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Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 20)
Language
German
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2134 ZettungSnachrtchte« und Correspondenzen. Köln, 18. Dez. Der Vortragssport für diesen Winter ist bereits en vogue. Die Vorträge, die dem jüd. Köln als Ohrenschmaus Schlag auf Schlag geboten werden, schießen nur so aus dem Boden. Der liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde Köln hat am 6. ds. Mts. im englischen Saale der Philharmonie einen Vortragsabend veranstaltet. Als Redner trat Herr Dr. Eoblenz aus Bielefeld auf. Am 11. Dez. hielt die hiesige Zionistische Vereinigung eine Sitzung ab. bei welchem Anlaß mitgetheilt wurde, daß die Mitglieder mit ihren Damen von nun ab jeden Dienstag Abend im Süddeutschen Bierhaus zu einer zwanglosen Besprechung zusammen kommen. Abends zuvor veranstaltete der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur im großen Saale der Lese einen Vortrag, in dem Herr Dr. Simchowitz über den Philosophen Salomon Maimon sprach. Heute Abend wird Herr Rabbiner Dr. Nobel aus Königsberg im Fränkischen Hose einen Vortrag halten, und zwar auf Veranlassung der Wahlvereinigung zur Wahrung und Förderung der jüdischen Gemeinde-Jnteresien. Es gibt Leute, die an diesem Vortragssport ihre helle Freude haben. Man wird so rasch und so leicht gebildet, wenn man ihn gewisienhaft mitmacht, und es gibt in einer großen Gemeinde, wie es die hiesige ist. Leute genug, welche gerne in diesem Bildungsfirniß glänzen möchten. Auch unter denjenigen, welche den bescheidenen Bildungswerth dieser Vorträge richtig taxiren, fehlt es nicht an solchen, welche dieselben doch als einen Fortschritt bezeichnen. Sie meinen, es sei doch immer beffer, diese Halb- und Viertelsbildung zu pflegen, als die Abende im Wirthshaus mit Spiel und leichtsinniger Gesellschaft zu verbringen. Das ist gewiß richtig. Doch muß man daran erinnert werden, daß diese wie jede Halbheit auch ihre schlimmen Auswüchse und Schattenseiten hat. Diese Scheinbildung ist vor allem daran Schuld, daß wahre, tiefgründige Bildung des Geistes und Herzens heutzutage so selten ist. Gilt dies im Allgemeinen, so trifft es für unsere spezifisch jüdischen Anliegen doppelt und , dreifach zu. Dieser Vortragsdusel weckt und hegt bei den ihm Ergebenen die Ansicht, Vorträge anzuhören und sie nachher beifällig zu beklatschen, sei in der That der Weg, um zu jüdischem Wissen und jüdischer Bildung zu gelangen. Von der Selbstarbeit, der Hingebung und Entsagung, die in Wirklichkeit erforderlich sind, um sich auch nur einen bescheidenen Fonds jüdischen Wisiens anzueignen, dämmert dem Gros dieser Vortragsmenschen kaum eine Ahnung auf. Welch' betrübende Folge das haben kann, zeigt z. B. der erste der hier aufgezählten Vorträge. 1 Wenn in dem liberalen Vereine religiöse Angelegenheiten zum Gegenstände eines Vortrages gemacht werden, so weiß man schon im Voraus, nach welcher Richtung da alles gravitirt. Wenn gar Herr Dr. Coblenz aus Bielefeld der Sprecher dieses Vereines ist, so weiß man noch besser, was die Verbindung zwei so schöner Seelen zu leisten vermag. Aber die Leistung dieses Vortrages hätte man nicht für möglich gehalten, wenn sie nicht wirtlich erfolgt wäre. Ohne Spekulation auf die Gutmüthigkeit und Unwissenheit seiner Zuhörer ist das, was der Redner hier geboten hat, gar nicht denkbar. Die Lufthiebe aus die Neu- und Pseudoorthodoxen. Windmühlen, mit welchen der wackere Herr Ritter von Bielefeld seine oratorischen Heldenthaten einleitete, haben wir kein Bedürfniß zu notiren und noch weniger zu pariren. Die Neu- und Pseudoorthodoxen verdienen in der That den Kampf auf's Messer, den ihnen Herr Dr. Eoblenz entbietet, es ist nur schade, daß sie außerhalb der erregten Phantasie des Redners nirgends zu finden sind. Dagegen findet die wahre Orthodoxie Gnade in den Augen des Herrn Dr. Eoblenz wegen ihrer ehrlichen Ueberzeugungstreue: nicht der Coblenz'schen Augen, sondern der wahren Orthodoxie. Das ist auch schon viel. — Der Kernpunkt der Doktor Coblenz'schen Ausführungen gipfelt in der Forderung, die aus der Vogelperspektive des jüdischen Liberalismus für die Hebung und Vollendung des Gottesdienstes gestellt wird. Man könnte ruhig jede noch so hohe Prämie auf die Lösung des Räthsels setzen, das der Redner hier zum Besten gab, wie unser Gottesdienst die ersehnte ideale Höhe er reichen werde, es käme Keiner mit halbwegs gesundem Menschenverstand von selber drauf. Wir wollen deßbalb den Leser nicht lange in spannender Aufregung darüber lassen, es ist: die Orgel. Daß eine große Anzahl von Gemeinden seit Jahr und Tag zwar eine Orgel, aber trotzdem nicht den idealen Gottesdienst besitzen, den sie erzeugen soll, das geniert große Geister, dom Schlage des Herrn Dr. Coblenz, nicht. Er verordnet nach dem Beispiel eingerosteter Homöopathie für alle Krankheiten immer und überall ein und dasselbe Hausmittel: die Orgel. Religionsj gesetzliche Bedenken bestehen dagegen nicht, meint Herr Dr. Eoblenz. Die Gutachten eines Chatam Sofer, eines Rabbi Akiba Eger und vieler anderer Autoritäten der Thorawissenschaft, welche die Fälle von religionsgesetzlichen Bedenken gegen die Einführung dieser Reformen klipp und klar Nachweisen, existieren für eine Autorität von dem Kaliber des Herrn Dr. Eoblenz nicht. Er versteht ganz sicher nicht eine einzige mitwi dieser Eorrpvhäen der jüdischen Gesetzeskunde, deshalb ist diese Litteratur für ihn nicht vorhanden. Es sei ihm deshalb die in deutscher Sprache gehaltene Schrift von 1 Rabbiner David Deutsch über die Einführung der

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