Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1900)
- Date
- 1900-12-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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2002 selbst und die ganze n^n, welche vn zur Farce herabgewiirdigt werden. Einer der hiesigen Reformprediger hat vor einiger Zeit die Ehe eines ,'nr mit einer von dem bürgerlichen (.Bericht geschiedenen Frau eingesegnet und hierbei den Bräutigam gefragt, wie er diese Trennung wünsche, ob nach dem alten oder nach dem modernen Ritus, da man gerne nach dem Wunsche eines Jeden verfahre. Die Hauptsache bleibt hierbei der nervus rernm omnium! 3o ein Prediger scheut sogar nicht, nachdem das Honorar festgestellt ist, eine Reise nach Budsin zu machen, um die Ehe einer Frau mit ihrem Schwager, non dessen Bruder, ihrem Manne, sie Kinder hat ,!- b**ip nt ru’S) einzusegnen! In einer hiesigen Religionsschule streng-frommen Ebarakters fehlte an einem Sonntage ein zehnjähriger Knabe im Unterrichte. Am nächsten Schultage zur Rede gestellt, entschuldigte sich der Knabe, am Sonntage wäre die Taufe seines neugeborenen Brüderchens gewesen, daher er gefehlt habe. Der nicht wenig erstaunte Lehrer drang auf nähere Erklärung, woraus der Junge naiv antwortete: „Meine Mutter ist Ebristin, und da ich jüdisch geworden bin, wie es mein Vater wollte, so wird jetzt mein zweiter Bruder getauft, une es meine Mutter wünscht." Mit ähnlichen Factas aus der Gegenwart kann tortgcfahren werden, wenn die geneigten Leser daran nicht genug haben sollten, um zu erkennen, wie es ausstebt, wenn man sein jüdisches Haus nicht mit allem Ernste und opferfähiger Treue wahrt. R. Brcolnn, im Not?. (Antisemitismus in der Studentenschaft.) Die an der Breslauer Universität bestehende „studentisch - wissenschaftliche Berbindung" wurde am El. Juli d. I. vom Rektor und Senat vorläufig, und zwar für die Dauer eines schwebenden llntersuchungsversahrens, suspendirt. Dies Berfahren tvar durch ein Mitglied der Verbindung herbeigeführt worden, welches einem Mitgliede der TurnerschaEt „Suevia" wegen seines herausfordernden antisemitischen Benehmens eine Ohrfeige versetzt hatte. Diese in akademischen Kreisen sonst ungewöhnliche Selbsthilfe, zu der sich der jüdische Student hinreisien liest, ist aut eine schwere persönliche Beleidigung zurückuEübren, die ihm von dem antisemitischen Studenten angethan wurde. Die „Brest. Ztg." berichtet darüber: Die feindliche Stimmung war schon seit längerer Zeit durch verschiedene Vorgänge im Hörsaale vorbereitet worden. Auf den Bänken stand nicht selten von unbekannter Hand geschriebene, offenkundig an die Adresse der jüdischen Kommilitonen gerichtete Bemerkungen, z. B. „Duft ans Könitz", oder „Ein schöner Anblick ist hienieden -- Ei wai, 's sind kausch're Juden." Aehnliche taktlose Aensterungen wurden von studentischen Antisemiten in Gegenivart jüdischer Studenten öfters gesprochen und an diese auch persönlich gerichtet, wie z. B.: „In Könitz geschieht noch viel zu wenig, die Juden müssten zu Mus geschlagen werden." Eines Tages riss einem der fortgesetzt Geschmähten die Geduld. Es geschah bei Vorstellung eines schwerkranken galizischen Juden in der chirurchischen Klinik am 9. Juli d. I. Der Patient machte bei Erzählung seiner Krankengeschichte eigenthümliche Gesten, die von dem zufällig gegenwärtigen antisemitischen Sueven in recht auffallender Weise nachgeahmt wurden. Durch dieses Benehmen fühlte sich der neben ihm sitzende jüdische Student beleidigt und ignorirte ihn dafür, was er auch dadurch zeigte, dass er die von dem Antisemiten ihm überreichten Präparate nicht abnahm. Rach Beendigung des Kollegs folgte der Sueve dem jüdischen Studenten in die Garderobe und rief ihm zu: „Sie sind ein unverschämter Mensch!" Als Antwort darauf erhielt er von dem jüdischen Studenten eine schallende Ohrfeige. Auf studentischem Wege wurde die Angelegenheit nicht zum Austrage gebracht, vielmehr beschloß eine Konferenz aller an der Universität bestehenden Verbindungen gegen den Protest des „Vereins jüdischer Verbindgungen." den Herrn, der die Ohrfeige ausgetheilt, beim akademischen Senat zur Anzeige zu bringen, dagegen über den Antrag der jüdischen Vertreter, das Verhalten des Sueven für inkommentmäßig zu erklären, zur Tagesordnung überzugehen. Auf diese Anzeige hin wurde die eben erwähnte Untersuchung gegen den jüdischen Studenten eingeleitet und derselbe vom akademischen Senate der Universität durch ein am schwarzen Brett zum Aushang gebrachtes Urtheil „wegen thätlicher Beleidigung eines Kommilitonen mit Entfernung von der Universität bestraft." Würzburg. Dem Rechenschaftsberichte für die „Israelitische Lehrerbildungsanstalt" in Würzburg für das sechsunddreissigste Jahr ihres Bestehens, von Nathan Bamberger , Distrikts-Rabbiner und Vorstand der Anstalt, entnehmen wir: Mit dem Schluffe des Schuljahres bestanden neun Zöglinge, die sämmtlichen Schüler des Oberkurses, die Austrittsvrüfung am Kgl. Schullehrerseminar dahier mit gutem Erfolge und wurden in die Praxis entlassen. Die Zahl aller seit dem Bestehen der Anstalt ausgebildeten und in die Praxis entlassenen Schüler beträgt jetzt 307, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus segensreich wirken. Alljährlich wird von einem der geistlichen Mitglieder des Curatoriums Prüfung aus der Religionslitteratur abgehalten, die auch diesem Jahre ein ganz günstiges Resultat lieferte. Die Anstalt hatte im abgelausenen Schuljahre 29 Zöglinge. Die eingegangenen Spenden haben im abgelaufenen Jahre ein ganz befriedigendes Resultat ergeben. Es sei daher allen verehrten Spendern und Spenderinnen inniger herzlicher Dank ausgesprochen.