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Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 25)
Language
German
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ür das Aörthodoxe «MudenthumÄ RON f» ~C-M OS E Sv‘ lNv. 12 20 Dez. 1900 ] K -2 mm f:tra ö»ng und sein (Schluß). nthgeber. —H — Der Herzog erbrach den Brief, flog hastig über die wenigen Zeilen hin nnd erbleichte vor Schrecken. Er warf einen Blick ans die Ueberbringerin, — diese mußte er ans Befehl dev Königs heirathen? Heute noch heirathen? Sie darf das Haus nicht verlassen, bis sie meine Frau tft? Was soll das bedeuten? Wohl wußte der Herzog, daß der König der unbeschränkte Herr über sein Geschick war, wohl hatte er auch längst mit der Möglichkeit gerechnet, daß er einmal aus dynastischen, politischen oder religiösen Rücksichten eine Ehe eingeheu müsse, die vielleicht nicht vollkommen nach seinem Geschmack seine könne. Aber ein altes Waschweib, mit zerrissenen Schuhen und verwirrtem, grauen Haar, mit ungewaschenen Händen und verwaschenen Fingern zu heirathen, das war doch zu bunt! Die arme Frau blickte stupid auf den erschreckten Herzog, bewunderte seine tadellose Wäsche, stellte Bergleiche zwischen ihr und der gebleichten Gesichtsfarbe ihres Trägers an und wartete auf ihr Trinkgeld. Da der Herzog keine Miene machte, es zu zahlen und es ihr doch zu delikat erschien, es noch einmal zu fordern, fragte sic kleinlaut, ob sie jetzt wieder gehen lönne. „Sie und gehen? Sie sind ja meine zukünftige Frau, die Hochzeit wird heute noch stattfinden. Aber Sie müssen doch vorher ein wenig standesnnd hochzeitsgemäß umgekkeidet werden." Der Herzog klingelte und ließ durch den eintretenden Kammerdiener sofort die Verwalterin des Schlosses rufen. Dieser gab dann der Herzog den Auftrag, die Dame zu baden, zu salben und fein auszustatten. Dann ließ er seinen Beichtvater zur Vornahme der Trauung holen. Ihm vertraute er als Beichtgeheimniß den ganzen Vorgang an. Auch dem Beichtvater schien dies Alles so räthselhaft, als dem Herzog. Aber er tröstete ihn, daß die tiefe Weisheit des gütigen Königs gewiß ihre guten Absichten habe und gab ihm den Rath, sich doch sofort in's königliche Palais zu begeben, und Se. Majestät lim Aufklärung zu bitten. „Ich darf ja mein Haus nicht verlassen, bevor ich verheirathet bin; aber Hochwürden, geht Ihr für mich zuin König uut bittet Se. Majestät um Aufklärung dieses Räthfels." Als der hohe Geistliche sich dazu bereit erklärte, gab ihm der Herzog einige Zeilen des Inhaltes mit, daß er sich selbstverständlich dem königlichen Befehle füge, daß er es aber doch für Pflicht halte, nochmals anzu- , fragen, ob hier nickt ein Jrrthum oder eine Mystifikation vorliege. Rack kaum einer Stunde kam der Pfarrer wieder von Sr. Majestät zurück. Er war nicht vorgekassen lvorden, dagegen hatte der König den Brief entgegengenommen und darunter die Worte gesetzt: „Es liegt keinerlei Jrrthum vor, und ich habe meinem ersten

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