigen. Das aber will ich noch als meine feste Ueberzeugung aussprechen, daß, wenn die Reform und ihre Prediger längst in's „Märchenreich" verbannt sind, das Chanuka-Wunder und seine Feier bis in die späteste Zeit hineinleuchten werden, so ewig wie Gott selbst, der das Wunder gethan und zu besten Ehre diese Feier stattsindet. Memel, 18. Dez. (Hebräisches Konze rt.) Am ersten Abend des Chanukafestes fand im Gesellfchaftshaus Hierselbst wiederum ein hebräisches Konzert statt, welches Herr Religionslehrer Emil Benjamin von hier veranstaltet hatte. Zwei auswärtige jüdische Künstler, der Biolinvirtuose Moses Brenner und der Bassist Schmerl Fiedler aus Neustadt-Alexandrowska bei Memel, wirkten an dem Konzert mit. Dasselbe tvar auch diesmal recht gut besucht, zumeist von Damen. Das Biolinspiel des alten § Brenner erregte wiederum allgemeine Bewunderung. Herr Emil Benjamin, als Leiter des Konzertes, trat bescheiden zurück vor dem alten Meister, dem er Vieles in der Kunst des Violinspieles verdankt. Indessen hatte auch Herr Benjamin Gelegenheit, in einigen Solovorträgen aus der Violine Proben seines musikalischen Talentes abzulegen. Besonders in festliche Stimmung versetzt wurde die Zuhörerschaft durch das Abspielen der Festhvmne „Moaus Zur," in welche die anwesende Jugend inunter einstimmte. Reben tiefernster geistlicher Musik war auch die „weltliche" gebührend vertreten, so daß dem verschiedenen Geschmack der Zuhörer Rechnung getragen wurde. Das Programm umfaßte die altjüdische Musik in ihrer Allgemeinheit, so wie sie in den verschiedenen Lagen und Beziehungen des jüdischen Volkslebens sich ausprägt und zum musikalischen Ausdruck kommt. Die Zuhörer folgten den verschiedenen Vorträgen mit theilnehmender Aufmerksamkeit und gaben ihre Zufriedenheit wiederholt durch laute Beifallsbezeigungen kunv. Der Abend, welcher in bester Ordnung. Ruhe und Gemüthlichteit verlief, wird gewiß jedem der Teilnehmer in angenehmer Erinnerung bleiben.