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Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 28)
Language
German
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2143 i\'tt Ou'fetu’n unserer kieiligen Kirche eine Ehescheidung unzulässig iik; so ist dieser ivahrhafk königliche Edel inann tiir unahfchbarc .Seit an ein Wesen gekettet, wie es ihm mein Uebermnth zugeiviesen hat. 'XUeine ein zige Hottnung in Deine Weisheit, die sich schon so oft größer erwiesen hat, als meine Thorbeit; iveißt Tn einen üiath, um ans dieser schrecklichen Lage frei zu lDerhen'" „Wir wollen der Dache ruhig in's Auge schauen und sie dis ans ihren Ausgangspunkt jiiriitf verfolgen," erwiederte Ton Adardanel. „Allerdings ist mir de lannt, das; eine Ehescheidung nach den Gesehen der ta tholischen Aiirede unmöglich ist, aber ich,,re 'JJi'ajeftät wissen sa, daß De. Heiligkeit der Papst in desonderen Hallen auch die Scheidung einer Ehe anssprechen kann. Ta Ew. Majestiit seht gerade eine Deputation zur .Hui- > digung des Papstes mit reichen Geschenken nach Rom | geschickt hat, so wird der Augenblick der geeignetste sein,; um eine fvlcfie Ulkte?u stellen und ihrer Erfüllung sicher | zu sein. Die Gesandtschaft ging vor zehn Tagen von! hier ab, und wird ivohl in den allernächsten Tagen in Rom eintreffen. Gin reitender Expreßkurier, den Ew. Majestät sofort nachsenden würde, käme vielleicht ein oder zwei Tage später in Rom au. Diesem lväre die 'Weisung uiitzugebeii, das; die Oiesandtschaft, bevor sie ihre Answartnng im Uatikan macht, noch weitere Trdres abivartet. Tann scheint es geboten, daß E>v. Blajestät De. Eminenz den Erzbischo.f in das Ge Heini näß eiinoeibt; dieser wird dann bereittvilligst allen Intentionen E'w ststajestät entsprechen. Etv. Majestät richtet 'mtnit ein eigenhändiges Bittgesuch an den Papst, mit lurzer Darstellung des Zachverhalts. Se. Eminenz der Erstnschoi >oird bestätigen, daß die ganze Ehe sebließnug. >veil ans einen; Jrrthum beruhend, von nornhineiu uugilkig ist, und daß es sich somit bloß um sormelle Auslösung einer trhe handelt, die in Wirklich tei; nieinals zu 'Uedn eriftirte. Es müßte wunderbar lugehen, ivenn der Papst nicht bereitivilligst dem Wunsche E>v. Majestät entsprechen sollte." Ter Afimifi oefolgte diesen Üiath, der auch nach wenigen Wochen zu dem geivünschten Jiele führte. Zeinen; jüdischen Ratbgeber aber blieb er Beit seines Lebens ei;; dankbarer Freund und Beschützer, kveil er ihn von der Wahrheit überzeugt Hatte, daß Ehen im .Hilnmel geschlossen werden. „Tausend Dank Dir, tausend Segen, Daß Du Jude mich genannt — Was ist am Doktor mir gelegen, Wenn Du den Juden nur erkannt. Der Titel Doktor" ist erstanden Vor kurzem nur aus Eitelkeit, Der Titel „Jude" ist vorhanden Schon seit einer Ewigkeit. „Jenen" kann man sich verschaffen Durch das Geld und gar so leicht, Auch leere Schädel, junge Lassen Haben oft ihn schon erreicht. „Diesen kann nur jener tragen, Der grad ab von Jakob stammt Und in seinen ersten Tagen Die blut'ge Taufe überstand. *) Der Verfasser dieses Gedickte, einnahezu siebzig Jahre alter. vielgesuch;er, jüdischer Arzt, wurde zu einer hochstehenden Damei'ckristlicher Eonfession gerufen. Ter Arzt Dr. N. 9t. weilte im Vorztminer, inzwischen kam die Tochter der Kranken u. srug das Mädchen: „Ist der Jud schon da." Der Arzt, welcher dieses hörte, sandte dem Irl. nachstehendes Gedicht zu, welches die Wirkung hatte, daß das Frl. um Verzeihung bat und die aufrichtigste Freundin des Arztes wurde. dü u 0 e. ) „Jener" schützt vor Aberglauben, Vor Götzendienst den Träger nicht, „Diesen" heischt der reinste Glaube An einen Gott, an Lob und Pflicht. Der Titel „Jude," den wir führen, Bedeutet mehr als Fürst und Lord, Und inanche Tugend muß den zieren, Der Jud' voill sein in That und Wort. Musl're nur die Nationen, Schau umher auf Sitt' und Brauch, Wer verprasset denn Millionen, Wer vergöttert nur den Bauch?? Wer entehrt die Feiertage, In Sans und Braus und Kartenspiel, Wer flucht und schimpfet beim Gelage, Und schlägt sich blutig im Gewühl? Wer verübt die größten Sünden, Mord und Brand und Ehebruch? Aus westen Munde will verschwinden Der Mutterschimps, der Gattenbruch? Willst Du kennen reine Sitten, Und bewundern häuslich Glück, Laß in armen Judenhütten Prüfend wandeln Deinen Blick.

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