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Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 6)
Language
German
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2120 Man rühmt den Helden, der unter dem Donner der Kanonen den Lorbeer sich erringt, man bewundert seinen Muth und seine Unerschrockenheit. Aber ein Rabbiner, der in hartbedrängter Zeit, ohne Menschenfurcht und ohne Menschenscheu und ohne einen Augenblick zurückzuweichen, für die Ideale Israels eintritt und unter Verzichtleistung aus alle irdischen Genüste und Vortheile seine ganze Lebensarbeit denselben weiht, ist ebenfalls ein Held, der uns Bewunderung und Ehrerbietung bringt, und dem wir die Palme der Anerkennung dankerfüllt reichen müsien. Wir beglückwünschen darum Herrn Dr. Münz und seine Gemeinde zu ihrem gemeinsamen Ehrentage und rufen dem Jubilar das Wort zu: nox ist bv 221 r.bx Leipzig. Die Gründung des Vereins zur Wahrung jüdischer Interessen hat sich hier, ebenso wie die schon früher erfolgte, des Talmud Thora-Vereins, ohne irgend einen Streit mit den Behörden der Israelitischen Religionsgemeinde Leipzigs, vollzogen. Herr Rabbiner Dr. I. Auerbach aus Rogasen und Herr Ephraim Carlebach, früher Lehrer der Religionsschule der Adaß Jisroel in Berlin, die hierher berufen wurden, der erstere als Vereinsrabbiner, der letztere als Direktor der Privat-Religionsschule, hatten hier eine Besprechung, deren Resultat war, daß sic in Frieden und Freundschaft mit einander die hohen Ziele für Tauro und Awaudoh hierzu erreichen suchen wollten. Obgleich beide Vereine rein privater Natur sind und von der israelitischen Gemeinde nicht ressortiren, so haben doch beide Herren mit Erfolg versucht, sich des Wohlwollens des Gemeinderabbiners von Leipzig, des Herrn Dr. Porges, zu versichern. Herr Carlebach wirkt bereits an der Privat-Religionsschule feit einigen Wochen. Herr Rabbiner Dr. Auerbach wird, nachdem er sich hier mit den betreffenden Herren, die ihn geivählt, über alle Punkte besprochen und von Rogasen aus telegraphisch die Annahme des Amtes zugesagt hatte, in ca. 14 Tagen seine Wirksamkeit hier beginnen. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Galanthn. im Dez. Der Sohn eines hierlänoischen, angesehenen Rabbiners heirathete dieser Tage seine Cousine, die Tochter eines angesehenen Wiener Kaufmannes. Die Trauung sollte hier stattfinden. Bekanntlich erfreut sich aber der hiesige Ort des Vorzuges, zwei orthodoxe Rabbiner zu besitzen. Um nun nicht die allerdings heikle und nicht minder kostspielige Kompetenzfrage lösen zu müssen, wurde die vornehme Trauung auf neutralem Boden von zwei angesehenen Rabbinen vollzogen. Immerhin ein interessantes Auskunftsmittel. (Befindet sich der neutrale Boden nicht auch im Gebiete der Stadt? oder wurde die Trauung vielleicht im Luftballon vollzogen? Der Corr.) Aus Ungarn, Kislew. In der orthodoxen Cultusgemeinde zu Szecseng kam es zu Streitigkeiten, weil einige Vorstandsmitglieder aus „patriotischen" Gründen das übliche Gebet für König und Vaterland in ungarischer Sprache vortragen lassen wollten. Der konservative Theil der Gemeinde wollte sich aber auch mit „patriotischen" Reformen nicht beglücken lassen. In früheren Jahren haben die Herren Neologen mit solchen Scheinwerfern die gesetzestreuen Elemente discreditirt. Diesmal haben aber die Großpächter des Patriotismus klägliches Fiasko gemacht. Der Cultusminister hat nämlich eine Verordnung erlassen und in derselben ausdrücklich betont, daß das übliche Gebet nyiirn fnun auch ferner nach althergebrachtem Ritus in hebräischer Sprache abgehalten werde. Offenbar hat der Minister kein Verständniß für den Patriotismus der aufgeklärten Herren Juden — von Szecseng. England. London, 16. Dez. Vor einigen Tagen wurde die Koscher Küche im deutschen Hospital feierlich eröffnet. Herr Hermann Landau, welchem durch seine hochherzige Gabe von 3000 Pfd. St. das größte Verdienst um das Zustandekommen dieser Institution gebührt, überreichte dem Chief Rabbi die Dokumente, welche die Existenz der Küche für alle Zeiten sichert. Der Chief Rabbi dankte Herr Hermann Landau für seine edle Schenkung und Herrn Ludwig Felsenstein für die Anregung und glückliche Durchführung des Unternehmens, das einer Sammlung von ca. 2260 Pfd. St. bedurfte. Auch gedachte der Chief Rabbi der Unterstützung der Verwaltung des Hospitals, sowie verschiedener anderer Herren und Damen, welche sich der Sache gewidmet haben. Hierauf erklärte Frau Dr. Adler in einigen wohlangebrachten Worten die Küche als eröffnet und die zahlreiche Gesellschaft inspicierte die mit allem Luxus der Neuzeit ausgestattete Küche, welche auch ein leichtes Führen des Kaschrus ermöglicht. Eine Garantie, daß die Führung der Küche eine streng rituelle sein wird, bildet die Zusammensetzung des Aufstchtskomitees, welches aus folgenden Damen und Herren besteht. Frau Michel L e v y, Frau Münz, Frau Raphael Plato, Frau Eugen Felsen st ein. Frau Jakob Rau, Frl. W e ch s l er, Herren Ludwig F e l s e n st e i n, Delissa Joseph, Markus Plato, Ludwig Benjamin, Alfred Benjamin, P. B a r n e i. Es wird auffallend erscheinen, daß eine Gemeinde, wie London, kein jüdisches Hospital besitzt. Tie Errichtung eines solchen ist oft angeregt worden, stößt jedoch bei einflußreicher Seite auf großen Widerstand, weil gefürchtet wird, daß den öffentlichen Hospitälern die bedeutenden Beiträge der Juden, die sich beiläufig im letzten Jahre auf ca. 30,000 Pfd. St. belief, entzogen würden und dadurch Mißstimmung entstehen könnte. Auch von orthodoxer Seite wird die Errichtung eines jüdischen Hospitals nicht gewünscht, weil nicht anzunehmen ist, daß diese Kreise auf die Führung desselben Einfluß haben würden.

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