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Der Israelit · 1900-12-17 · Heft 100 (17.12.1900) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 100 (17.12.1900)
Date
1900-12-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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ü 2096 tekten A. R. Reichenberg erbaut Im ersten Stocke wird das Bureau des Asyls sich befinden, dann acht Zimmer für die Greife, die Wohnung für den Qekonom, ein breiter Korridor für die Hospitanten, ein Waschzimmer, Küche, Badezimmer, Todtenkammer u. m. A. In der zweiten Etage befinden sich zehn Zimmer für die Hospitanten, ebenfalls mit einem breiten Korridor, Waschzimmer, die Wohnung für den Aufseher, Waschanstalt etc. Das neue Haus ist für sechzig Hospitanten bestimmt. — üftacf? dem Testamente des im Jahre 1893 verstorbenen hiesigen Kaufmannes Lasar I u b e r vermachte derselbe der jüdischen Gemeinde 20,000 Rubel. Indem der Sohn des Verewigten, Herr Isaak Juber, diesen Betrag der Gemeinde übergab, fügte er dieser Gabe noch 10,000 Rubel auä feinen eigenen Mitteln mit bem Wunsche t}in$u, dieses Geld zum Bau einer jüdischen Volksschule mit einer Handwerkerabtheilung zu verwenden. Im Falle, daß diese (Summe für biefen Zweck nicht hinreichend sein sollte, bat Herr Juber, das Gebäude in der hiesigen Häuserbank zu hypothekiren, wobei er das Versprechen machte, die Zinsen sowohl wie die Amortisation aus seiner Tasche zu zahlen. Im Jahre 1898 wurde bei der Stadt ein Terrain von 447 % Quadratfaden für den Preis von 10,000 Rubel gekauft. Es hat sich ein Baukomitee konstituirt, und wird der Bau nächsten Frühling in Angriff genommen werden. Odessa. Ein rechter Antisemit mag keinen Juden leiden, aber sein Geld nimmt er gern. Diesem ersten und obersten Grundsätze aller Antisemiten wird auch von den Judenfressern in Rußland gehuldigt, von keinem von ihnen aber in so ausgedehntem Umfange und in so schamloser Weise, wie von dem Oberlehrer B., dem Lehrer an der Ephrussischen Handelsschule in Odessa. Diese Schule ist ausschließlich mit jüdischem Gelde gegründet worden und wird mit jüdischem Gelde unterhalten (Herr Ephrussi hat noch im letzten Jahre für diese Schule 30,000 Rubel gespendet) und dennoch entblödet sich nicht der betreffende antisemitische Lehrer, der das jüdische Brod ist, in der Schule, in welcher 64 Prozent jüdische Schüler sind, seinen Judenhaß in frechster Weise zu documentiren. Seine jüdischen Schüler redet er nicht anders als mit den selbsterfundenen geschmackvollen Vornamen Mvschke, Jnkel und Chaim an. Ferner beliebt es dem frechen Antisemiten, mit seinen jüdischen Schülern in einem nirgends existirenden Kauderwälsch zu „mauscheln," um diese ihm anvertrauten Zöglinge so recht von Herzen zu kränken. Und ein solcher mauschelnder Lehrer, bei dem die jüdischen Kinder ihr gutes Russisch nur verlernen können, wird von den russischen Behörden auf einer Schule mit 64 pCt. jüdischen Schülern geduldet? Die Juden in Odessa müssen sich viel gefallen lassen. T. Feuilleton ersöhnte M - s. Memde, Von Bavette Fried. Heute war der Doktor für die sanfte und doch so beredte Sprache unempfindlich geworden. Die Hand des erschreckten Mädchens mit eisernem Druck umspannend, so daß dieses nothgedrungen ihm gegenüber stehen mußte, fuhr er zu sprechen fort, oder eigentlich brachte er stoßweise mühsam hervor: „Roch ist der Friede nicht geschlossen, noch stehen wir als unbesiegte Feinde in Eurem Lande. Wenn ich da hinaustrete und meinen Kameraden erzähle, aus welch' unerhörte Weise ich jetzt hier beschimpft worden bin, ich, ein kgl. preußischer Offizier, dann bleibt, das schwöre ich Ihnen bei meiner Ehre, in einer Stunde kein Stein auf dem Andern in diesem Hause. Wenn ich trotz des mir Widerfahrenen dies doch nicht thue, so geschieht es nicht aus Schonung für Sie, für Ihr hübsches Lärvchen, auch nicht aus Rücksicht für Ihren Vater, der sich feige vor uns versteckt, vielleicht auch darum, weil er den Haß auf uns nicht verbergen kann, sondern diese Schonung geschieht aus einer anderen Ursache. Gleich am ersten Abende meines Hierseins bin ich unfreiwilliger Zeuge eines Geheimnisses geworden. In den verborgenen Kellern dieses Hauses habt Ihr und die andern Gemeindemitglieder, Eure Schätze, Euer Gold und Silber vor den heranrückenden siegreichen Schaaren verborgen. Doch nicht um diese lasse ich Schonung walten,- im Gegentheil, mit welcher Wollust würde ich zuschauen, wenn die wüthende Soldateska über Eure Wucherschätze herfiele! Aber Ihr habt auch in diesen Kellern die kostbaren Geräthschaften verborgen, welche zur Verzierung Eures Bethauses und der heiligen Thorarollen zu dienen bestimmt sind, ja, einige der letzteren sind da drunten in sicherem Verstecke aufbewahrt, und diese Heiligthümer sind auch mir, dem gläubigen Juden, unantastbar. Dem Umstand allein verdankt Ihr es, daß ich in meinem berechtigten Grinime nicht Euch alle der Rache meiner Landsleute übergebe. Ihr habt uns für Vandalen gehalten, welche selbst an Heiligthümer ihre ruchlose Hand legen, doch lernt uns besser kennen? Meine einzige Rache ist diese: Ick hasse, ich verachte Sie!" und, ihre Hand von sich schleudernd, rief er fast drohend: „Run, verlassen Sie mich!" Das unglückliche Mädchen schwankte hinaus, in der Thüre noch einen flehenden Blick auf den tiefgekränkten in seiner Ehre verletzten Mann werfend; aber alles umsonst.

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