Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 96 (3.12.1900)
- Date
- 1900-12-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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^5*2001 nur ja nicht naß!" In Erkenntniß der Thatsache, daß sowohl der rein mechanische, wie andererseits der rein grammatische UnterrichtKlippen bilden, an welchen jede Lernfreude zerschellen muß, wird dem Lehrer der höchst zweifelhafte Rath gegeben, fortwährend zwischen denselben herumzulaviren. Das mag sich ja auf dem Papier recht gut ausnehmen. In Wirklichkeit stellen sich die Dinge ganz anders. Das fortwährende Hin- und Herschwanken ist nur dazu angethan, eine unheilvolle Verwirrung in den Köpfen anzurichten. Ein Unterricht kann nur dann wirksam sich gestalten, wenn er so wenig als nur irgend möglich dem Zufalle freien Spielraum läßt und sich in festen, ausgefahrenen Geleisen bewegt. Denn das Schwankende — der noch nicht geformte kindliche Geist — muß an das Feste sich anlehnen, wenn es erstarken soll. Wollen wir den hebräischen Unterricht aus seinem unerquicklichen Zustande herausheben, so wird es sich zunächst darum handeln, für denselben ein festes methodisches Prinzip aufzufinden, welches den gesammten Betrieb bis in das feinste Geäder hinein beherrscht. In dem Grundgesetze des „kleinsten Kraftmaßes" bietet sich uns ein solches oberstes Princip dar. Es ist dies jenes Gesetz, welches uns anleitet, bei jedem unterrichtlichen Vorgang Anstrengung und Leistung gegeneinander genau abzuwägen und unter allen zu Gebote stehenden Mittel dasjenige zu wählen, welches bei den beziehungsweise geringsten Anstrengungen den großlen Erfolg verheißt. Es ist dieses Gesetz der Natur in ihrem verborgenen Schaffen abgelauscht. Sie hat uns darin das tiefe Geheimniß, das sie bei ihrer gesammten Wirksamkeit befolgt, verrathen. Dieses Gesetz empfiehlt sich schon auf den ersten Blick vermöge der praktischen Vortheile, die seine uneingeschränkte Anwendung sichert. Wie kein anderes verspricht es den Lernzwang, so weit, als es die Natur der Sache nur gestattet, zu erleichtern. Wesentlich günstiger stellt sich das Verhältniß noch, wenn das Psychologische Moment dabei nach Gebühr gewürdigt wird. Die üblichen Lehrmethoden führen nicht bloß durch ihre Unzweckmäßigkeit einen großen Zeit- und Kraftverlust herbei; diese Nachtheile wären allenfalls noch zu verschmerzen. Verhängnißvoll jedoch werden sie durch den Umstand, daß sie den Schüler niemals zu dem inneren Gefühle geistigen Wachsthums gelangen lasten und in Folge besten seinen Eifer geradzu lähmen müsten. Wo jedoch der Aufwand an Kraft in ein richtiges Verhältniß zu dem Lernerfolg gesetzt wird, da wird sich letzterer niemals der Wahrnehmung des Schülers entziehen. In diesem erhebenden Gefühle findet er gleichzeitig die wirksamste Aneiferung zum Weiterstreben. Dieses oberste methodische Prinzip trägt sohin alle Merkmale richtiger Grundsätze aus den ersten Blick zur Schau. Der Natur der Dinge abgelauscht, ist es einfach, ohne weiteres einleuchtend, durch seine praktischen Vortheile sich selbst empfehlend, das ganze Gebiet umfastend, so daß es schließlich alle in dasselbe einschlagende Thätigkeiten bis in die letzte und feinste innere Regung hinein beherrscht. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 26. Nov. (Unjüdisches aus dem jüdischen Berlin.) Die gleichsam wie im Kaleidoskop sich in ungeheurer Menge zeigenden Schattierungen, die für jüdische Anschauung und religiöses Leben von dem aufmerksamen Beobachter in der großen Weltstadt sich erkennen lassen, bieten des Interessanten so viel, daß es sich verlohnt, einige Beispiele an das Licht der Betrachtung zu führen. Da stehe ich vor einigen Tagen in dem Laden eines jüdischen Buchhändlers, als ein Mann in den besten Jahren hereintrat und an denselben mit den Worten sich wandte: „Geben Sie mir etwas gegen die Horroh, für mein neugeborenes Enkelchen, damit es die Wartefrau in die Wiege lege oder dem Kinde umhänge." „Sie meinen," antwortete der Buchhändler, „etwas gegen Ajin horrah," und legte ihm einige kleine Kapseln in Gold vor, von denen eine jede Kapsel ein Mosesbild mit verschiedenen Schriftversen enthielt. „Ich bin zwar nicht so sehr orthodox fromm, aber auch nicht mein Sohn. Doch haben die jungen Leute eine koschere Wirthschaft, denn die Eltern der Frau sind noch sehr fromm; aber mehr können sie auch nicht von ihnen verlangen." Der gesprächige Käufer zahlte acht Mark für die kleine goldene Kapsel, mit der er sein Enkelchen in der Wiege vor den Wirkungen eines bösen Auges nunmehr gesichert glaubte, und entfernte sich recht befriedigt. Die lehrreiche Moral aus dieser Geschichte wird sich ein Jeder selbst sagen können. Der Vorbeter in einer der hiesigen Vereins-Synagogen. die sich sogar einer zweifachen Bezeichnung rühmt, hatte eine verstorbene Frau, welche früher vom Christenthume zum Judenthume übergetreten war und ein Mitglied der Synagoge geheirathet hatte, in's niefco matn Buch zum Gedächtniß einzutragen. Er hatte einmal davon etwas gehört, daß man solche Uebergetretene nach den Namen der Erzväter und -Mütter benenne. Dies war ihm nicht so einfach; denn wie sollte unser Stammvater Abraham so ohne weiteres titellos bezeichnet werden. Er schrieb daher nach dem Namen der Frau noch hinzu: oma« imo na! So muß, wie in dem ersten Beispiel, unser Lehrer Moses, in dem zweiten Beispiele unser Stammvater Abraham der Dummheit als Folie dienen. In den zwei folgenden Beispielen ist es aber die heilige Thora