Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1900)
- Date
- 1900-12-17
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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*110 Rabbi gelingen, einen großen, that- und unterstützungskräftigen Kreis für die Verwirklichung seiner bisher nur noch pia desederia zu gewinnen, auf daß es möglich wäre, alsbald Schulen und Lehrer, wie sie sein sollten, erstehen zu laffen. n*rn yirto tzuie" pp nmn*» rnnKrtto. Straßnitz, im Kislew 6661. Dr. A. Friedmann, Rabbiner. Zur Methodik des hebräischen Unterrichts. Von Lehrer O. P. --IB&ff-- Unter obigem Titel brachte Herr Rabbiner Dr. Fink-Wien in Nr. 96 und 97 dieses Blattes einen Artikel, worin er das jetzige Lehrverfahren in den hebräischen Schulen, weil unpraktisch und resultatlos, kurzer Hand verwirft und uns dafür mit einer neuen „Methode" aufwartet, bei deren Anwendung künftighin alle Unkenntniß im Hebräischen aus unserem Volke verschwinden wird. Was den ersten Punkt betrifft, so kann ich hier nicht kräftig genug betonen, daß die Ausführungen des Herrn Dr. Fink mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. (Persönliche Angriffe sind selbstredend ausgeschloffen.) Wenn Herr Dr. Fink behauptet, daß der Pentateuch dem Schüler ein Buch mit sieben Siegeln „auch nach achtjährigem Unterrichte in der heutigen Manier bleibt," so ist das doch eine sehr gewagte Behauptung; für die Religionsschulen, die ich kenne, und es sind deren nicht wenige — trifft das nicht zu. Unsere Schüler werden hier nicht allein mit dem Inhalt des Pentateuch, ihrem Alter entsprechend, vertraut gemacht, sie sind auch im Stande, den größten Theil desselben im Urtert verständnißvoll zu lesen. Auch werden unsere Schüler kaum Analphabeten werden in dem Sinne, daß sie, „zur Thora gerufen, nicht den hebräischen Segensspruch, oder, vor die heil. Lade tretend, nicht das Kaddischgebet zu lesen vermögen." — Wo solche Analvhabeten vorhanden sind, so glaube ich, daß eben diese keinen regulären hebräischen Unterricht gehabt haben, sondern nur nothdürftig mit den Anfangsgründen des hebräischen Lesens vertraut gemacht und dann während ihrer ganzen Schulzeit, anstatt im spezifisch „Hebräischen" unterrichtet worden zu sein, mit einigen Phrasen aus der sog. Religionslehre aufgeputzt wurden. Sollten aber dennoch auch unsere Schüler trotz Verständniffes des Pentateuch mit der Zeit zu Analphabeten hinabsinken, so ist das nicht auf den früheren Unterricht, sondern auf den Umstand zurückzuführen, daß sie nach ihrer Schulzeit kein hebr. Buch mehr zur Hand nahmen. Was im Leben nicht geübt wird, geht spurlos verloren, mag die Methode so oder so sein. Wer in der Schule noch so tüchtig in der Orthographie, noch so tüchtig im Französischen war — hat er nach der Schulzeit keine Gelegenheit, das Gelernte zu üben, mit dieser Tüchtigkeit wird es bald vorbei sein. Wenn mithin nach dieser Seite unserem jüdischen Volke geholfen werden soll, so verschaffe man den aus der Schule Entlaffenen Gelegenheit, das Gelernte weiter auszubauen. Auch bei der besten Unterrichtsmethode innerhalb der gesetzlichen Schulzeit, trotz der besten dadurch erzielten Resultate, wird das sog. „weiterverfolgende Interesse" nicht unmittelbar bei unseren Schülern geweckt bezw. in die That umgesetzt werden. Da wären „Fortbildungskurse" unbedingt nothwendig. Die modernen Litteraturvereine sind noch lange keine Fortbildungskurse mit bestimmtem Ziel und Plan. Das ist des Pudels Kern, hier muß der Hebel angesetzt werden. Nicht unsere Schule hat das Uebel geschaffen, die thut schon ihre Schuldigkeit. Ob aber die Errichtung dieser Fortbildungskurse von Rechtswegen ohne weiteres dem Religionslehrer i. e. S. zufällt, darüber soll hier nicht diskutirt werden. Angestellt und bezahlt ist er nicht dafür. Das zu organisiren und in die richtigen Wege zu bringen ist vielleicht Sache der für das geistige Wohl der Juden angestellten „Seelsorger."- Wenn wir bis jetzt klargelegt haben, daß die so allgemein gehaltenen Ausführungen des Herrn Dr. Fink bezüglich der „Leistungen und Resultate" unserer Religionsschulen nicht stichhaltig sind, so wollen wir weiter untersuchen, ob unsere Methode zu verwerfen und dafür die Fink'sche zu setzen wäre. Ist letztere die bessere, so wird sie jeder Lehrer, dem seine Sache Ernst ist, sofort anwenden. Allerdings ist es schade, daß uns Herr Dr. Fink nicht mit dem ganzen Aufbau seines neuen Svstems, berechnet für die ganze Schulzeit, sondern nur mU seinem Unterrichtsverfahren für die ersten Jahrgänge einer Schule bekannt zu machen sucht. Aber gerade hier vermissen wir das Wie, die eigentliche Methode. Mit Worten läßt sich's trefflich streiten, Mit Worten ein System bereiten. Hätte uns Herr Dr. Fink eine sog. „Lehrprobe" aus eigener „Erfahrung" mitgetheilt, anstatt Privatlehranstalten oder Seminarien den Rath zu geben, einen