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Der Israelit · 1900-12-17 · Heft 100 (17.12.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 100 (17.12.1900)
Date
1900-12-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3093^ einigt; der alte Maihitjahu dagegen war nichts weniger als ein Politiker. Von dem einzigen Bestreben getragen, seinem Gotte in aller Treue dienen zu können, indeß der Abfall links und rechts seine Opfer forderte, verließ er mit seinen fünf Söhnen Jerusalem und verlegte seinen Wohnsitz nach dem entlegenen Flecken Modim. Auf diese Weise hoffte er, der Welt und ihren Händeln am besten aus dem Wege zu gehen. Wie viele Priesterfamilien gleichen Ranges gab es damals, deren Namen nicht einmal auf uns gekommen sind? Nur ihn, der in die Einsamkeit flüchtete, hat das Geschick auf einen so hohen Posten gestellt, auf welchem er sich über die kühnsten Erwartungen hinaus glänzend bewährt hat. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, im Dez. Die Saat des antisemitischen Pfarrers Krösel in Kloxin beginnt bereits Früchte zu tragen. Am fi. Dezember hielt er wieder eine seiner bekannten Versammlungen in Beelitz, Kreis Pyritz, ab, um den dortigen Einwohnern, wie in dem Konitzer Kreiüblati angekündigt war, einen „wissenschaftlichen Vortrag über Ritualmord und den Fall Könitz" zu halten. Der Saal war, wie uns geschrieben wird, von Männern, Frauen und kaum 14—15jährigen Kindern dicht gefüllt. Als während der Versammlung ein anwesender christlicher Herr sich einige Notizen machte, wurde die Versammlung unruhig. Das Publikum stieg auf Tische und Bänke und schrie: „Juden raus." Die Ruhe war auch noch nicht wieder herzustellen, nachdem der Pastor Krösel den Herrn aufgefordert hatte, den Saal zu verlassen. Als der in dieser Weise exmittirte christliche Herr nach einiger Zeit vor dem Versammlungslokal vorbeifuhr, hatte sich der größte Theil der Versammlungsbesucher auf der Straße postirt und empfing das Gespann mit Gejohle und Steinwürfen. Ein Stein traf den Herrn an der linken Schulter. Der Herr Pastor unterläßt zwar nicht, in seinen Vorträgen darauf hinzuweisen, daß die Leute sich von Gewaltthätigkeiten fern halten mögen. Die Ausschreitungen, die sich die Theilnehmer an der Beelitzer Versammlung zu Schulden kommen ließen, liefern jedoch einen hinreichenden Beweis dafür, welche gefährliche Wirkungen diese „wissenschaftlichen"Ausführungen des Herrn Pastor Krösel auf eine wenig kritisch veranlagte Zuhörerschaft in Wirklichkeit ausüben. Wittmars, 13. Dez. Mit vielem Interesse habe ich die Notizen und Gutachten über die Maggi-Präparate in einer der jüngsten Nummern dieser Blätter gelesen, die gewiß durch Aufklärung und Richtigstellung der dort beregten Angaben eines anderen jüdischen Blattes gar manchen ^bod beziehungsweise m1«*« nrnoK verhindern und abstellen werden. Auch diese Zeilen mögen einem ähnlichen Zwecke dienen. Durch Zufall kam mir dieser Tage ein Exemplar des diesjährigen „Frankfurter israelitischen Volks-Kalender" unter die Hände. Mich mit Vergnügen der in früheren Jahrgängen enthaltenen Novellen und Erzählungen erinnernd, z. B. von Direktor Berger s. A., blätterte ich das Büchlein durch und fand u. a. an jener Stelle eine Arbeit, betitelt: „Ein neuer Wunderdoktor" von Balthasar Kottbus. Mein Staunen wuchs von Minute zu Minute, als ich statt einer Erzählung oder dergl. eine reklamenhafte, fünf Seiten starke Anpreisung des aus allen Tageszeitungen bekannten, neuen Nähreiweises „Tropon" fand. Der Schluß jener Ausführungen lautet wörtlich: „So ist Tropon ein wahrhaftiger Wunderdoktor, der nicht auf die Leichtgläubigkeit der Menschen rechnet, sondern auf ihre Einsicht und Verständigkeit. Und jeder verständige Kalenderleser kann nichts Besseres wünschen, als daß er bald in Stadt und Land, in jedem Schloß und in jeder Hütte die anderen Wunderdoktoren verjagt, die von der Krankheit leben, während Tropon die Gesundheit schenkt. Und Gesundheit ist der beste Reichthum." Nun erscheint doch wohl der Schluß nicht sehr gewagt, daß die Leser eines „Israel. Volkskalenders" auch in der Hauptsache Israeliten seien; diesen also wird Tropon-Nahrung in allen möglichen Tonarten angepriesen. Nun mag ja wohl, was ich weder beurtheilen kann noch will, das Tropon alle möglichen Vorzüge besitzen, einen Mangel hat es, der es eben doch für jüdische Kreise unmöglich macht — es ist nicht koscher. Als Gewährsmann für diese Behauptung gilt mir eben der „Israelit," der im Februar d. I. eine diesbezügliche Briefkastennotiz brachte; wenn ich mich recht erinnere, sprach sich auch Herr Dr. Münz in seinen Aufsätzen über die Pflege des gesunden und kranken Magens in diesem Sinne aus.*) Ich will nun keineswegs etwa behaupten, es sei in beregtem Artikel des Kalenderchens wider besseres Wissen das Tropon jüdischen Kreisen empfohlen worden, ich möchte durchaus nicht d’ibos nwn fein; da aber die Möglichkeit einer irrigm Auffassung der breiten Oeffentlichkeit eben durch den Kalender vorliegt, ist es nothwendig, auch diesbezügliche Aufklärung und Berichtigung der breitesten Oeffentlichkeit zugänglich zu machen, was wohl der „Israelit" am besten vermag. L. Anfänger, Lehrer. Oesterr. -Ung. Monarchie. Wien, im Dez. (Die Hilfsaction der „Israelitischen Allian z.") Der soeben erschienene Bericht des Vorstandes der „Jsr. Allianz zu Wien" über die bisherige Hilfsaction dieser Korper- *) Ja. Redaction.

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