Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 101 (20.12.1900)
- Date
- 1900-12-20
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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2140 Briefe nichts als meine besten Glückwünsche für den heutigen Hochzeitstag beizufügen." Nun war die Sache unabänderlich. Die Trauung wurde voraenommen, und noch vor Eintritt des Abends war der junge Herzog verheirathet. Tags darauf verbreitete sich durch Lissabon das Gerücht, daß der jugendliche Herzog von Bragenza eine schon ältere Matrone geheirathet habe. Die Einen wußten, daß der Herzog schon lange Jahre mit der Erwählten seines Herzens Beziehungen unterhalten habe, die Andern erzählten von dem fabelhaften Reichthum, den dem Herzog diese Heirath gebracht, kurz, Jeder wußte einen anderen Grund für dieses überraschende Borkommniß. Die Frau Herzogin bekam Niemand zu sehen. Der Herzog verkehrte wie sonst allein bei Hofe, nahm an dem Empfang, an allen Festen und Feierlichkeiten allein Antheil. Es war auch jeder Hofmann discret genug, um den Herzog nicht darüber zu befragen. Er behandelte die ihm als Gattin angetraute Greisin mit aller Höflichkeit und Zuvorkommenheit, so sehr auch der Abstand der Jahre, der Erziehung und des Bildungsgrades sich in empfindlicher Weise geltend mochte. Ein Verlangen, an den Hof zu kommen, hatte sie nicht, sie lebte sich leicht in das neue Leben ein. Wenn ihr Gatte nach Hause kam und von den herrlichen Festen erzählte, denen er im königlichen Schlosse beigewohnt hatte, so rang sich manchmal ein Seufzer aus ihrer Brust, den der besorgte Gatte in den ersten Tagen ihres Zusammenlebens falsch deutete, bis es seiner sanftmüthigen Hingebung gelang, die Duelle zu entdecken, aus welcher dieser Schmerz floß. Sie gestand ihm auf sein Befragen, daß bei seiner Aufmerksamkeit. Zuvorkommenheit und Liebenswürdigkeit es sie wundere, daß er ihr noch nie ein Stück Torte. Confitüren oder irgend einen andern von den Leckerbisien mitgebracht habe, welche die königliche Tafel zieren. Seitdem besuchte er keines der Hoffeste, ohne diesem Winke zu entsprechen. Er steckte irgend etwas an der Tafel zu sich, sei es eine candirte Frucht, Confekt oder irgend etwas anderes, was der zahnlose Mund seiner Ehehälfte genießen konnte, und seitdem hatte die neue, alte Herzogin keinen unerfüllten Wunsch, der einen Schatten auf ihr herrliches Leben geworfen hätte. Bei einer Empfangsfeierlichkeit, die etwa zehn Tage nach der Hochzeit stattgefunden, erkundigte sich der König in sehr verbindlicher Form in Gegenwart anderer Würdenträger des Landes bei dem jungen Ehemann nach seinem und der Frau Herzogin Befinden und erhielt selbstredend die Versicherung des höchsten Glückes, wie es von einem so jung Vermählten in den ersten Tagen der Flitterwochen nicht anders zu erwarten war. III. Bier Wochen mochten auf diese Weise in's Land gegangen sein. Don Jzchak Abarbanel war seit jener Berathung nicht mehr beim König zur Audienz befohlen worden. Der letztere suchte seitdem Tag für Tag nach einer paffenden Gelegenheit, seinem jüdischen Rathgeber das Glück des von ibm zusammengebrachten Paares so recht unabweisbar vor die Augen zu führen und ihm auf diese Weise das Eingeständniß seines Jrrthums abzurinaen. Die Gelegenheit hatte sich aber immer noch nicht finden wollen. Da er seiner Sache sicher war, so hatte der König damit auch keine besondere Eile. Da trat ein Ereigniß ein, das auf die ganze Entwickelung der Angelegenheit von bedeutsamen Folgen sein sollte. Eine kleine, aus zehn Herren bestehende Gesell schaft, unter der sich auch der Herzog befand, war eines Tages zur königlichen Tafel geladen. Es waren Prinzen, hohe Kirchenfürsten, Generäle, kurz die höchsten Spitzen der Gesellschaft, die sich hier zusammenfanden. Der König hatte eine kostbare, mit den seltensten Edelsteinen besetzte Tabatiere von ganz ungeheurem Werthe mitgebracht, die er seinen Gästen nach beendigter Tafel zeigen wollte und konnte sie nicht wiedersinden. Bestürzt theilte er aus Befragen den erlauchten Gästen seinen Verlust nnt; alle halfen nach dem theuren Kleinod suchen, doch ohne Erfolg. Ein jugendlicher Prinz machte den Vorschlag, daß jeder die Taschen seines Nachbars nach dem vermißten Stücke durchsuchen solle, ein Vorschlag, der auch von allen angenommen tvurde, rnit Ausnahme des Herzogs von Braganza. Dieser erklärte mit aller Entschiedenheit, daß er sich niemals einer Visitation unterziehen lasse, ja, daß er jeden niederschießen werde, der ihn auf diese Weise zu verdächtigen wage. Man war bei dem liebenswürdigen, höfischen Mann der Etiquette diesen schroffen Ton gar nicht gewohnt und der Kommentar, den sich jeder Einzelne für sich dazu machte, war nicht sehr schmeichelhafter Art für den Herzog. Der König selbst fand diese entschiedene Weigerung ausfallend, aber er war ein viel zu aufmerksamer Wirth, als daß er seine Herzensmeinung auch nur durch eine Miene verrathen hätte. Er lenkte im Gegentheil gesliffentlich die Aufmerksamkeit seiner Gäste von dem unerquicklichen Gegenstand so vollständig ab, daß, als sich die Gesellschaft eine Stunde später trennte, der ganze Zwischenfall vollständig vergessen schien, obwohl Jeder für sich noch sehr wohl daran dachte. Am meisten beschäftigte die Sache den König selber und zwar nicht so sehr der Verlust der Tabatiere, als das eigenthümliche Verhalten des Herzogs. So sehr er sich auch anfänglich dagegen sträubte, so gewann doch das Mißtrauen und der Argwohn in seinem Herzen endlich die Oberhand, welche es ihm nach und nach ganz plausibel erscheinen ließen, daß der Herzog den theuren