Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1900)
- Date
- 1900-12-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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mos So hoffen wir wiederum, mit gegenwärtigen! Berichte das öffentliche Interesse für unsere Anstalt zu erhalten, zu gewinnen u. zu beleben. Indem wir hiermit einen Einblick in die Thätigkeit, die Ziele und Erfolge derselben gewähren, zeigen wir, wie sehr wir bemüht sind, unserer Aufgabe gerecht zu werden, die darin gipfelt, wahrhaft religiöse und zugleich berufstüchtige Lehrer heranzubilden und ein Werk zu unterhalten, das ebenso sehr den Zöglingen selbst, als ihren späteren Wirkungskreisen, den Gemeinden, zum Segen gereichen soll. Wie man allgemein mit Recht annimmt, daß das Heil der Zukunft in der Schule liegt, so kann man das in religiöser Beziehung von der Religionsschule behaupten. Wollen wir unser höchstes Gut, unsere heilige Religion und Lehre unseren späteren Geschlechtern unverfälscht erhalten, so müssen wir vor allem unser Augenmerk auf unsere Schule richten, müssen dafür sorgen, daß unseren Kindern die Kenntniß unserer heiligen Lehre und Religion durch Lehrer vermittelt >verde, die selbst mit der nöthigen Kenntniß, geschöpft aus deren unmittelbaren Quellen, ausgerüstet sind, die im Geiste der wahren Religion erzogen und herangebildet werden und die selbst für das geoffenbarte Wort Gottes begeistert eintreten, es mit inniger Ueberzeugung lehren und ihrer höheren göttlichen Ausgabe bewußt sind. Rur so können wir hoffen, daß der religiöse Geist auch im künftigen Geschlechts fortlebt, daß dasselbe allen Versuchen der Zeit und der Verhältnisse widersteht und die Unvergänglichkeit und Ueberwindlichkeit unserer heiligen Religion wie zu allen Zeiten sich herrlich zeige. Unsere Anstalt, die sich die Heranbildung solcher Lehrer zur Aufgabe gestellt und deren ganze Organisation hiermit in Einklang steht, kann demnach als eine Institution betrachtet werden, die das jüdische allgemeine Interesse in hohem Grade verdient und berechtigten Anspruch auf die öffentliche Beihilfe zu ihrer Erhaltung und Förderung erheben darf. Wir können mit Vergnügen konstatiren, daß diese Erkenntniß in werte Kreise gedrungen, und auch die Anerkennung ihrer Leistungen findet nicht nur behördlicherseits, sondern auch darin ihren Ausdruck, daß unsere Zöglinge von vielen Gemeinden bei Besetzung von vakanten Lehrerstellen bevorzugt werden und dieselben nach bestandener Prüfung stets rasche Verwendung finden. Mögen aber auch die Schwierigkeiten, die wir bei Erreichung unserer Ziele zu überwinden haben, nicht unterschätzt werden und möge man in Würdigung derselben uns wie bisher sowohl intellektuell wie materiell wohlwollend unterstützen. Mögen die edlen Spender in ihrer Munificenz gegen uns nicht Nachlassen und ihre Gaben uns ferner reichlich zufließen lassen. Mögen die Herren Rabbiner, Vorstände und sonstige Gönner in ihren Kreisen auch ferner für unsere Anstalt in ihrer Wirksamkeit edlen Wohlthätern empfehlen und dieselben zur Zuwendung von größeren Stiftungen und Legaten für die Anstalt selbst sowohl, als auch für den zu gründenden Pensionsfonds veranlassen. Ganz besonders aber richten wir an unsere eheinaligen Schüler die Bitte, ihrer Pflegstätte freundlich und dankbar zu gedenken und in ihren Kreisen für sie zu wirken, damit auch andere wieder derselben Wohlthat theilhaftig werden können, deren sie sich erfreuen durften. Wohl sind sich viele derselben ihrer Dankespflicht bewußt und zeigen ihr thätiges Interesse für die Anstalt in anerkennenswertster Weise. Möge jedoch Keiner hierin zurückstehen und mögen alle in gesteigertem Maße zur Erhaltung und Förderung ihrer ehemaligen Bildungsanstalt beitragen. Rur durch ein Zusammenwirken aller Faktoren wird es möglich sein, nicht nur den stets gesteigerten Ansprüchen an die Anstalt zu genügen, sondern dieselbe auch auf die Höhe ihrer Bestimmung zu bringen. Dahin ist unser Streben gerichtet und dazu wolle uns Gott Segen und Beistand verleihen! Die Einnahmen betrugen Mk. 24,440, die bis auf Mk. 59b verausgabt wurden. Der Vermögcnssiand weist Mk. 96,356 auf. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. ILicn, 30. Rov. (Ein Brief des veru r t h e i l t e n Leopold H i l s n e r.) Leopold Hilsner hat nach seiner Berurtheilung an seine Mutter, Marie Hilsner in Groß-Meseritsch, einen Brief gerichtet, in welchem er ihr von dem Ausgange seines Prozesses Mitteilung macht. Wir entnehmen diesem Briefe Folgendes: P i s e k, am 16. November 1900. Liebe Theure Mutter! Ich grisse Dich villmals und bin bei Meine Leiden gesund. Liebe Theure Mutter, Mittag bin ich wieder verurtheilt Unschuldig worden. Liebe Theure Mutter, die Hern Vertheidiger werden vier mich eine Beschwerde zum Höchsten Gericht Anreichen, es wird wieder dauern einige Monate, ich Hoffe zum Lieben Gott, die Hern beim Höchsten Gericht werden meine Unschuld erheren. Liebe Theure Mutter, auch mus ich Dir schreiben, ob Du die neue schwarze Kleider Hat, ich habe mir Genommen zu die Verhandlung die Blaue. Die schwartze Kleider verkaufe mir nicht, ich Hoffe zu Gott, ich werde sie noch tragen, auch mus ich Dir schreiben, warum hast mitt mir nicht geredet bei der Verhandlung. Du hast kennen den Hern Präsident bitten, das du willst mit mir reden hast kennen, schreibe mir Antwort, wie es euch geht. Kreng dich nicht, das ich verurtheilt bin. die Sach kommt wieder zum Höchsten Gericht nach Wien, es sind Hern über meine Unschuld, ich hoffe zu Gott, daß die Unschuld wird erhert werden beim Hechsten Gericht. Und mehr kann ich Dir nicht schreiben, sei so gutt und wenn es Dir Meglicht ist, schicke mir -twas Geld, ich habe Mangel und Roth. Ich grisse Dich villmas und lasse auch alle grissen. Ich bleibe Dein Treuer Sohn. Leopold Hilsner. K. K. Kreisgericht in Pisek.