Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 100 (17.12.1900)
- Date
- 1900-12-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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209kunft von den Hasmonäern herleitet, hat damit zugleich seine unlautere, sklavische Abstammung eingestanden." Mit Recht konnte man ihre Nachfahren als pem P' ps (Bab. mez. 83b), als diejenigen bezeichnen, welche den edlen Wein ihrer Vorfahren zu Effig werden ließen und bei richtiger Selbsterkenntniß hätten sie mit jenem Weisen zu sprechen alle Ursache gehabt: (Chul. 305) xax xicn 12 «Sn xnSo «12 «:« Sx'cr icx „Wir stehen unsereen Vorfahren gegenüber da, wie Essig im Vergleich zum Weine." Wenn wir daher die Lichtseite des Chanukafestes recht würdigen, so soll darum der dunkle Schatten, den die Spätgeborenen darauf geworfen, nicht vergessen werden. Denn es ist ebenso erbaulich, an den Großthaten der Vorfahren sich zu erheben, als es nützlich ist, unleugbare Fehler zu dem Zwecke zu würdigen, um ihre Wiederholung für alle Zukunft zu vermeiden. Das Ehanukaereignitz nimmt, ganz abgesehen von seiner zeitlichen Stellung am Rande unserer staatlichen Selbstständigkeit, einen der hervorragendsten Plätze in der jüdischen Geschichte ein. Wohl sind wir an großen Geschehnissen während unserer weit in das Alterthum herabreichenden Vergangenheit nicht arm. Nur muffen wir es an vielen Stellen so schmerzlich beklagen, daß die weiten Schichten des Volkes sich den Aufgaben der Zeit gegenüber kalt und gleichgültig verhalten haben. Israels Zeiten waren meist groß durch seine hervorragenden Männer, — selten durch die Größe des jeweiligen Geschlechts. Wie oft mußte die Begeisterung erst in das Volk hineingetragen werden? — Hier aber sehen wir fast zum ersten Male weite Kreise des Volkes einen Vertheidigungskampf für seine Religion aufnehmen, den wir einen wahren Verzweiflungskampf nennen dürfen. Ja, die Gebildeten und Aufgeklärten von damals hätten wohl keinen Augenblick gezögert, ihn als ein wahnwitziges Unterfangen hinzustellen. Was hat unser Volk in seinen untersten Schichten gerade damals zu jener Höhe der Erkenntniß gebracht? — Es war dies die edle Frucht, welche die tiefere Einsicht in die treibenden Kräfte der Zeiten bei ihnen gereift hatte. Das Reich der v'L2L' rrw zehn Stämme war ohne Gott und ohne Thora in die assyrische Verbannung gezogen, und wurde dort unbarmherzig aufgerieben, so daß es vom Schauplatze der Geschichte endgültig verschwand. Es zog das viel winzigere Reich Juda etwa 40 Jahre später ebenfalls nach Vabvlonien in die Verbannung. Aber getragen von Gottvertrauen, begleitet von der heiligen Thora, hatte es sich trotz aller Heimsuchungen einer Welt von Feinden gegenüber behauvtet. Welche Lehre ergab sich daraus? Daß für Israel die Vertheidigung seiner Religion gleichzeitig die seines selbeigenen Bestandes bedeutet. Wo sein? R?liaion bedroht erscheint, dort ist Israel damit Zugleich vor die Frage von Sein oder Nichtsein gestellt. Diesem Gedanken haben unsere Weisen einen ebenso sinnvollen als schlagenden Ausdruck gegeben, wenn sie lehren: xpj l’xpi: pn« (Sotah 35) „Die heilige Lade war es. die ihre Träger getragen," oder allgemeiner gesprochen: nicht Israel hat die Thora, sondern die Thora hat Israel durch die Zeiten und Völker getragen. Wollen wir aber jener glanzvollen Zeit der Makkabäer völlig gerecht werden, so müssen wir vor allem bedenken, daß die Versuchung zum Abfalle damals keineswegs mehr in der alten massiven Form groben Götzendienstes auftrat. Damals fiel es Keinem ein, mit dem abgegriffenen Lockrufe nins 'pS« majw na'-': Anhänger zu werben. Der Abfall hatte bereits eine Art raffinirter gleißnerischer Form sich angemaßt, indem er im Namen der griechischen Cultur und Bildung ebenso anspruchsvoll als unwiderleglich seinen Forderungen Nachdruck gab. Man warb eigentlich für die griechische Cultur —• und führte unter ihrem Namen das griechische Heidenthum ein Welche Verheerungen hat doch der Abfall in unserer eigenen Mitte angerichtet, als er von Cultur und Bildung seine Verführungsmittel entlehnte! Wie hat er uns bis in die Tieft hinein zerrüttet, da wir doch um 2000 Jahre Erfahrung reicher sind, als jene — und auf den Geist der Geschichte zu verstehen uns einreden. Erwägt man endlich, wie viele Andere, die er zwar nicht zu Falle gebracht, er aber mindestens in ihrer Hingebung und Ueberzeugung schwankend gemacht hat, — und man wird keinen Augenblick anstehen, die große moralische Ueberlegenheit jener Zeit gegenüber der unserigen zuzugeben. Welche Bewunderung verdient nun gar erst das Heldengeschlecht der Makkabäer, das für seine Neberzeugung nicht bloß mannhaft eingetreten, sondern mit wahrhafter L' b : n rivos Todesverachtung dieselbe verfochten hat? Aber auch nach der äußeren Seite ihres Geschickes war jenes Geschlecht ein höchst merkwürdiges. Fragen wir nach dem bedeutendsten Ereignisse des eben abgelaufenen Jahrhunderts und man wird von allen Kennern der Welt unbedenklich zur Antwort erhalten: es war dies der Aufstieg eines einfachen bürgerlichen Mannes wie Napoleon zum Throne eines gewaltigen Reiches und die weltumwälzenden Bewegungen, die er von da aus unternommen. Dennoch gilt auch davon pobm mn BHn Sa px: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne." Ein solches wunderbare Schauspiel haben wir in unserer eigenen Mitte zwei Jahrtausende früher an den Makkabäern erlebt. Ja, der äußere Erfolg war vielleicht auf ihrer Seite noch größer. — Glich der Korse einem Kometen, der am Himmel der Völker ebenso unerwartet emporstieg, als er unterging, so hat das Gestirn der Makkabäer mehr denn 125 Jahre lang über Israel geleuchtet. Jener hatte seine ganze große Geisteskraft im Brennpunkte politischen Ehrgeizes der-