Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 102-103 (27.12.1900)
- Date
- 1900-12-27
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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4t. Jahrgang. Krste Aeil. zu M102 & 103 des „Israelit". Zeittmgsnachvichterr und Correfpon-enzen. Deutschland. Berlin, 23. Dez. Eine Berliner Zeitung bringt im Sperrdruck unter dem Titel „Aerzte-Proletariat" die sensationelle Mittheilung, daß bei der hiesigen jüdischen Gemeinde mehr als 50 Unterstützungsgesuche von nothleidenden Aerzten in der letzten Zeit eingegangen seien, und daß fast ausnahmslos den Gesuchen nach Maßgabe des einzelnen Falles und der hierfür flüffigen Baarmittel stattgegeben worden sei. Auf unsere sofort bei der zuständigen Stelle, der Armendirektion der jüdischen Gemeinde, eingezogenen Erkundigungen sind wir zu der Erklärung ermächtigt worden, daß die Nachricht völlig aus der Luft gegriffen ist. Aus privaten Stiftungen sind in der letzten Zeit nur zwei Aerzten die Mittel zur Etablirung gewährt worden. Man sollte doch mit derartigen Nachrichten etwas vorsichtiger sein, die nur geeignet sind, das Ansehen des ärztlichen Standes noch mehr herabzudrücken. (Ztg. d. Judenthums.) Posen, im Dez. Der Festschrift des Vereins p ir 'r zur zehnjährigen Stiftungsfeier, verfaßt von Rabbiner Dr. M. Silberberg - Grätz (Posen) und Dr. S. Mannes- Posen, entnehmen wir: Unsere jüdische Gemeinde in Posen bildete schon von Alters her eine Mustergemeinschaft nicht nur für das jüdisch-religiöse Leben, welches frisch und kräftig und seiner Eigenart getreu in ihr pulsirte, sondern vor allem auch hinsichtlich des jüdischen Geisteslebens, das in ihr bewährte und berühmte Vertreter gefunden hat. Jahrhunderte hindurch fand in Posen Thora- und Talmudstudium die eifrigste Pflege und noch über die Mitte des 10. Jahrhunderts wurden zahlreiche Talmudschüler in den berühmten Lehr schulen der Rabbiner Posens herangebildet, so besonders im ersten Drittel des lebten Jahrhunderts unter dem berühmten R. Akiba Eger (gest. 1837). Um diese Zeit entstand das rrnerr's iS. B. Latz'sche Studiranstalt), in dem seit jenen Tagen eine ununterbrochene Kette von Lamdonim ihrem Lieblingsstudium oblag, und das noch heute eine Zierde unserer Gemeinde und den Sammelkunkt der Talmudisten unserer Stadt bildet. Gehörte aber unsere Gemeinde auch in den letzten Jahrzehnten zu den wenigen Gemeinden Deutschlands, in welchen das Thorastudium von einer größeren Anzahl von Männern eifrig gepflegt ward, so war doch vor etwa dreißig Jahren bereits ein Rückschritt darin bemerkbar, daß nicht mehr wie früher auch die Jugend sich mit ungetheilter Liebe und Hingebung der Erforschung des Thorawortes widmete. Es gab da wohl Männer, die im Dienste der Thora ergrauten und Tag und Nacht ihm oblagen, aber wo blieben die Jünglinge, auf denen die Zukunft ruhen sollte? Die rabbinischen Schulen waren eingegangen und ein Ersatz war nicht vorhanden. Da ward unser ehrwürdiger Lehrer, Herr Rabbiner Dr. W. Feilchenfeld an die Spitze unserer Gemeinde berufen, und er erkannte gar bald, daß hier vor allem unter der Heranwachsenden jüngeren Generation der Boden fruchtbar gemacht werden müsse, auf dem sich die Saatkörner des Thorawissens zu einem gedeihlichen Wachsthum entwickeln sollten. Sein Verdienst ist es daher ganz besonders, in dieser Richtung von jeher anregend und begeisternd aus die seiner Führung anvertraute Jugend eingewirkt zu haben. Auf der Grundlage, die er seinen Schülern in der von ihm aus kleinen Anfängen heraus begründeten und geleiteten Religionsschule gegeben, verstand er es, die Liebe zum Thorawissen auch unter den der Schule Entwachsenen und denjenigen, die bereits einen Lebensberuf erwählt hatten, zu erhalten und zu fördern, indem er sie mindestens allsabbatlich zu anregender Beschäftigung mit dem heiligen Geisteswerke Israels um sich versammelte. Ein solcher Kreis von Thoraschülern war es, in welchem vor zehn Jahren am m 5651 (September 1890) eine Anregung des Herrn Moses Friedländer willige Aufnahme fand, einen Verein zu gründen, der um die Schüler des Herrn Rabbiners Dr. Feilchenfeld ein einigendes Band schlingen sollte. Der Gedanke einer Vereinsgründung fand sofort allseitigen Beifall. Nach Vorberathungen durch eine Kommission wurde am nztv mnr ( 6. Tischri 5661 — 20. September 1890) dann der Beschluß gefaßt, daß der Hauptzweck des zu begründenden Vereins gemeinsames „Lernen" sein solle, und behufs Organisation wurden in den Vorstand gewählt die Herren M. Silberberg, Vorsitzender, S. Mannes, erster Schriftführer, L. Feilchenfeld, erster Kassirer, M. Friedländer, zweiter Kassirer, K. K. Jeremias, zweiter Schriftführer. Kurz darauf wurde das gemeinsame „Lernen" als der einzige Zweck des Vereins erklärt, wie auch Paragraph 1 der Statuten besagt: „Der Verein prr>b *) hat den Zweck, unter der hiesigen herangewachsenen jüdischen Jugend das jüdische Wissen, und zwar besonders die Kenntniß von Bibel und rabbinischen Schriften zu fördern." Am 13 .Tischri*) **), 27. September, fand in den Räumen der Religionsschule eine Eröffnungsfeier statt. *) Mit Bezug auf Jes. 50. 4. **) Sterbetag des Rabbi Akiba Eger s. A.