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Der Israelit · 1900-11-29 · Heft 95 (29.11.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 95 (29.11.1900)
Date
1900-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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schwerere noch, als diese rostigen Blechadler, es hatie das Heldendlut so vieler junger Söhne gefordert. Herrmann und sein Töchterchen Rosa waren müde und verstimmt heimgetehrt. Letztere begab sich sofort in die Küche, um die Vorbereitungen zum morgigen Sabbatfeste fortzusetzen, welche sie unterbrochen hatte, als die Schreckensnachricht von der verlorenen Schlacht und der erwarteten Ankunft der fliehenden Kämpfer angekommen. Herrmann saß allein in seinem Comptoir. Sein Sohn, der Buchhalter und die anderen Angestellten waren in's Feld gezogen und keine Nachricht von ihnen war ihm seither zugegangen. Der Post- und Telegraphenverkehr war eingestellt, oder doch sehr unregelmäßig geworden. Die Zeitungen hatten theils ihr Erscheinen eingestellt, theils war deren Eintreffen unmöglich geworden. Heute, als Herrmann die ihm wohlbekannte Uniform sab und die Abzeichen des Regiments erkannte, in dem sein Sohn diente, hatte er sich der Hoffnung hingegeben, wenn nicht seinen Sohn selbst zu finden, so doch etwas über sein Schicksal zu erfahren. Und wieder nichts, keine Silbe. Ob er noch lebte, sein Karl? Da mit einemmale erinnerte er sich des ihm unter den sonderbaren Umständen übergebenen Päckchens. Hastig griff er in die Tasche und zog es heraus. Was hatte doch eigentlich jener Mann gesagt, der es ihm übergeben? „Dies sendet Ihnen ein gefallener Kamerad!" Die Worte der heiligen Schrift zogen ihm durch den Sinn: „Sieh nach, ob es das Gewand Deines Sohnes Josef ist." Auf der Papierumhüllung war sein voller Name und richtiger Wohnort angegeben, mit zitternder Hand geschrieben, jedoch lesbar, so daß der fremde Mann leicht erkennen konnte, wem er es zu-übergeben hatte. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wtfrhenrflicli zweimal, Mootajf* and Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — vrr Vmhhsnorl vrrkrhrr durch V. 3F. Sleinacker, Leipzig, Rastplatz J6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis oer Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Directe Francozufendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österp., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. mitte 9lü*ftubun$ btt an die sredaetiorr eirrgcsandterr Mannseripte findet nicht statt, man bittet deKhalb, sich von asten Einsendungen eine Lopit ^urüstzudeftatlten Stellensuchende erhalten ans Wstnfch die Jnferaten Btilage vier Wachen lang gratis stnd franco zugescknvt Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung de» Jnsertionsbetrag» an außer «teste »estndliche hi» __«ach Erlangung einer solchen. _ Inhalt. Wautttbtatt): Leitender Arti'el. Siebt es eine jüdische Kunst -' — Zeitungsnachrichten und Correfpondenz n: Deustchland. Berlin Hannover. Cassel. München. Oefterr.-Ung. Monarchie: Wien. Budapest. Frankreich: Paris. — Sprechsaal. — Vermischtes: — Feuilleton: Versöhnte Feinde. Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Eine zeitgemäße Frage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Aus der Pfalz^ Palästina: Safed. — Vermischtes. Belletristische Beilage: P/eßburgerSlhettobttder.,., _ Ä8 Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. — Expedition des ,Israelit", Schoststratze Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierzu zwei Beilage«. Brod," flehten sie, „aber nur rasch, rasch, sonst sind wir verloren." Herrmann blieb keine Zeit, das ihm übergebene Päckchen zu öffnen, ja, er schien daran im Drange dieser traurigen Ereignisse vergessen zu haben. Ein Faß Bier nach dem anderen ließ der wohlthätige Vorsteher Heranrollen, alle aufzutreibenden Mundvorräthe ließ er herbeischaffen, bis endlich auch die letzten Nachzügler auf der gegen Tabor führenden Stratze verschwunden waren, und Jeder still nach Hause ging, um über die empfangenen Eindrücke nachzubenken und sich auf die zu erwartende Ankunft der Preußen vorzubereiten. Auf dem wieder öde daliegenden Platze blieb blos die Wache zurück, welche in der Kriegszeit verstärkt war, und sich aus dem unisormirten Veteranenverein rekrutirte. Sofort nach Räumung des Platzes begannen diese Männer eine unheimliche Thätigkeit zu entfalten. Sie umgingen den Marktplatz, zogen von Gasse zu Gasse, und überall, wo über einer Thür oder einem Laden ein kaiserlicher Adler prangte, bestiegen sie eine zu diesem Zwecke mitgenommene Leiter und nahmen ihn herab. Dies geschah bei allen k. k. Aemtern, Tabaktrafiken und anderen Orten. Stillschweigend verrichteten diese grauen ehemaligen Krieger ihre traurige Arbeit. Die Sicherheit der Stadt, über die sie zu wachen hatten, die Würde des Wappen selber gebot diese Vorsicht. — Gar vielen dieser von rauhen Kriegsjahren und einer vielleicht noch rauheren Civilexistenz abgehärteten Männern rannen die Thränen über die braunen, welken Wangen, als sie, die treuen Patrioten, die bestaubten Wappenschilder abnahmen und in das vorher ausgewählte Versteck hinübertrugen. Das Unglück des theuren Vaterlandes hatte ja gar viele Opfer gekostet.

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