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Der Israelit · 1900-12-27 · Heft 102-103 (27.12.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 102-103 (27.12.1900)
Date
1900-12-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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2149 dienen die Hottentotten und die auf der Landspitze von Chili näher nach Süden wohnenden Völker. Vollkommen begründet ist es daher, wenn in Ländern, wo das Klima heiß ist und die Trunksucht dem Individuum im Besonderen und dem Staate im Allgemeinen schädlicher ist, dieselbe strenger bestraft wird, als in Ländern mit kaltem Klima, wo Alkohol für den Einzelnen wie für die Gesellschaft weniger von Nachtheil ist und mehr betäubt, als ausgelasien macht. Das „mohammedanische" Gesetz, welches den Genuß des Weines gänzlich untersagt, ist demnach für Arabiens Klima sehr geeignet und berechtigt. Für kältere Himmelsstriche wäre ein solches Gesetz hart, ungerecht, weil fast undurchführbar. Dem Klima gemäß findet sich die Trunksucht unter den nördlich gelegenen Völkerschaften häufiger, so bei den Germanen, Slaven u. s. w. und artet sogar vielfach aus zu einem Nationallaster. So verehrten die alten Deutschen ihren höchsten Gott (Wodan) durch Trinkgelage. Gesundheits-, Wett- und Heldentrinken und ausgelaffene Schlemmereien bei Musikklang und wüstem Gesang gehörten zu den nationalen öffentlichen Veranstaltungen. Ja, sogar ihre Vorstellung von der Seligkeit war ein Saufgelage, wo der Wein in Strömen floß. Das Trinken war bei ihnen „Selbstzweck" und das war das Verderbliche und das ist auch die Ursache, daß die Alkoholfrage in den nördlicher gelegenen Ländern heute zur Zeitfrage geworden ist, die ihrer Lösung noch harrt und der Staatsverwaltung schwere Sorgen macht. So lange der Einzelne, oder ganze Vereine, Verbindungen, Gesellschaften, Corporationen und Genossenschaften das Trinken als Selbstzweck betrachten und zum Trinkgelage sich vereinigen, nur um des Trinkens wegen, insolange bleibt auch die Alkoholfrage eine acute. Das Trinken darf nur als Mittel zum Zweck betrachtet werden, während des Essens gebraucht in „mäßiger" Weise zur Stärkung und Kräftigung, zur Belebung der Sinne und Phantasie und zur Aufmunterung und Erheiterung des Gemüthes, dann wirkt der Alkohol wohlthuend und oft segensreich. Und weil der Wein in vorzüglichem Maße diese Eigenschaften besitzt, wird seine Ersprießlichkeit und Nützlichkeit im jüdischen Schriftthum vielfach gewürdigt und besonders gerühmt. So singt der Psalmist: Der Wein erfreut des Menschen Herz (Psalm 104.) D'Hin) buk 22*? w pi ,c*o ,i*p Israel wird vom Prophete mit einem Weinberg verglichen (Jesaias 6). Der weise Salomon rühmt im Hohen Lied den Libanonwein und empfiehlt den Alkoholgenuß dem Unglücklichen und dem Verzweifelten (Spr. 31). (x*b "pi isp un In demselben Sinne lehrt auch der Talmud: Nichts ist so gut geeignet, Furcht und Angstgefühl zu scheuchen, als der Wein (Baba Vathra 9). l'0 r-r a*2) U’bö p itvp ine Unsere Weisen behaupten sogar, daß ein rechtes Freudenmahl ohne Wein nicht denkbar ist (Peßachim 109). Deßhalb ist bei jedem Festmahle anläßlich der Festtage auch Wein erforderlich, weil es heißt: Du sollst dich freuen mit deinen Festen. (Das.) ,(gbo p'3 .fnctpo nö2 ,“pns nrtetti Ohne Ursache darf man sich den Weingenuß nicht entziehen, überhaupt ist jede freiwillige unnütze Entbehrung, die sich der Jehudi auferlegt, unbillig. So ist ein Nasir verpflichtet, nach Ablauf seiner Gelübdezeit ein Sühnopfer darzubringen, weil er gelobt hatte, keinen Wein zu genießen. Daraus folgern unsere Chachamim, daß Jeder, der irgend einem Genüsse unnütz entsagt, ein Unrecht an sich selbst begeht und deßhalb wird derjenige ein Sünder genannt, der ohne Grund und Ursache, und ohne daß es geboten ist, freiwillig fastet (Nedarim 9). ,12 XL1 K>B: 7N'X2 '31 ITCJI Sj? XB1 12>XB 1'*?v 1B3' i2i b33 iösb) unten .Kein xipj p.1 ,'v Ivw iwrtr nbx l'v DIU) nwn Xipj JWWD 32W1 bv fX30 ,313 KJ) Es ist ein verdienstvolles Werk, einen Gebildeten mit Wein zu beehren, und wer einem Gelehrten Wein zu trinken gibt, hat sich Gott so wohlgefällig gezeigt, >vie wenn er ein Trankopfer auf dem Altar dargebracht hätte (Joma 71). d;:i: xdo' na«ai '2; bv isib narni (X V xöt) p D'osn ’i'a^n bv. Bei keinem Trankopfer wurden von den Leviten Psalmen gesungen, nur beim Wein (Berachot 36). Es wird die Behauptung aufgestellt, daß der Wein <iH 71312) pn bv *b* (D'33:a) rrw pieix px. nur erschaffen wurde, um einerseits die Trauernden zu trösten und andererseits dem Frevler in diesem Leben die höchsten Genüsse zu gewähren (damit er im Jenseits der verdienten Strafe theilhaftig werde' Erubim 65). .ctg p2iiv) ayenb i3«p ob&bi o'^rx dhjS xi>x p X12: xi» (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 20 .Dez. Der Redakteur der „Staatsbürgerzeitung",, Dr. Paul Bötticher, hatte sich dieser Tage wegen Beleidigung des Realschuldirektors Dr. Hacks zu Kattowitz, vor der Zweiten Strafkammer des Landgerichts 1 zu verantworten. In der Nummer der „Staatsbürgerzeitung" vom 20. September d. I. erschien ein aus Kattowitz datirter Artikel unter der Ueberschrift „Mit der Wurst nach der Speckseite," in welchem mitgetheilt wurde, daß Dr. j Hacks am 12. September an einem Festmahl zur Feier! der Einweihung der Synagoge in Kattowitz theilge-

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