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Der Israelit · 1900-11-29 · Heft 95 (29.11.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 95 (29.11.1900)
Date
1900-11-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1980 damit, daß er als Redakteur eines jüdisch-konfessio. nellen Blattes es nicht dulden konnte, daß man die Handlung eines Mannes als eine Infamie des ganzen Judenthums bezeichnet. Nach durchgeführtem Beweisverfahren wurde Szabolcsi wegen Ehrenbeleidigung zu 600 Kronen Geldstrafe verurtheilt. Das interessanteste an der Sache ist, daß Pfarrer Csori doch den fraglichen zionistischen Artikel geschrieben und sogar den korrigirten Bürstenabzug mit seiner Namensunterschrift versehen hat. Budapest, 23. Nov. Seit einigen Jahren werden in verschiedenen Gegenden Ungarns christliche Konsum- Vereine errichtet und die Geistlichen fanatisiren die Bevölkerung, beim jüdischen Krämer oder Kaufmann keinerlei Einkäufe zu besorgen. Nun hat sich auch schon im Herzen des Landes, in der Hauptstadt Ungarns, eine solche christliche Genossenschaft gebildet. Das Publikum wird durch Plakate aufgefordert, „nur bei Christen zu kaufen." Traurig ist es aber, daß diese antisemitischen Plakate fast durchweg von Staatsbeamten unterschrieben sind. Und doch haben wir noch eine „liberale" Regierung. Nur steht an deren Spitze nicht der menschenfreundliche Baron Desider Banffy. — Aus Homona wird mitgetheilt, daß der Minister des Innern gegen den Vorstand der dortigen Chewrah-Kadischah eine Untersuchung angeordnet und bis auf Weiteres den heiligen Verein suspendirt habe. Die Leitung des Vereins soll sich eines statutenwidrigen Gebahrens schuldig gemacht haben. Es wird wohl nicht so arg sein. Frankreich. Paris, 20. Nov. (Hetzjagden.) Der bekannte Millionär Lebaudy unterhält auf seinen Gütern bei Fontainebleau eine Hirschmeute, zu den Hetzjagden sind ein für alle Male die Offiziere der Reitschule von Fontainebleau insgesammt eingeladen. Bei der vorletzten Jagd erschien auch der bekannte Rittmeister Coblentz. Die ganze Jagdgesellschaft entfernte sich sofort von ihm und ließ ihn in absichtlicher Vereinsamung. Dennoch fand er sich wieder beim Ausbruch ein. Sofort ließ der Jagdherr zum Abbruch der Jagd blasen, und während die Meute eingesammelt und heimgeführt wurde, ritt Lebaudy's Schwager Luzarchedasey auf Coblentz zu und bedeutete ihm kurz, die Jagd unterbleibe wegen seiner Anwesenheit. Sprechsaal. Für und wider brachte der „Israelit" Artikel über die Heranziehung unserer Glaubensgenossen zur Landwirthsckaft. Es wäre zu wünschen, wenn über dieses Thema ein lebhafter Meinungsaustausch stattfinden würde, da nur so sich das Richtige finden läßt. Hier meine Ansicht und nehme ich event. Richtigstellung gerne an: In unserer Zeit findet der Großbetrieb fast nur allein seine Rechnung, alles andere ist ein dürftiges Hinschleppen von einem Tage zum anderen oder — untergehen, dieses wird auch für die Landwirthschaft gelten. Größere Kenner der Verhältnisse mögen deßhalb entscheiden, wo genossenschaftlicher Betrieb und wo Aktiengesellschaft, oder G. m. b. H. oder dergl. das Nichtige ist. Alles dieses nur zu dem Zwecke, um unsere Glaubensgenossen nicht allein auf neue Bahnen zu lenken, sondern um diejenigen, welche unseres heiligen Glaubens willen verdrängt, gedrängt, bedrückt werden, einen freudigen und freundlichen Zufluchtsort zu sichern unter Glaubensgenossen. Dieser Zweck würde jedoch wohl nur erreicht werden, wenn auf solchen Landwirtbschasten nur Glaubensgenossen zu finden sind, lo daß Religion und Arbeit Hand in Hand geht. Erstaunt war ich, im „Israelit" den Satz zu finden, daß des Schabbos-Jomtow wegen die Landwirthschast sich für uns nicht eigne; wie handelten denn unsere Voreltern, die doch größtentheils Landwirthschaft trieben, lind welch geringes Gottvertrauen! Ließe sich denn nicht bei Großbetrieb sehr leicht Industrie betreiben, z. B. Kartoffel zur Stärkefabrikation, Spiritusbrennereien. Zuckerrüben, Zuckerfabrikation u. s. w., und!vie vereinfachen läßt sich alles, wenn von einer (Zentralstelle Verkauf, Einkauf u. s. w. besorgt wird. Würden dergleichen Landcomplexe in den Ländern des In- und Auslandes, in welchen unsere Glaubensgenossen eine bestimmte Sicherheit haben, von reichen Glaubensgenossen oder Vereinigungen eingerichtet werden, vielem Elend wäre vorgebeugt! Und warum ist dieses einfachste Mittel nur so wenig, nur so ganz ungenügend da? Ich finde nur eine Erklärung: es fehlt der Geist der Zusammengehörigkeit, wir sind nickt mehr die „Kinder Israels", nicht diejenigen, die sich als eine Familie betrachten. Leidenschaften, Haß, Neid u. s. w. haben diese große Familie in viele kleine Tbeile gespalten, um so ein besseres Objekt für ihre Gegner abzugeben. Auch von dieser Seite betrachtet ist die Bewegung gegen unsere Glaubensgemeinschaft nur als eine Fügung Gottes aufzufassen, zu welcher wir nur „Gam so letauwo" sagen dürfen. Wo aber finden sich Männer im Inwie Auslande, welche zu dem Zwecke eine genossenschaftliche Vereinigung oder Aktiengesellschaft oder dergl. gründen, um größere Terrains anzukaufen und zu oben angegebenem Zwecke gleichzeitig das wiederzugewinnen suchen, was verloren gegangen ist, die „Einigkeit." „Benei Jsroel". Wer hilft mit? Düren, im Nov. Moritz Ada m. > Vermischtes. *4 Petersburg. (Jude n als Expediteure.) Das Zolldepartement'hat bekannt gemacht daß ausländische Juden, welche in den Zollämtern Erveditionsgeschäste betreiben, zu dieser Beschäftigung die Erlaubnis der Ministerien Finanzen. desJnnern und des Auswärtigen haben und Handels - scheine erster Gilde lösen müssen.

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