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Der Israelit · 1900-12-17 · Heft 100 (17.12.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 100 (17.12.1900)
Date
1900-12-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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2109 lich geschwunden ist. An der Pforte der Neuschule machte und macht sich die Sünde breit. Nicht die Schule, die Sünde muß von derselben gebannt und entfernt werden, so es — wie dies nunmehr dringend nöthig geworden — anders und bester werden soll. Es ist höchst an der Zeit, daß mit dem Verbesterungswert bei den zarten Kindern in der Volksschule begonnen und bei den Jünglingen in den Mittelschulen fortgesetzt und durchgeführt werde. Es müßte dafür gesorgt werden, daß in den Schulen ein gründlicher, rationeller Unterricht in “pn und sies mit den integrirenden, unentbehrlichen Commentaren ertheilt werde und zwar von geünnungstüchtigen Lehrern, welche durchdrungen und durchglüht von überzeugungstreuer Glaubensbegeisterung, dem unverfälschten traditionellen Judenthume ganz und voll anhangen, auf daß unsere Jugend von solch würdigen Lehrern noch weit mehr als durch ihre Worte, durch ihre vorbildenden, lebendigen Thaten, zu wahrhaft glaubens- und gesetzestreuen Israeliten erzogen und herangebildet werden. Der Unterricht der Thorakenntniß müßte conform mit dem Unterrichte der profanen Lehrgegenstände mit aller Sorgfalt gewissenhaft gepflegt werden. So wie für die Volksschule das Pensum fixirt ist, welches da in den Grundelementen des Lesens, Schreibens, Rechnens etc. erreicht werden muß, ebenso sollte da auch die Vorsorge getroffen werden, daß das jüdische Kind nach Absolvirung der Volksschule nebst etwas hebräischer Grammatik, zumindest in Pentateuch, den Propheten und Schriften wohl versirt sei und dort womöglich auch in Mischnah und leichte, für Kinder geeignete und interessante Partieen ausgewählter Talmudstellen eingeführt werde. Und ebenso wie in den acht Jahrgängen der Mittelschulen das Ziel erreicht wird, daß die Frequentanten den lateinischen Cicero, Livius, Ovid etc. und den griechischen Homer mit Verständniß zu lesen verstehen, ebenso sollten die jüdischen Abiturienten durch die während der acht Studienjahre gewonnenen Kenntnisse der Prophetae posteriores und Hagiographa, die heilige hebräische Sprache derart beherrschen, daß ste die Gebete der Liturgie und das Selbsterfassen leicht geschriebener hebr. Werke ohne große Schwierigkeit verstehen, und so jüdisches Wissen mit humanistischer Bildung, sorgfältige Beobachtung und Erfüllung unserer heiligen Glaubenspflichten mit Weltsitte und moderner Intelligenz Hand in Hand miteinander verbunden werden. Nur, wenn nach dieser Weise Schulen und Lehrer vorhanden sein, und wie es auch sein sollte, kann mit aller Zuversicht erwartet werden, daß ein frommes, gesinnungstüchtiges, glaubens- und gesehestreues, und obendrein ein intelligentes, auf der Höhe der Zeit stehendes, würdiges und ehrenwerthes Judenthum erstehen, welches mit freudiger Zuverlässigkeit einer schöneren Zukunft, geehrt und geachtet in Beruf und Stellung, wird entgegengehen können. Dieses erhabene Ziel zu erreichen ist mein würdiger! Amtskollege und treuer Gesinnungsgenosse, der fromme j und gelehrte Rabbiner Dr. M. Jung in Ung. Brod, un- > ablässig bemüht. In richtiger Erkenntniß unserer Zeit j und dessen, was uns in derselben noth thut, gründete! dieser wackere Arbeiter im Weinberge des Herrn, unter großen Kämpfen und Schwierigkeiten, aber mit anj erkennenswerther Geduld und Ausdauer, mit großem Aufwande an Zeit- und Geldopfer, kn seiner Gemeinde! ein jüdisches Gymnasium. Wie fegen- und heilbringend j auch eine solche Institution, besonders für Mähren.! wäre, stellte es sich schon nach zweijährigem Bestände dieser vortrefflichen Anstalt heraus, daß hierzulande! die erforderliche Summe des Verständnisses und der j materiellen Mittel zur Erhaltung einer solchen Schule! nicht zu beschossen ist. Doch der für sein Ideal begeisterte Dr. Jung, welcher gleich mir, das Heil des Judenthums zunächst in Schulen, in welchen in der hier ausgeführten Weise Thora, Glaube und Wissenschaft vereint gelehrt und bethätigt wird, zu finden glaubt, ruht und rastet nicht. Kann es ihm nicht gelingen, in seiner Gemeinde eine Pflanzstätte der Tbora, Jkrah und Weltbildung zu gründen, so versucht er es in Orten, wo dies mit einiger Gewißheit eher durchgeführt werden könnte. So rathet und thatet er eifrigst. daß in Wien eine jüdische Realschule in's Leben gerufen werde, zu welchem Behufe der wackere Kämve am 20. Mai d. I. in Wien einen fulminanten Vortrag hielt, welcher unter dem Titel,, Die jüdische Schule" als Brochüre erschienen ist, in welcher solchen Schulen warm das Wort geredet wird. Die Angelegenheit ist denn auch schon so weit gediehen, daß die Herablangung der angesuchten behördlichen Bewilligung zur Creirung dieser Mittelschule abgewartet wird. Einen weit größeren, werthvolleren Erfolg hat die unausgesetzte Bemühung des Herrn Dr. Jung aus Galizien zu verzeichnen. Auch dorthin richtete der treue Seelenhirt sein Augenmerk. Auch in Galizien droht die Gefahr, daß auch dieses Eldorado des Thorastudiums und der Gesetzestreue in der Judenheit des österreichischen Kaiserstaates, durch den auch dort nur lückenhaften Unterricht in hebräischen Lehrgegenständen, an den dortselbst neu entstandenen Schulen und dem rege gewordenen Andrang der galizischen jüdischen Jugend zu dem Gymnasium, über kurz oder lang an Lauheit und Jndifferentismus in Glaubenssachen Mähren und Böhmen gleichkommen könnte. Dieser traurigen Eventualität vorzubeugen. machte Herr Rabbiner Dr. Jung auch Galizien zum Felde seiner anerkennenswerthen Thätigkeit. So hielt derselbe in Kolomea eine groß angelegte Deraschah, in welcher er seine imposante Zuhörerschaft, darunter auch die dortigen Chasidim, für die Gründung eines jüdischen Gymnasiums geradezu enthusiasmirte. Möge es diesem wackeren, rein wwb strebenden

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