Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 101 (20.12.1900)
- Date
- 1900-12-20
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Schmuck entwendet habe. Es brauchte sich dabei nicht um einen gemeinen Diebstahl zu handeln. Der Herzog tonnte bei dieser That seine ganz bestimmten Absichten haben, die mit den Absichten eines Diebes nichts gemein hoben. Der König hatte den Herzog zu einer so undentbaren Ehe genöthigt. Vier Wochen waren seitdem verstrichen und er hatte es absichtlich vermieden, dem 'Opfer seiner Laune auch nur Gelegenheit zu geben, sich unter vier Augen mit ihm auszusprechen. Sollte der Herzog die That begangen haben, um dadurch auf irgend welche Weise eine solche Gelegenheit herbeizn führen? Zwei Tage lang beschäftigten ihn diese und ähnliche Gedanken. Dabei suchte er aber doch angelegentlich nach der vermißten Tabatiere, die er denn richtig am dritten Tag in einem Rocke fand, den er bei jenem Festmahle anlegen wollte, ihn aber süglich dock mit einem anderen vertauscht hatte. Run that es seinem königlichen Herzen unsäglich weh, daß er gegen einen so hochgestellten Edelmann auch nur einen Augenblick einen so schwarzen Verdacht aufkommen ließ. Sofort befahl der König den Herzog zu sich, um ibm dafür Abbitte zu thun. Er erzählte den ganzen Hergang und verheimlichte auch den Verdacht nicht; seht aber, wo sich alles aufgeklärt habe, stehe er nicht an, um Verzeihung zu bitten. Großmüthig wies der Herzog jede Veranlassung zu einer solchen Bitte zurück, da er ja eigentlich ganz allein diesen Argwohn durch seine entschiedene Weigerung, sich untersuchen zu lassen, geweckt habe. „Das ist richtig," erwiederte der König, „aber da wir jetzt allein sind, bitte ich Dich, mir den wahren Grund dieser Weigerung mitzntheilen. Für einen Dieb konnte keiner der Anwesenden gelten, Du am allerwenigsten, warum hast Du Dich in der That der Untersuchung widerseht, in die doch alle Anderen anstandslos willigten?" „Königliche Majestät, Ihr seid der Einzige auf der Erde, dem ich den wahren Grund mittheilen kann. Die Frau Herzogin hat mich ersucht, ihr von der königlichen Tafel Torte, Eonfekt und sonstige Leckerbissen als Ersatz dafür mitzubringen, daß sie nicht selber bei Hose erscheinen darf. Ich hatte meine Taschen damit gefüllt, und wie hätte ich dagestanden, wenn bei einer Untersuchung diese Dinge zu Tage gekommen wären? Dadurch, daß die Frau Herzogin in Folge ihres hohen Alters keinen Zahn mehr im Munde hat. mußte ich ihr zudem lauter weiche, leicht genießbare Dinge mitbringen: was hätte mein Tischnachbar, Se. Eminenz der Erzbischof, für Augen gemacht, wenn seine weißen, zarten Hände in dem Mischmasch versunken wären, aus den er in meinen Taschen gestoßen sein würde?!" „Ich verstehe Dich nicht, Fernando, was Du da von einer Greisin mit zahnlosem Munde sprichst, die Frau Herzogin ist doch eine blendende, jugendliche Schönheit, die vollzählig noch alle Zähne besitzt?" Der Herzog schwieg und wollte wehmüthig lächeln, aber es gelang ihn« nicht. Eine Thräne drang gegen seinen Willen aus der Gluth der braunen Augen. „Aber um Himmelswillen sprich doch, da muß irgend ein Mißverständnis; vorliegen, da ich doch meiner Sache sicher bin." „Ich habe dem bereits Gesagten nichts hinzuzufügen," erwiederte resignirt der Herzog. Der König klingelte und befahl dem Kammerdiener, daß sofort die Königliche Karosse zur Ausfahrt Vorfahren solle. „Ich selbst loerde mit Dir in Deinen Palast fahren, dort muß sich die Sache aufklären." Aber sie klärte sich schon vorher auf. Als die Karosse an den Buden der Obstverkäuferinnen vorbeifuhr, sab der König die vermeintliche Herzogin genau lvie vor vier Wochen bei ihren Früchten stehen. Er ließ die Karosse halten, sprang heraus, ging direkt auf Lueias Bude zu und fuhr das zitternde Mädchen hart an: „Hast Du meinen Brief besorgt?" „Majestät, der Gaspard dort ist an allem schuld. Ich habe den Brief einer alten, befreundeten Wittwe zur Besorgung übergeben und diese ist seitdem spurlos verschwunden, ihr Korb mit Wäsche steht noch da." „Gütiger Himmel, Fernando, was habe ich angestellt! Gehe Du allein nach Hause, ich habe noch rasch einen anderen Weg zu machen. Meine heiligste Aufgabe wird es zunächst sein, das an Deinem Lebensglück begangene Verbrechen wieder gut zu machen. Du wirst bald wieder von mir hören. Verzeihe mir, wenn Du kannst, Gott sei meiner hoffärtigen Seele gnädig!" Er ließ sich darauf direkt an das vor der Stadt gelegene Landbans Don Jzchak Abarbanel's fahren. Don Abarbanel begrüßte den König mit den Worten: „Ew. Majestät erweist den bescheidenen Räumen meiner Wohnung eine ungewöhnliche, unverdiente hohe Ehre durch diesen Besuch. Hätte ich davon irgend eine Ahnung gehabt, so hätte ich sie würdiger Herrichten und ausstatten lassen." „Theurer Don, ich komme, um Dir Abbitte zu leisten für den hoffärtigen Dünkel, mit dem ich Dir bei nuferer jüngsten Besprechung entgegen getreten bin Ich babe es jetzt erfahren, aus wessen Seite die Weisheit und Wahrheit ist. Du hast Recht und die Weisen Deines Volkes haben die Wahrheit gesprochen, wenn sie lehren, daß Ehen int Himmel geschlossen werden, und daß Menschen sich nicht vermessen können, in dieses göttliche Borrecht einzugreiscn." Und nun erzählte der König seinem weisen Berather alles, was vorgefallen war. „Das schlimmste aber bleibt", so schloß der König seine Darstellung, „daß es gar kein Mittel gibt, das Verbrechen wieder gutzumachen. Du weißt ja, daß nach