Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 101 (20.12.1900)
- Date
- 1900-12-20
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
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2135 Orgel in der Synagoge zur Lektüre empfohlen, vielleicht geht ihm dann ein Licht über die Arroganz und Ignoranz auf, welche die Behauptung bedeutet, es gäbe feine religionsgesetzliche Bedenken gegen die Orgel. Auch über die Ungesetzlichkeit, die der Einführung der Orgel als Nachahmung eines nichtjüdischen Kultus anbafut er:.“ np:n), kann sich der Redner da genügend informieren. Falls er aber Den Kirchenvätern mehr als den Lebrern seines Volkes glaubt, so kann er in dem Briefwechsel des Kirchenvaters Augustinus mit Dar- - ^enus die Stelle nachlesen, in welcher der Nachweis geführt lvird, daß die Orgel ein svmbolum cvangelii ist. - Das; die Orgel schon im Tempel zu Zijon funktionirt habe, war mir neu, und wenn Herr Dr. Eoblenz sie nicht selber dort gehört hat, glaube ich es ihm nicht, obwohl er sogar ihren Namen „MogrefalI anführt. Daß das Instrument Mogrefah keine Orgel gelvesen sein kann, liegt für jeden Einsichtigen so faustdick da, daß man darüber lächelnd zur Tagesordnung gehen kann. Die Behauptung ist vom sprachlich jüdischen, vom musikalischen und vom primitivsten chronologischen Gesichtspunkt ein solches Monstrum, daß sie in Spiritus gelegt und in einem Euriositäten- Eabiuet untergebracht zu werden verdient. Dass die Trage der Einführung und Nichtein tübrung der Orgel hier schon so vielfach die Geister erregt und den G'emeindesrieden bedroht hat, das ist für Redner dieses SchlaaS eine Bagatellsache, die sie nicht zurückhalten wird, ihr Sprüchlein herunter zu sagen. Ebensowenig \nk die Ungeheuerlichkeit, daß die ideale Höhe des Gottesdienstes von der Funktionirung eines Blasebalges abhängig sein soll, wie man es hier mit der treuherzigsten Miene der Welt plausibel zu machen sucht. Nun, der Lohn für diesen schönen Vortrag ist auch nickt ansgeblieven. Bei der heute stattgefundenen Repräsentantenwahl der dritten Klasse sind die Orgelschwärmer wiederum erlegen. Die Betheiligung war in beiden Lagern eine so ungewöhnlich starke, wie es noch nie zuvor der Tall war, und wurde aus beiden Seiten schon seit Wochen eine gewaltige Agitation entfaltet. Als Repräsentant wurde u. A. auch das Vorstandsmitglied der Israelitischen Religionsgesellschaft Herr Kaufmann Herm. van Cleef gewählt. Ein Theil dieses schönen Erfolges ist zweifellos auf die Rechnung des Herrn Dr. Eoblenz zu schreiben, dem hiermit unser Dank abgestattet sei. Ueber den inneren, wissenschaftlichen Werth der übrigen Erperimente, die der liberale Redner zur derung des Gebets und zur Vervollkommnung des Religionsunterrichtes vorschlägt, braucht nach alledem kein Wort verloren zu werden. Die mitgetheilte Probe genügt. Den Mitgliedern des liberalen Vereins ist ein solcher Vortrag Wasser auf ihren Mühlen. Kein Wunder, daß er enthusiastisch ausgenommen und als Ausbund hochkritischer Forschung beklatscht wird. Man glaubt ja so gerne, was man gerne hört, auch wenn es noch so bunt ist. Das ist auch eine Seite des Vortrags-Sports, der bei Abwägung seiner Vortheile und Nachtheile gewürdigt zu werden verdient. Ein Gegner der Orgel, ein Anhänger des Gemeindefriedens, wird durch die Argumente von Vorträgen dieser Art ganz sicher nicht belehrt und bekehrt. Einem solchen schaden sie nicht nur nicht, sondern der Einblick in die Mittel und Mittelchen, mit welchen da eine widersinnige Sache mundgerecht und salonfähig gemacht werden soll, bestärkt ihn in der abweisenden Haltung, mit welcher er diesem ganzen Gebahren gegnüber steht. Aber die anderen, oor Allem diejenigen, welche nicht alle werden, dc:um ihre Allüren höher stehen, als der Friede der Gemeinde, diese alle freuen sich mit einem solchen Redner, der ihren Vailletäten den Kappzaum der Scham abnimmt und ihren Schrnllen ein, wenn auch noch so fadenscheiniges, wissenschaftliches Mäntelchen umhängt. Wenn dann später die ausgestreute Saat aufgeht und die Geister aneinander gerathen, so hat das mit ihrem Singen die Loreley gethan. Es scheint deßhalb doch geboten den Auswüchsen dieser Vortragswuth durch einige nüchterne Erwägungen entgegen zu treten. Rußland. Petcrccknlrq, im Dez. (Senats-Entscheidungen.) Der Senat entschied, daß Juden im Alter von über 70 Jahren, aus dem Innern Rußlands nicht mehr ausgewiesen werden dürfen, selbst lvenn sie sich daselbst widerrechtlich aufhalten. Dieser Milde des Senats gegenüber sticht die Grausamkeit der russischen Polizei ab, welche in einem anderen Falle einen greisen jüdischen Handwerker, der sich 40 Jahre lang in einer Stadt des Innern Rußlands als ehrlicher Arbeiter durch das Leben schlug, ausweisen wollte, weil er in seinem 82. Lebensjahre, alt und gebrechlich, das Handwerkszeug an den Nagel hängen und sich zur Ruhe setzen wollte. Der Senat entschied aber, daß ein Greis von 82 Jahren es nicht nöthig hat, sich, wie die Maigesetze es vorschrieben, mit dem Handwerk zu befassen, um den Abend seines Lebens außerhalb des Ansiedelungsrayons zubrinqen zu können. _T. Buttergebäck ohne Butter kann man mit dem vorzüglichen Backfett „Palmin" Herstellen. Das Palmin ist ein unverfälschtes Pflanzenfett von höchster Reinheit. Obwohl dasselbe V4 ausgiebiaer als Butter ist. kostet bas Pfund nur 65 Psg. Die Verwendung ist eine so einfache, daß jede Hausfrau oder Köckin, welche Palmin noch nicht kennt, einen Versuch sehr leibt macken kann. Auch zu Kuchen. Stollen und Torten kann Palmin vorzüglich verwendet werden. Palmingebäck hält seinen frischen Geschmack viel länger, als jedes andere. Bet den jetzigen hohen Butter- und Schmalzpreisen ist der Hinweis auf Palmin wohl angebracht und hoffen wir damit mancher unserer verehrten Leserinnen gedient zu haben.