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Der Israelit · 1900-12-27 · Heft 102-103 (27.12.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 102-103 (27.12.1900)
Date
1900-12-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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2158 die Kultuskasse zu entrichten haben, und ihr hiergegen sahen sich Beide veranlaßt, aus der israelitischen Glaudensgesellschaft auszutreten und ertlärten am 15. Feb. l. I. vor dein Distriktsrabbiner persönlich ihren Austritt aus dem Juventhum. Der Synagogenausschuß erkannte dagegen hierin keinen Religionswechsel, da die Austrittserklärung lediglich zum Scheine erfolgt sei, eingelegter Einspruch zurückgewiesen worden war, um sich von der Umlagepflicht frei zu machen und ein Eintritt in eine andere Religionsgenossenschaft gar nicht stattgefunden habe, weßhalb sie immer noch als umlagepflichtige Kultusgemeindemitglieder zu betrachten seien. Das Bezirksamt Zweibrücken erkannte jedoch durch Beschluß vom 14. August l. I., daß die Beiden nach Austrittserklärung vom 15. Februar nicht mehr zur Zahlung von Kultusumlagen verpflichtet seien, wogegen nunmehr der Synagogenausschuß Beschwerde einlegte, über welche Rath Weber in einer Sitzung des zweiten Senates referirte. Der nach längerer glücklich überstandener Krankheit wieder in der öffentlichen Sitzung erschienene Oberstaatsanwalt Dr. von Geib begutachtete die kostenfällige Verwerfung der Beschwerde, da eine rechtswirksame Austrittserklärung vorliege und hier-' nach Beide seit dem 15. Februar nicht mehr Angehörige der israelitischen Religionsgemeinschaft seien,' dieselben seien daher auch nicht mehr als umlagenpflichtige Mitglieder der Kultusgemeinde von Zweibrücken zu betrachten. Oesterr. -Ung. Monarchie. Budapest, im Dez. Anläßlich der Berathungen über das Budget des Kultus- und Unterrichtswesens richtete bei dem Titel „Subventionen der Kirchen" der Abgeordnete Bela Komjathy im Finanzausschuffe an den Kultus- und Unterrichtsminister Dr. Wlassics die Frage, warum von der Summe, welche zur Ergänzung der Seelsorgerbezüge in das Budget ausgenommen worden ist, sehr wenig zur Unterstützung der Rabbiner verwendet wird, was damit begründet wird, daß sie nicht die nöthige Qualifikation haben, aber er glaube, daß nur den Juden gegenüber so streng vorgegangen wird. Minister Wlasiics verwahrt sich dagegen und erklärt, daß allen Konfesiionen gegenüber gleichmäßig die Verfügungen des Gesetzes beobachtet werden. Jedes andere Vorgehen entspreche seinen Intentionen nicht. Aus Mähren, 18. Dez. Jüngst hat sich in Mähren ein Ereigniß vollzogen, welches wohl in jüdischen Zeitungen besprochen, jedoch nicht gehörig genug gewürdigt wurde. Wir meinen die Cultuswahlen in Brünn, an welchen sich diesmal mehr als 70 pCt. der Wähler betheiligten. Die Brünner Cultusgemeinde wäre naturgemäß dazu berufen, mustergiltig für ganz Mähren zu sein. Daß dies nicht der Fall war, lag in dem Grunde, daß die Brünner Judenschaft sich ganz apathisch gegen alles, was jüdisch war, verhielt. Wir können den Landesrabbiner Dr. Baruch Placzek nicht von dem Vorwurf freisprechen, daß er nichts gethan hat, um unsere Glaubensgenossen aus ihrer Apathie aufzurütteln, obschon ihm das bei seiner bekannten geradezu meisterhaften Rednergabe und seiner Autorität nicht gar Zu schwer gefallen wäre. Run hat sich in der jüngeren Generation eine Strömung, bewirkt durch den immer mehr um sich greifenden Antisemitismus, geltend gemacht, die dahinaus lief, den Brünner Glaubensgenossen das fast erstorbene Nationalbewußtsein zu kräftigen. Unter diesem Zeichen bildete sich in Brünn ein jüdisch-nationaler Verein. Wir wollen letzterem nicht unsere Sympathie ausdrücken, da Zionisten und Jüdisch-Rationale nicht in den Bahnen des gesetzestreuen Judenthums wandeln. Was haben denn auch die Worte der Nationalen für einen Werth, wenn dieselben sich über die traditionellen Gesetze hinwegsetzen; sie sind nichts anders, als ein leerer Schall. Wenn jedoch diese Fraktionen gegen die in der Cultusgemeinde erbgeseffenen Machthaber den Vorwurf erheben, daß sie Affimilanten seien, so ist der Vorwurf so ungerechtfertigt nicht. Eine vollständige Assimilirung mit den Christen haben sie wohl nicht angestrebt, aber sie haben der Asiimilation die Wege geebnet. Run erlebte man in Brünn das Schauspiel, daß zwei Parteien, sich heftig bekämpfend, zur Wahlurne schritten. Ein einziger Kandidat, der Philantrop Alois Witrofsky, wurde von beiden Parteien aufgestellt. Das Wahlresultat entschied für die bisherige Vertretung. Die Ursache der Niederlage der Zionisten und Nationalen lag in dem Umstande, daß dieselben, mit Ausnahme des Herrn Wilhelm Sonderling, der der einzige ist, welcher am Sabbat das Geschäft geschloffen hat, ihre materiellen Interessen ihren Prinzipien überordneten. Eine Partei, die von sich sagt, daß sie jüdisch denkt und fühlt, muß auch jüdisch handeln, d. h. die einzelnen Mitglieder müssen die traditionellen Gesetze genau befolgen. Jüdisch sein heißt praktische Betätigung dessen, was das offizielle Judenthum vorschreibt. Jüdische Nation und Confession sind unzertrennliche Begriffe. Wollen also die vereinigten Zionisten und Nationalen Wahlecfolge erringen, dann müssen sie das Judenthum praktisch bethätigen, dann wird man auch sehen, daß sie ihre Worte ernst meinen und der Sieg kann nicht ausbleiben. Beharren sie aber fernerhin dabei, nw® zu bleiben, dann wird sich jeder ernst - denkende Jude von ihnen abwenden. Vermischtes Ans Baden. Hauptlehrer S. Müller, Müllheim, Verfasser der bekannten bibl. Geschichte „Ein Buch für unsere Kinder", wurde als Hauvtlehrer nach Heidelberg berufen._ Briefkasten der Redaetion. Freund unseres Blattes in Köln. Anonyme Zuschriften werden grundsätzlich nicht berücksichtigt.

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