Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1900)
- Date
- 1900-12-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2094 schast für die rumänischen Juden gibt eine rein fachliche Darstellung der Ereignisse, die sich im heurigen Sommer zwischen der rumänischen Grenze und den europäischen Hafenstädten abgespielt haben. In der Oessentlichleit sind gegen die „Allianz" mannigfache und, wenn sie begründet gewesen wären, sehr schwerwiegende Vorwürfe erhoben worden. Noch in den letzten Tagen wurde ein Brief des Pester Cultusvorstandes publicirt, in welchem zwischen den Zeilen die Beschuldigung unjüdischen Vorgehens zu lesen war. Der Rechenschaftsbericht der „Allianz" beweist nun die gänzliche Haltlosigkeit all' dieser zum Theil der Unlenntniß der Sachlage, zum Theil purer Gehässigkeit entsprungenen Anwürfe. Er zeigt, wie die Leitung dieser bumanitären Vereinigung mit einer Opserwilligkeit und Hingebung sonder Gleichen sich der Bewältigung einer menschliche Kraft schier übersteigenden Ausgabe unterzog und wie sie dabei nicht nur mit dem begreiflichen Widerstande der verzweifelten Auswanderer, sondern auch mit widrigen Zufällen und falschverstandener Wohtthätigkeit zu kämpfen hatte. Plötzlich und mit elementarer Gewalt gleich einer Sturmfluth brach die Auswanderungsbewegung, geschürt von gewissenlosen Agenten, über die mittel- und westeuropäische Judenschast herein. Die Rückkehr in die Heimath war den Emigranten verwehrt, die Aufnahme in den überseeischen Ländern an Bedingungen geknüpft, welchen die Mehrzahl der Auswanderer nicht entsprach. Der Beförderung über drei der wichtigsten Hafenplätze stellten sich unübersteigliche Hindernisse in den Weg, die deutschen Comitees lehnten die Uebernahme ganzer Familien mit Frauen und Kindern ab. So sammelten sich in Wien Mitte Juli 2000 Auswanderer an, für die geeignete Unterkunstsräume nicht zu beschaffen waren. Trotz aller Abmahnungen beförderten die ungarischen Glaubensgenossen immer neue Schaaren nach Wien, denen die ungarische Regierung das Verweilen auf ihrem Territorium nicht gestattete. Als sich endlich auch die Wiener Polizei in's Mittel legte und die schleunigüe Evocuirung des hiesigen Emigrantenlagers verlangte, blieb nichts übrig, als die letzten Züge an die rumänische Grenze zurückzusenden, nachdem man sie mit genügenden Geldmitteln versehen und deren Wiederaufnahme in die Heimath aus diplomatischem Wege gesichert hatte. Das ist in knappen Strichen der Verlaus dieser überstürzten, regellosen Bewegung. Die „Allianz" hat Uebermenschliches geleistet und ihre Pflichten mit Aufbietung aller Kräfte im vollsten Maße erfüllt. Sie hat für ihre Mühe und Anstrengung viefach Undank und Schiurps erleiden müssen. Mag sie sich mit dem Bewußtsein trösten, daß dies Menschenloos ist. Es wäre wünschenswerth, daß nun auch jene Partei, welche an der Thätigkeit der „Allianz" so ungerechte Kritik geübt hat, eine Darlegung ihrer Hilfsaction für die rumänischen Auswanderer veröffentlichte. Der Vergleich wird dann lehren, auf welcher Seite wirkliche Hilfe geboten wurde. Nikolsburg, im Dez. Unsere Gemeinde war seit jeher patriotisch gesinnt und jedes Ereigniß in unserem Kaiserhause gab ihr willkommenen Anlaß, die Vaterlandsliebe zu bekunden. Anläßlich des 60jährigen Jubiläums unseres Monarchen creirte die hiesige Cultusgemeinde eine Stiftung, zufolge welcher am Jubiläumstage arme Kinder israelitischer Confession mit Beschuhung versehen und überdies noch durch eine Abendmahlzeit verköstigt werden. In diesem Jahre versammelten sich anläßlich dieser Feier im Hotel Schasfa die dürftigen Schüler und Schülerinnen mit ihren Lehrkörpern, Rabbinatsassessor Knöpsmacher. Cultusvorsteher Philipp Kohn, Bürgermeister Adolf Kohn, mehrere Cultus- und Gemeinderäthe. In Verhinderung des verreisten Rabbiners, Dr. David Feuchtwang, hielt Herr Rabbinats-Assessor Knöpsmacher eine dem kindlichen Auffassungsvermögen und der Feier des Tages angepaßte, von patriotischem Geiste durchwehte Rede. Es war ein rührender Anblick, als der fast 90jährige Greis mit der Begeisterung eines Jünglings an die Kinder eine Ansprache hielt, in welcher er dieselben ermahnte, in angestammter Unterthanentreue Liebe zu Kaiser und Reich zu hegen und zu pflegen, und nicht nur mit Worten, sondern auch mit Thaten, wenn es nöthig ist, dem Patriotismus Ausdruck zu geben. Nach Beendigung der Rede wurde von den Anwesenden das Kaiserlied gesungen. Herr Lehrer Krakauer brachte auf den beliebten Vorredner ein dreifaches Hoch aus, nachdem er zuvor dessen schätzenswerthen Eigenschaften Erwähnung gethan. Herr Lehrer Jakob Zwicker ermahnte die Kinder, ihrer Wohlthäter zu gedenken und wenn sie einst der Heimath entrückt werden sollten, stets unerschütterlich ihren Glauben zu behalten und sich von den Satzungen der Religion, von dem Boden des unverfälschten Judenthums nicht um eine Haarspalte weit zu entfernen. Die großen Männer, die hier gelebt und gewirkt haben, mögen ihnen auf ihrem Lebenspfade stets als leuchtendes Vorbild dienen. Die Kinder empfanden an diesem Abend ein großes Vergnügen, der Jubiläumstag wurde für sie ein wahrer Freudentag. Rußland. Petersburg. Einen furchtbaren Theaterskandal hat am 6. d. Mts. Hierselbst der Antisemitenhäuptling Suworin verursacht. Um den Juden „Eins zu versetzen," sucht dieser geriebene Geschäftsantisemit schlimmster Sorte seit langer Zeit ein überaus minderwerthiges, aber gegen die Juden gerichtetes Theaterstück aus die Bühne zu bringen. Das Elaborat, „Der Sohn Israels," ist das Machwerk zweier talentloser Juden