Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-12-20 · Heft 101 (20.12.1900) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 101 (20.12.1900)
Date
1900-12-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449143--52219-2502758
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

»MMM^.!^!W^MI?MWWWDNWWWW 211« fährdet. Alexanders wahrhaft königlicher Sinn fügte sich dieser Thatsache und machte keinen Versuch, Juden und Judenthum gewaltsam zu hellenissren. Als aber nach seinem Tode dessen großes Reich unter seine Feldherren vertheilt wurde, bewährte der Feldherr Antiochus Epiphanes, dem Syrien und damit das heilige Land zufiel, nicht die schonende Milde Alexanders. Er suchte mit List und Gewalt griechische Sitten und Unsitten auch im heiligen Lande durch Verführung und Bedrohung heimisch zu machen. Doch muß der Wahrheit gemäß bemerkt werden, daß Antiochus das, was er Fluchwürdiges that, nicht aus eigene Initiative hin unternommen hat. Jüdische Griechlinge hatten die Anregung dazu gegeben. Sie fanden ihr Judenthum zu alt und zu starr, zu ernst und zu exclusiv, und hatten mehr Gefallen an der leichtlebigen Welt- und Lebensauffassung. Es waren durch Rang und Vermögen hochgestellte Juden, welche mit den Griechen svmpathisirten, während die breiten Schichten des Volkes in treuer Anhänglichkeit an Gott und sein Gesetz dem sittenverderbenden griechischen Beispiele gegenüber eine schroff abweichende Haltung einnahmen. Da riefen zum ersten Male „die bösen Leute in Israel," wie die mit den Griechen sympathisirenden Großen in den Urkunden jener Zeit genannt werden, die außerjüdischen Machthaber zu Hilfe, um das Volk gewaltsam seinem Heiligthum zu entfremden und es den Götzen des Tages in die Arme zu treiben. Man verbot die Ausübung der heiligsten Gesetze, wie Sabbat und Miloh, und setzte grausame Todesstrafen auf ihre Heilighaltung. Dagegen wurden den griechischen Göttern in der heiligen Gottesstadt Tempel errichtet, und die Annahme griechischer Sitten und Bräuche wurden mit dem Ehrenbürgerrecht und anderen Auszeichnungen belohnt. Die ersten jüdischen Märtyrer stammen aus jener trüben Zeit, in welcher die Schlechtigkeit triumpbirte und die Treue dem Untergange verfallen schien. Da ergriff der Gottesgeist in einem kleinen Dörfchen einen greisen Vater von fünf Söhnen. Er stieß den syrischen Hauptmann nieder, der auf dem Marktplatz sich eben anschickte, den griechischen Göttern zu opfern und diese Verehrung auch von den jüdischen Einwohnern zu fordern. Hunderte, Tausende scharten sich um Vater Matitjahu mit seinen Söhnen und nahmen den Kampf gegen eine erdrücknde Uebermacht auf, der nach menschlichem Ermessen aussichtslos war, der aber durch Gottes wunderbaren Beistand Sieg aus Sieg an die Fahnen des begeisterten Häufleins von Kämpfern heftete. Es war ein Kampf Schwacher gegen Starke, Weniger gegen Viele, den Gottes Allmacht für Reine gegen Unreine, von Uebermüthigen gegen die Vertreter des Gottesgesetzes führte, und Gottes Sache war gerettet. Dem Gedächtniß dieser wunderbaren Rettung ist das Chanukafest geweiht. Eine ganz ähnliche Erscheinung machte sich innerhalb der europäischen und zunächst der deutschen Judenheit in diesem Jahrundert geltend. Die Juden hatten durch ihre nationale und religiöse Eigenart, die durch Ausnahmegesetze noch verschärft wurde, nur wenige Berührungspunkte mit ihrer Umgebung. Durch die Verkündung der Menschenrechte, die in den letzten Jahren des vorigen Jahrhunderts von Frankreich ausaing und nach mehreren Dezennien auch in den deutschen und den meisten europäischen Staaten zur Emancipation der Juden führte, änderte sich dieses Verhältniß. Die Freizügigkeit im Handel, der Mitbewerb auf allen Gebieten der Industrie, der Wissenschaft und Kunst, brachte die jüdischen Zerstreuten den Völkern näher, unter welchen sie lebten. Dieser Zusammenstoß der jüdischen Eigenart mit derjenigen der übrigen Völker hatte nach verschiedenen Seiten hin ihre bedeutsamen Folgen. Wir heben hier nur die schwerwiegenden Consequenzen hervor, die sich für das religiöse Moment ergeben. Viele aus unseren eigenen Reihen glaubten, mit den Ghettis und Judengassen, die sie nun verlassen durften, auch dem Judenthum den Rücken kehren zu sollen, das sie so lange dort hinein gewiesen hatte. Sie glaubten, die junge Freiheit und Gleichheit, 'welche mit so vielen alten Vorurtheilen und Scheidewänden aufgeräumt hatte, erst dadurch wirklich verdienen zu können, verdienen zu müss^^Mrd jedenfalls verdienen zu dürfen, indem Eigenart durch Preisgebung ihres Gottesgefetz^^^ störende Scheidung zwischen Juden und Nichtjuden, zu beseitigen suchten. Dieses Bestreben, das viele Gemeinden und unter ihnen besonders die sog. Gebildete ergriffen hatte, war eine feige Fahnenflucht, war die Preisgabe des göttlichen Erstgeburtsrechts gegen die Vortheile eines politischen und socialen Linsengerichts. Sie vollzog sich zögernd, widerstrebend, immer mit der Suche nach einem Feigenblatt, welches den begangenen Verrath verdecken und beschönigen könne. Dieses Feigenblatt wurde endlich gefunden, es war: „Die Reform des Judenthums." Es war eine trübe, schwere Zeit. Wohl erhoben sich die bewährten, treuen Führer des alten Judenthums gelegentlich verschiedener Angriffe auf unsere Heiligtümer zu flammenden Protesten gegen dieses treulose, bundsbrüchige Gebühren. Aber ihr Warnruf verhallte wie eine Stimme in der Wüste. Da trat vor 41 ^af)ten der jugendliche Begründer des „Israelit" auf den Plan und nahm den Handschuh auf, den leichtsinnige Neuerungs- und Nachäffungssucht dem alten Judenthum hingeworfen hatte. Man hat heute vielfach kaum mehr eine Ahnung von dem Muth. der damals zu einem solchen Schritte gehörte. Das orthodoxe Judenthum war in der öffentlichen Meinung so tief bereits gesunken, daß selbst die stark gelichtete Schaar seiner treuen Anhänger an der Lebensfähigkeit des jungen Unternehmens zweifelte. Von den Gegnern wurde die Gründung eines Blattes, das sich unermm schroö thum; Press« Qrga Wochl tigum Wort Sache gebun Tapf« Hohn delte. Kämt Leicht nung < gönnt Kam) der S mehr Tauf Jude: von ( formj vor, i in bei noch seine dieser Kann nalirc unser lischei Verei lässig wäre: kennt Heils miglk denen in ih Jude ben j thum Man das ( anerk religi Gott« Glau man dem lässig Gött!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.