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Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 18)
Language
German
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2132 kann. Auch die von meiner Kritik betroffenen Stiefel waren an und für sich tadellos, nur für meine Füße paßten sie nicht. Vielleicht liegt der Fehler an meinen Füßen. Die Schwierigkeit, mit der Schulen zu kämpfen haben, welche Thora und px 711 ebenbürtig behandeln wollen, liegt aber in dieser ihrer Eigenart, zwischen dem ’nb mn und dem cob ratn die rechte Mitte zu halten. Gelänge dies aber ganz genau, so würde es dennoch je nach ihrer Individualität sehr viele Leute geben, welche in etwas mehr oder weniger Hebräisch und etwas mehr oder weniger Profanem die rechte goldene Mitte fänden, die sie vermissen. Die Leute, die ihr rww für rrama halten, sind auch mit den a^vyx njne nicht ausgestorben. Nun ist doch zum mindesten diskutirbar, ob eine solche Theilung von 60 Prozent Thora und 60 Prozent px “*n der Sinn der Forderung px -pn cy nun ntr in Wirklichkeit ist. Der Wortlaut, der die Thora in erster Reihe und den px pn nur als eine Beigabe betont, spricht jedenfalls nicht für eine solche gleiche Theilung. Es kann zudem gar keinem Zweifel unterliegen, daß Thora, ihre Kenntnis., ihre Anerkenntniß, ihr Studium und ihre Erfüllung dasjenige ist, was den Juden zum Juden macht. Sie ist das zu vererbende Gut der Gemeinde Jakobs, sie ist der Baum des Lebens für die, welche an ihrf estbalten, sie ist das vom Himmel uns gereichte Mittel gegen Leidenschaft und Verführung, sie ist das Licht, das den Verirrten wieder zum Guten zurückführt. Die hingehendste Beschäftigung mit der Thora und die Vertiefung in ihren Inhalt ist eine Pflicht, die mit dem ersten Lallen des Kindes beginnt, um mit dem letzten Atbemzug erst zu enden. Keine Lage, kein Stand, kein Glück, kein Weh, am wenigsten unser sogenannter Beruf kann uns von diesem einzigen, wahren, jüdischen Berufe dispenstren. Ist diesem Berufe Rechnung getragen, dann sind wir zu dem Verkehr mit der Welt, zu der Möglichkeit, uns die Mittel zum Dasein zu verschaffen, und dieses Dasein zu einem möglichst sorglosen, heiteren zu gestalten, kurz, zu allem dem, dessen Summe man px pn nennt, nicht nur berechtigt, sondern auch in ganz hervorragender Weise verpflichtet. Unsere Thora verdient diesen Namen nicht, sie hat keinen Bestand und Halt, wenn ihr der px'-pn fehlt. Unser Handel und Wandel, unser Erwerben und Genießen, alle Ausgestaltungen des px pn vollziehen sich nach dem Diktat des Gottesgesetzes, wurzeln und gipfeln in ihm und sind die herrlichen Blüthen am Baume der Thora, angesichts welcher sich der vermeintliche Gegensatz zwischen Thora und px pn in vollendete Harmonie auflöst. Aber so gewiß Pflanzung, Pflege und Wachsthum des Baumes der von ihm gezeitigten Blüthe vorangehen muß, so gewiß er einen größeren Raum als die Blüthe einnimmt, so gewiß aber auch die dem Baume gewidmete Sorgfalt der Blüthe zu Gute kommt, so gewiß muß in erster Reihe unsere Erziehung der Thora gelten, so gewiß muß sie den ersten Platz einnehmen, so gewiß kommt aber auch alle Zeit und Kraft, die wir für die Thora eingesetzt haben, dem von ihr unzertrennlichen px 711 zu Gute. Auf Kosten der Thora den px 7Y7 pflegen, hieße zu Gunsten der Blüthe den Baum verkümmern lassen. Wenn demnach die Großen in Israel, die in unserem Jahrhundert die alte Vereinigung von Thora und px 7TT wieder in Deutschland zu Ehren gebracht haben, einer „ebenbürtigen" Behandlung von Thora und px 7"n das Wort geredet, so haben sie es niemals in dem Sinne gewollt, daß auf Kosten der Thora der px 7"H seine Pflege finden solle. Lieber hätten sie auf alle soziale und wissenschaftliche Bildung verzichtet, als sie um den Preis der Vernachlässigung der Thora sich und ihren Kindern anzueignen. So verstanden sie die Ebenbürtigkeit nicht, sondern sie verstanden sie jedenfalls in dem Sinne, in dem R. Jochanan ben Saktai wünschte, daß seine Schüler Gotk fürchten mögen.!vie sie Menschen fürchten. So gewiß man Gott mehr fürchten muß, als Menschen, so sicher ist die Furcht vor Menschen tatsächlich gewöhnlich größer, als die Furcht vor Gott, und die Gottesfurcht könnte gewiß nur gewinnen, wenn sie der Furcht vor Menschen ebenbürtig wäre. So wäre ganz gewiß auch dem Studium der Thora geholfen, wenn es nur dem Studium der übrigen Disciplinen ebenbürtig wäre. Aber mit dieser Ebenbürtigkeit hapert's eben allenthalben, inner- und außerhalb der Schule. Sie siehi in den Devisen und in den r.i-x pm; aber sie wird umso schmerzlicher in der Wirklichkeit vermißt. Mein Lehrer pflegte zu sagen, er habe oft Geschäftsleute gesehen, die Mittags vom Geschäft nach Hause kamen und beim Mittagessen in der einen Hand den Löffel und in der anderen die Zeitung hielten, deren Inhalt sie noch gieriger verschlangen, als denjenigen ihres Tellers. Er habe aber noch nie gesehen, daß Jemand sich in dieser Weise die Minuten für die Lektüre des vnx vr- oder von »ein mit Raschi abgegeizt habe. Das wäre Ebenbürtigkeit. Ich schicke dies voraus, um zu constatiren daß es unbillig wäre, diese volle Ebenbürtigkeit in dem Leben der Schule zu verlangen, so lange sie in der Schule des Lebens nicht vorhanden ist. Nichtsdestoweniger muß es gesagt werden, daß die Parität in der Behandlung von Thora und px 71-1 in den zu ihrer Vereinigung gegründeten Schulen mehr zu wünschen läßt, als es billiger Weise der Fall sein dürfte. Die Hingebung, Begeisterung und Vertiefung beim Unterricht der Thora mag dieselbe oder mag noch größer sein, als die auf die anderen Fächer verwandte, aber ein Blick auf den Lehrplan genügt, um sich sofort zu überzeugen, loie bescheiden die Zahl der jüdischen Unterrichtsstunden im Vergleich zu der Zeit ist, welche den anderen Fächern gewidmet wird. Ich weiß, daß es

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