Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 102-103 (27.12.1900)
- Date
- 1900-12-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2157 wöchentlich zur Beschäftigung mit Michna, Raschi und Dinim versammeln. Auch die weibliche herangewachsene Jugend folgte dem guten Beispiele, indem junge Damen in zwei Kursen (drei Stunden wöchentlich) sich dem Unterrichte in Gebetübersetzung und Gebeterklärung beziehungsweise auch in Thora, ferner in Religionslehre (praktische Kcnntniß und theoretisches Verständniß der Gebote) u. a. widmen. So sucht der Verein in jeder Weise dazu beizutragen, die Werthschätzung und die Kenntniß unserer heiligen Schriften unter der hiesigen jüngeren Generation zu erwecken und zu fördern. Er will der Untenntniß unserer religiösen Gebote und dem Mißverständnis'. des aus ihnen sprechenden Geistes, wodurch in unserer Zeit die Geringschätzung derselben und der Abfall von der Väter theurem Vermächtniß überhand nimmt, den Boden entziehen. „Ein Ungebildeter ist nickt sündenscheu, ein Unwissender ist nicht fromm" (Sprüche der Vater II, 6). Das altehrwürdige „Erbe der Gemeinde Jakobs," es muß erworben werden, wenn wir es besitzen sollen (Sp. d. Vät. kl, 12); und diesem Berufe des Thora-Erwerbens weiht unser Verein seine ganze Kraft. Dieses Streben sichert ihm fortdauernden Bestand, weil er immer neue Aufgaben zu lösen findet, und wie „jede Vereinigung zu wahrhaft religiösem Zwecke den Keim der Unvergänglichkeit in sich trägt" (Spr. d. Vät. V, IV, 11), so wird auch unser Verein in seiner Lehrthätigkeit immer mehr erstarken und mit der „Zunge der Jünger" (Jes. 60, 4), der er seinen Namen verdankt, zur Größe und Verherrlichung der Heilgen Lehre seines hebren Dienstes walten. Möge er immer neue Jünger an sich ziehen, sowie sich in den ersten zehn Jahren seines Bestehens die Zahl seiner Mitglieder stetig vergrößert hat. Die Anzahl der Mitglieder betrug am Tage der Eröffnung 22 und nahm stetig zu. Gegenwärtig zählt unser Verein 60 hkestge und 18 auswärtige Mitglieder, darunter ein Ehrenmitglied.*) Jnsgesammt sind dem Vereine seit seinem Bestehen an 200 Mitglieder beigetreten. Leider batten wir den Verlust zweier im blühendsten Alter verstorbenen Mitglieder zu beklagen: Louis Griitzner, gest. 29. Eheschwan 6664 (8. Nov. 1893), und Dr. Ludwig Feilchenfeld, gest. 9. Siwan .6668 (80. Mai 1898). Zum Andenken an diese wurde die vorerwähnte jährliche Pensenvertheilung von Mischnatraktaten eingekührt. Die Verwaltung des Vereins führt (laut Paragr. 18 d. Stat.) ein halbjährlich gewählter Vorstand von fünf Mitgliedern: Vorsitzenden, Kastirer, Schriftführer, Bibliothekar, Beisitzer. Zu Vorsitzenden wurden gewählt für Semester 1 und 2. M. Silberberg, 8. Mor. Neumark, 4. S. Mannes, .6. K. K. Jeremias, 6. A. David, 7. I. Jareüi, 8. Dosmar, 9.—12. Dr. S. Mannes. 13.—16. Dr. L. Warszawski, 18.-20. A. Rzeszewski. der auch heute noch die Vereinsgeschäfte leitet. Nachdem sich der Verein als lebensfähig erwiesen. wurde Herrn Gemeinde-Rabbiner Dr. W. Feilchenfeld bei Gelegenheit seines 70. Geburtstages am 16. Siwan 6667 (1897) das Protektorat übertragen. Ueber das Fest selber werden wir in einer späteren Nummer ausführlich berichten. Dinslaken, im Dez. Der fünfzehnte Rechenschaftsbericht des „Israelitischen Waisenhauses zu Dinslaken am Niederrhein" zeigt das gleiche Bild der günstigen Weiterentwickelung, wie in den Vorjahren. Alle Zweige der Einnahmen haben sich ungefähr auf der Höhe der Vorjahre gehalten und es uns ermöglicht, die Anstalt in der gleichen Weise wie bisher fortzuführen. Wie die Abschlutzzisfern ergeben, haben sich die Grundlagen des Hauses im abgelaufenen Jahre weiter gestärkt und war es möglich, nach Zurückstellung der in den Fond fließenden Stiftungen einen weiteren Theil der Schuld für den vor einigen Jahren errichteten Anbau zu amortisiren. Zu dem guten allgemeinen Resultate haben neben den Spenden insbesondere die eingegangenen Stiftunaen beigetragen. Die Einnahmen betrugen in diesem Jahre 80,396.08 Mk., die Ausgaben 30,191 Mk. Die Anstalt verdient die wärmste Unterstützung. Das Kuratorium besteht zur Zeit aus folgenden Herren: Gustav Hanau-Mülheim a. d. Ruhr, Präses, I. Bernhard-Dinslaken, S. Bietefeld-Cöln a. Rh., S. Cohn- Mülheim a. d. Ruhr, L. Cohen-Dortmund, Herz L. Hirschland-Essen a. d. Ruhr, Simon Jacobs-Dinslaken, M. S. Moses-Dinslaken, Dr. med. Naumann- Dinslaken, Lesfmann-Stern-Hagen i. W., Simon Stern-Köln a. Rh., Hermann Vasen-Ruhrort, Leopold Wormser-Dinslaken. Hameln, im Dez. Von der Strafkammer in Hannover wurde der bisherige Bürgermeister Prött aus Aerzen zu 1 * Jahren Geiängniß verurtheilt. Er hatte trotz seiner steten Betonung, nur das „Beste des Ortes" zu ioollen, eingegangene Unsallbeiträge, Kreissteuern, Krankenlastenbeiträge, Steuern u. s. w., sowie Mitgliederbeiträge und Gelder, die er für Maaren des landwirthsckiaftlichen .Konsumsvereins, dessen Geschäfts¬ und Kaffenführcr er war, in Höhe von mehr als 20,000 Marl unterschlagen. Prött war eine Hauptstütze der Antisemiten hiesiger Gegend; ja, durch ihn ist das friedliche und ungetrübte Verhältnis) der Bewohner des kleinen Ortes und Umgegend erst gestört und der Antisemitismus einaesührt worden. Er ließ keine Gelegenheit vorübergehen, ohne — am Biertische oder selbst bei offiziellen Versammlungen — die „betrügerischen Juden" zu beschimpfen, während seine Unterschlagungen mit seinem Dienstantritt als Bürgermeister (1890) begannen. München, im Dez. Der Verwaltungsgerichtshof verhandelte folgenden Fall: Nachdem die isr. Kultusgemeindemitglieder Markus Moser und Isaak Weiß in Zweibrücken durch Beschluß der Kultusbehörde aus der 18. in die 14. Steuerklaffe versetzt worden, wonach sie nunmehr 120 Mk. statt 113 Mk. jährliche Umlagen an