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Der Israelit · 1900-12-17 · Heft 100 (17.12.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 100 (17.12.1900)
Date
1900-12-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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3100 meinbemitgticber Prags tarnen ihm mehrere Tagereisen J.t entgegen; bet Gesammtvorstanb empfing ihn eine . agereise vor Prag. Zuerst nur Oberrabbiner, würbe er halb auch Leiter bet Jeschiba unb entwickelte in beiden Aemtern, deren jedes die volle Kraft eines Mannes erforderte, eine bewundernswerthe Thätigkeii. Die kriegerischen Zeiten — es war damals inmitten des 30jährigen Krieges, brachten natürlich auch für Prag, der Ausgangsstätte dieses unseligen Brandes, viel unheilvolles Geschick. Der jüdischen Gemeinde wurde eine große Contribution aufgelegt; zur Deckung der Kosten bildete sich behufs entsprechender Heranziehung jedes Einzelnen eine Einschätzungskommission und behufs Wahrung der Unparteilichkeit sollte der Oberrabbiner an der Spitze derselben wirken. Es konnte nicht ausbleiben, daß sich Dieser und Jener benachtheiligt glaubte, es gab Reibereien «nd Feindseligkeiten gegen Vorstand und Rabbiner. Vergebens mahnte Heller in Milde und in Strenge zum Frieden, es fanden sich — mit tiefster Beschämung muß das gesagt werden — Verworfene, die vor der größten Niedertracht, der Denunciation nicht zurückschreckten. Diese Elenden berichteten an den Kanzler nach Wien, Lippmann Heller hätte in seinen Werken das Christenthum geschmäht und die katholische Religion angegriffen. Daß dies -schändlichste Lüge und schmählichste Verleumdung gewesen. braucht nicht gesagt zu werden, aber ihren Zweck erreichten die Erbärmlichen nur zu gut. Der Statthalter Prag's erhielt gemessenen kaiserl. Befehl, Lippmann Heller in schweren Fesseln und in starker Begleitung nach Wien bringen zu lasten. Den stürmischen, herzerschütternden Bitten der jüdischen Gemeindeältesten Prag's gelang es mit vieler Mühe, den Statthalter zu bewegen, die Ausführung des kaiserl. Befehles auf seine eigene schwere Verantwortung zu unterlassen, wenn die jüdische Gemeinde mit Gut und Leben dafür hafte, daß Lippmann Heller innerhalb eines Zeitraumes von sechs Tagen sich allein beim Kanzler'in Wien stelle. Dort wurde er beim Kanzler gleich hart angefahren, seine Rechtfertigung nicht angehört und sofort in den Kerker zu schweren Verbrechern geworfen. Der unglaublichsten Anstrengungen der angesehensten jüdischen Kreise Wiens bedurfte es, um zu erwirken, daß Lippmann Heller nach einiger Zeit in andere, weniger unwürdige Haft kam. Er wurde vor ein geistliches Tribunal gestellt, ihm vorgeworfen, den Talmud, den die Päpste doch wiederholt verworfen, verherrlicht und dadurch das Christenthum herabgesetzt zu haben. Vergebens vertheidigte sich Heller, er müsse als Rabbiner doch für Juden schreiben; seine Verurtheilung war schon im Voraus beschlossene Sache. Es wurde erkannt: Lippmann Heller habe das Leben verwirkt, doch wolle des Kaisers Majestät Gnade üben und die Todesstrafe in eine sofort zahlbare Geldstrafe von 12,000 Thalern umwandeln. Diese Summe, worunter wohl 12,000 Güldenthaler oder Ducaien zu verstehen war, war für jene Zeit, besonders während eines endlosen Krieges, eine so enorme, daß sie die jüdische Gemeinde nicht aufzubringen vermochte. Rach langem Bitten und Flehen wurde die Strafe auf 10,000 rheinische Gulden herabgesetzt, jedoch müsse die Summe sofort erlegt werden, sonst müßten die Juden erleben, daß ihr Oberrabbiner an drei öffentlichen Plätzen Wien und Prags vollständig entkleidet ausgepeitscht würde. Schließlich wurde doch zugestanden, daß nur 2000 rheinische Gulden sofort zu erlegen seien, während der übrige Theil in Fristen bezahlt werden dürfe. Der Vorsteher der Prager Gemeinde, Jakob Batsebi, Ritter von Treuenburg, erlegte die zweitausend Gulden, während eine Anzahl von Freunden und Gönnern des Rabbi die nöthigen Bürgschaften stellte, so daß Lippmann Heller nach vierzig Tagen der Haft entlassen wurde. Jedoch bestimmte eine kaiserliche Orde, daß Lippmann Heller weder in Prag, noch sonst an einem Orte, wohin das Scepter Kaiser Ferdinand des Katholischen reichte, Rabbiner sein durfte. In Prag mußte Lippmann Heller sein Haus, sein Silber und alle seine Habe verkaufen, um das Lösegeld aufzubringen. Ihm allein wäre dies aber nie gelungen, wenn sich nicht Opfersinn und Edelmuth der Prager Gemeinde hier glänzend bewährt hätte. Nachdem Heller in den kaiserlichen Landen nicht mehr Rabbiner sein konnte, auch nach Aufhebung des Verbotes hierzu nicht mehr geneigt war, begab er sich 1631 zu seinem jiingsten Sohne nach Rubai und erhielt von da einen Ruf nach Riemirow (Rußland), von da nach Wladimir. Auch hier erfuhr er Anfeindungen, weil er scharf gegen die Unsitte, daß Rabbinerstellen dem Meistbietenden zugetheilt wurden, Stellung nahm. 1644 wurde er Rabbiner in Krakau, welche Gemeinde sich damals an Gelehrsamkeit mit Prag messen konnte und die Mutter der abendländischen Gemeinden genannt wurde. Heller war kein einseitiger Gelehrter; obwohl der Hammer seines Geistes das härteste Gestein durchbohrte, verschmähte er es nicht, auch in jüdisch-deutscher Sprache für Unkundige, sowie auch für Frauen über Unterweisung in ihren Haushaltpflichten zu schreiben. In seinen handschriftlichen Werken finden sich Einzeichnungen, welche beweisen, daß er auch in Mathematik und Geometrie gut kundig gewesen. Er starb 1664 in Krakau und hinterließ zahlreiche Nachkommen. Von mehreren derselben sind die Namen uns noch bekannt. Trübe und erbauliche Seiten zeigt das Lebensbild dieses großen Mannes; zu letzteren gehört der schöne Opfermuth und der edle Wetteifer, welchen seine Zeitgenossen bethätigten, um in diesem herrlichen Manne die jüdische Gelehrsamkeit, die Thora selbst zu ehren. Möge dieser schöne, ideale Zug sich auch in unseren und in künftigen Zeiten bewähren und mögen dem Judenthume noch viele Männer erstehen, welche so geistesge-

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