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Der Israelit · 1900-12-17 · Heft 100 (17.12.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 100 (17.12.1900)
Date
1900-12-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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4L Jahrgang. Erste Aeitage zu Jfs 100 des „Israelit". Leitender Artikel. Kiiik riililmiiirtif Pmihiiitllti! «iis iBoijmi. (Bericht über einen Vortrag deö Herrn Dr. Ehrcntren im Verein für Jüd. Geschichte und Litteratur, o. Dezember 1900.) In dem bekannten Gedichte „Disputationen" schildert Heinrich Heine — in seiner Weise — ein Rededuell zwischen R. Moses b. Nachmann (bei Heine Jehuda d. Navarrer) und einem getauften Juden, nunmehr Dominicanermönch (bei Heine Frater Jose Quarbinn). Wie weit Heine's Kenntnisse in der jüdischen Litteratur reichten, geht in diesem Falle daraus hervor, dass sein Rabbi, von seinem Gegner in die Enge getrieben. nunmehr zur Stärkung seiner Position aus dem Tausvhos Jomtow citirt. Von diesem'will Frater Jose nichts wissen, worüber nun der Rabbi ganz außer Rand und Band geräth. Und doch hat der Dominicanermönch Recht, wenn er die Autorität des Tausphos Jomtow ablehnt, denn so hoch und unbestritten der Ruhm einer Geistesgröße oder eines Meisterwerkes sein mag, so kann doch billigerweise Niemanden zugemuthet werden, Werk und Autor schon Jahrhunderte vor ihrer Existenz zu respectiren. Nun fand obenerwähnte Disputation unter der Regierung Jakob T. von Arragonien im 14. Jahrhundert statt, Ende des 15. Jahrhundert wurden bekanntlich alle Juden aus Spanien vertrieben, während der Berfasser des Tausvhos Jomtow, Lippmann Heller, erst 1579 in Wallerstein (Bayern) geboren wurde und das bedeutendste seiner Werke, das vorerwähnte, 1613 in Prag erschien. Dem Leben und dem Schicksale dieses grossen Gelehrten galt die Besprechung des Abends. Lessina sagt: „Es ist das grösste Lob desMeisters, wenn man über das Werk den Meister vergißt." In diesem ^alle wäre zu ergänzen: „Den Namen des Meisters." Denn man frage heute einmal einen Jünger aus einem russischen Ebeder oder einer ungarischen Jeschiba, wer war Lippmann Heller, so bleibt er die Antwort wahrscheinlich schuldig, fräqt man ihn aber nach dem Tausvhos Jomtow, so wird sich eine verständnissvolle Bewegung, ein lebhaftes Interesse in seinen Zügen widersviegeln. Als Livvmann das Licht der Welt erblickte, war sein Vater Nathan Heller, der nur ein Alter von 18 Jahren erreichte, bereits todt. Erzogen wurde Livpmann von seinem Großvater, R. Mosche Heller, der den Jüngling auch in der jüdischen Lehre unterwies; noch! sehr jung begab er sich nach Friedberg (Hessen), wo der j damals berühmte R. JZoel Günzburg wirkte. Dieser j lebt in der Erinnerung der Nachwelt fort durch seinen! hervorragendsten Schüler Lippmann Heller, der sich j durch seine ausgebreitete Gelehrsamkeit, durch seine unvergeßlichen Werke und durch seine eigenartigen Schick-! sale ein bleibendes Denkmal gesetzt. Im Jahre 1697. . 18 Jahre alt, kam Lippmann Heller nach Prag, wo da-! mals der berühmte hohe Rabbi Löb wirkte, dessen Schüj (er er aber nicht eigentlich wurde; schon so groß war j trotz seines jugendlichen Alters seine Gelehrsamkeit,! daß er schon als Autorität galt und zum Rabbinats- Assessor ernannt wurde. In dieser Stellung blieb er : bis 1624 und in dieser Zeit seines Wirkens entstand! das hervorragendste unter seinen mannigfachen bedeuj tenden Werken, entstand der Tausphos Jomtow. Dieses . Werk wurde gleich bei seinem Erscheinen von den Ge- ' lehrten der ganzen Welt mit außerordentlichem Beifall! ausgenommen und gehört seitdem zu dem festen Bestandtheil einer jeden Mischnahausgabe, und ist in uni zähligen Auflagen verbreitet. Die größte jüdische Ge- ■ meinde Mährens berief Lippmann Heller 1624 zum^ , Rabbiner, welchem Rufe er Folge leistete, jedoch um ' nur wenige Monate da zu wirken, da ihn die jüdische j Gemeinde der Hauptstadt der Monarchie, Wien, zum ■ Rabbiner erwählte. Lippmann Heller nahm diese Wahl j an, denn sie war eine ehrenvolle, da Wien viele durch Reichthum uub Gelehrsamkeit hervorragende Männer! zu seinen Mitgliedern zählte. Das hoheitsvolle, vor-! nehme Wesen Lippmann Heller's, seine imponirende , Geisteskraft verschaffte ihm großes Ansehen bei Juden! und Nichtjuden; seinem Einfluß bei den kaiserlichen Bej Hörden gelang es, für die Juden Wiens, die damals zu- ' sammenbängende Häuser nicht erwerben durften und j zerstreut leben mussten, einen eigenen Wohnsitz in der jetzigen Leopoldstadt zu erhalten. Drei Jahre wirkte > er in Wien lichtverbreitend und segenspendend, da er- , ledigte sich 1627 die Oberrabbiner-Stelle in Prag und j Lippmann Heller wurde hierzu erkoren. Lange! schwankte er, wofür er sich entscheiden solle. An matej riellen Leistungen, an Ehren, Würden und Einfluß i konnte ihm Prag nicht mehr, ja nicht das bieten, woj rüber er in Wien schon verfügte. Fast einhellig bej stürmte ihn seine Wiener Gemeinde, sie nicht zu verlassen, trotzdem entschloß er sich endlich doch für Prag, i weil dort die Thorakenntniß durch ausgezeichnete und j hervorragende Männer in einer Weise, mit der sich j Wien nicht messen konnte, vertreten war. Rührend ge-; staltete sich der Abschied von Wien; viele Hunderte, auch! angesehene Nichtjuden, gaben ihm das Geleite, j Die Reise nach Prag dauerte damals über 14 l Tage, einen ganzen Reisezug von zehn Wagen nahm seine Uebersiedelung in Anspruch. Hervorragende Ge-

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