Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1900)
- Date
- 1900-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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2095 aus dem Stamme Pfefferkorn, Brimann und sonstiger „jüdischen Antisemiten," welche für wenig Geld mit Vergnügen bereit sind, ihr eigenes Nest zu beschmutzen. Fast wäre es Herrn Suworin gelungen, das klägliche Stück beim kaiserlichen Theater unterzubringen, als eine große Personalveränderung an der kaiserlichen Bühne den Fürsten Wolkonski an die Spitze der Intendantur stellte, und dieser beeilte sich, das Schandstück schleunigst vom Repertoir abzusetzen. Aber Herr Suworin gab sich noch lange nicht überwunden. Er ließ den „Sohn Israels" in mehreren litterarischen Cercles vorlesen und in dem in seinem Verlage erscheinenden „Historischen Boten" veröffentlichen. Der Versuch, auf Hinterthürchen das Geschreibsel auf die Bühne zu bringen, wollte aber selbst diesem in Rußland so einflußreichen Antisemiten nicht gelingen. Nur in Odessa wurde es einmal aufgeführt und nie wieder. Ein schwerer Theaterskandal, in den sich die Polizei einmischen mußte, ließ den „Sohn Israels" in die Versenkung verschwinden. Auch der Versuch, das Stück auf der Bühne von Jekaterinenburg auftauchen zu lassen, mußte aufgegeben werden, da der Gouverneuer die Aufführung verboten hat. Endlich aber schien das Glück Herrn Suworin lächeln zu wollen. Das „Kleine Theater" zu Petersburg versprach, den „Sohn Israels" aus der Taufe zu heben. Alle Vorbereitungen wurden getroffen, die Claque bestellt und instruirt. Da ließen kurz vor dem feierlichen Acte die beiden Hauptpathen absagen. Die Hauptdarsteller, die beim Studium ihrer Rollen erkannt haben mochten, daß ihnen aus dem minderwerthigen Stück keine Lorbeeren blühen werden, schickten ihre Rollen zurück und weigerten sich energisch, für Herrn Suworin die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Aber Herr Suworin wurde nicht müde. Das Stück wurde umgetauft und gelangte endlich unter dem Titel „Die Schmuggler" auf der unter Leitung der Gesellschaft für Kunst und Litteratur (Vorsitzender Herr Suworin) geleiteten Privatbühne zur Darstellung. Zum Unglück des Herrn Suworin haben aber die Feinde des „Sohnes Israels" diesen unter dem neuen Titel wiedererkannt. Sie pfiffen, johlten und ließen die Schauspieler, die sie mit faulen Aepfeln und altem Käse bewarfen, nicht zu Wort kommen. Das Stück wird zum zweiten Male nicht aufgeführt werden können und Herr Suworin, der jetzt weidlich über Juden und Judenknechte schimpft, wird wohl den „Sohn Israels" in seinen Privatgemächern aufführen müssen. Petersburg . Durch ein Circular des Ministers des Innern vom 29. April 1899, war den Gouverneuren anheimgestellt worden, Uber die Ueberschüsse aus der sog. Korobkasteuer bis zu einem Betrage von 1000 Rubel für außerordentliche Bedürfnisse der Hebräergemeinden discretionär zu verfügen. Ein neuerliches Circular des Ministers des Innern erweitert, wie der „Woshod" mittheilt, diese Befugniß bedeutend, indem den Gouverneuren einerseits anheimgestellt wird, im Einvernehmen mit dem Cameralhosspräsidenten über die Ueberschüsse der Karobkasteuer ohne Beschränkung der Summe zu verfügen und indem andererseits unter den Zweckbestimmungen auch Folgendes angeführt ist: Maßnahmen zur Einrichtung und Verbesserung des Feuerlöschwesens, wie auch zur Assanirung und zur Wohleinrichtung der Städte und Flecken mit vorwiegend hebräischer Bevölkerung in den Fällen, wo die Kebernahme der Kosten hierfür aus den allgemeinen städtischen Mitteln unmöglich erscheint. Die Anweisung der Mittel soll jedoch nicht ohne bezügliches Gesuch der örtlichen Hebräergemeinde erfolgen. Eine Senatsentscheidung besagt nach derselben Quelle, daß Absolventen technischer Schulen gleich den Handwerkern das Recht auf unbehinderten Aufenthalt im ganzen Reiche zusteht, falls sie sich mit ihrem Fache beschäftigen, was im concreten Falle insofern unzweifelhaft erschien, als der betr. Beschwerdeführer an einer Eisenbahn als technischer Arbeiter angestellt war. Kiew. Dem segensreichen Wirken der Juden im Gouvernement Podolien wird von Kiewer Blättern ein glänzendes Zeugniß ausgestellt. Obgleich sie außerhalb der Städte weder Land kaufen noch pachten dürfen, suchen zahlreiche Juden dieses Gouvernements dennoch sich vom Ackerbau zu ernähren, dem sie vermöge ihrer großen Intelligenz zu einer hohen Blüthe verhelfen. So lebt der größte Theil der jüdischen Bevölkerung des bistorisch berühmten Städtchens Bar vom Tabaksbau, den sie auf gepachtetem Gemeindeland betreiben. Um aus den kleinen Parzellen möglichst Viel herauszuschlagcn, cultiviren sie nur die edelsten amerikanischen und türkischen Sorten, welche sie sorgfältig zu pflegen und sachgemäß vor Schaden zu bewahren wissen. Für den Absatz ihres vorzüglichen Products brauchen die Juden nicht zu sorgen. Von weit und breit kommen die Händler zu ihnen, welche den Tabak zu solch' guten Preisen abnehmen, daß die jüdischen Tabakspflanzer von Bar durch ihre Umsicht und Wohlhabenheit den sie uiugebenden indolenten und armen Bauern als Muster dienen könnten. Ein Jude als landwirthschaftliches Muster für Bauern! Was sagen unsere Antisemiten dazu? Odessa, im Dez. Vor einigen Tagen fand hier eine Sitzung des Kuratoriums des jüdischen Greisenasvles statt, der die Wohlthäterin Frau B. A. Feldmann beiwohnte, aus deren Kosten ein neues Gebäude für diese überaus nützliche Anstalt errichtet wurde. Das Kuratorium beschloß, die Einiveihung dieses Gebäudes noch im Lause des November vorzunehmen. Mit Eröffnung dieses Hauses wird die Thätigkeit des jüdischen Greisenasyls bedeutend erweitert werden. Das neue Gebäude kostet 90,000 Rubel. Das Haus ist ein zweistöckiges, mit unteren Räumen verbunden und wurde nach den Plänen und unter Aufsicht des Archit