Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 95 (29.11.1900)
- Date
- 1900-11-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1979 hundert Mark und mehr in dem Ehrenbuch Eingetragenen wird am Sterbetage einer zu benennenden Persönlichkeit das Kaddischgebet verrichtet und Jahrzeitlicht angezündet werden. Für hervorragende Wohlthäter der Anstalt soll auch in der Synagoge am Sterbetage ein seierlicher Trauergottesdienst abgehalten werden. Auf diese Weise soll es den Zöglingen beiderlei Geschlechtes ständig vor Augen geführt werden, daß sie der Liebe und Opferwilligkeit wohlthätiger Menschen und Glaubensgenossen ihre Erziehung und ihren Unterricht zu verdanken haben. Cassel, 26. Nov. Seit einer Reihe von Jahren wirkt hier in aller Stille der „Schwesternbund." Im Jahre 1817 gegründet, hatte er den Zweck, lediglich hiesige mittellose junge Mädchen erwerbsfähig zu machen. Seitdem ist diese ursprüngliche Thätigkeit ivesentlich erweitert worden. Außer der Stadt wird auch der Regierungsbezirk Cassel, und so weit es die Mittel erlauben, der weitere Umkreis berücksichtigt. Im Oktober d. I. miethete der rührige Verein ein ganzes Haus. Durch die Unterstützung seiner Mitglieder und edler Menschenfreunde ist es ihm gelungen, das neue Heim einfach, aber freundlich und praktisch auszustatten und jetzt vierzig Mädchen Unterkunft zu geben. Hier werden sie gehütet und gepflegt, vor Versuchungen bewahrt und können im Schutze einer religiös sittlichen Häuslichkeit ihren Beschäftigungen nachgehen. Am vorletzten Sonntag fand zum Besten des „Mädchenheims" im Homusch-Saal eine Matinee statt. Hiesige Künstler und Künstlerinnen hatten in uneigennützigster Weise ihre Mitwirkung zugesagt. Eine zahlreiche Gesellschaft füllte den Saal bis auf den letzten Platz und dürfte infolgedessen dem Schwesternhaus ein ansehnlicher Betrag zufließen. München, 27. Nov. Am Samstag, den 10. d., hielt der Verein jüdischer Studenten seine Antrittskneipe ab, der neben einer Reihe älterer Herren, unter denen namentlich die Rabbiner der hiesigen Gemeinde hervorragten, ein großer Theil der jüdischen Studentenschaft Münchens beiwohnte. Eröffnet wurde der Kommers mit dem Kaisersalamander. Herreunck. med. R u e ck begrüßte hierauf die Gäste und gab der Freude lebhaften Ausdruck, daß sie so zahlreich erschienen seien. Nachdem dann mit wahrhafter Begeisterung das Farbenlied des Vereins gesungen war, hielt der Präses, Herr eand. jur. G. Boehm, eine Rede, in der in ebenso glänzender, wie deutlicher Weise die Tendenzen, die der Verein vertritt, und die Ziele, die er verfolgt, entwickelte: Weckung und Hebung des jüdischen Gefühls, Kräftigung der Judenheit im Innern, Förderung des jüdischen Selbstbewußtseins. Diese drei Tendenzpunkte des Vereins beleuchtete der Redner in herrlicher Weise. Begeistert durch seine Worte reichten an demselben Abend vier Herren, die als Gäste erschienen waren, das Aufnahmegesuch ein. Se. Ehrwürden, Herr Rabbiner Dr. Werner, lobte dann in einer längeren Rede die Tendenzen des Vereins und gab durch herzliche Worte „seinen jungen Freunden" seine Sympathieen für ihre idealen Bestrebungen kund. Nachdem nun noch mehrere Reden gehalten waren, unter denen die des Herrn Rabbiner Dr. Ehrentreu noch hervorgchoben werden muß, wurde gegen 11 Uhr der offizielle Theil geschlossen und die Fidulität eröffnet, die Gäste und Nereinsbrüder noch lange zusammenhielt. S. B. Oe ft er r. - Ungar. Monarchie. Wien, im Nov. Auf meiner Durchreise wollte ich das Museum zur Eonservirung jüdischer Alterthümer besuchen und freute mich sehr darauf. Nun aber hörte ich zu meinem Erstaunen aus dem Munde eines vertrauenswürdigen Mannes, daß die im Museum befindliche Sabbatstube vor den Augen des Besuchers durch einen Druck auf einen Knopf hellerleuchtet wird. Der einzige Besuchstag ist Sabbat und der die Honneurs machende Herr ein Jude. Welch' eine Verletzung des religiösen Gefühles ist diese ostentative Hinwegsetznng über das jedem Jehudi heilige Sabbatgesetz. Es wäre Pflicht des Herrn Oberrabbiners Dr. Güdemann, seine volle Autorität zur Abstellung dieses Nebelstandes einzusetzen. Budapest, im Nov. Die hier erscheinende „llng. Wochenschrift" veröffentlicht an der Spitze ihres Blattes als ständige Rubrik Nachstehendes: „Der „Schein hawajoh" wird von den Schülern beim Hebräischlesen in allen Schulen Budapest's (ausaenonlmen die orthodoxe isr. Elementarschule) unbedeckten Hauptes ausgesprochen. Wir bitten alle Heger und Pfleger unserer religiösen Einrichtungen, diesem Nebel abzuhelfen." Wir schließen uns dieser Bitte an und hoffen, daß die betreffenden Schulvorstände diesen „Chilul Haschern" beseitigen werden. "Budapest, 23. Nov. Der katholische Pfarrer Andreas Csori schrieb im Sommer vorigen Jahres einen zionistischen Artikel in der jüdischen konfessionellen „Ungarischen Wochenschrift," den er nachher in der antisemitischen Zeitung „Alkosmany" als gefälscht erklärte. Der Redakteur dieses Blattes, Franz B o - n i tz , kommentirte diese Erklärung mit folgenden Worten: „Schau, so ist das Judenthum. Wir bedauern nur, daß Csori erst jetzt, drei Monate nach der ihm von den Juden zugefügten Infamie, den Sachverhalt erzählt." Der jüdische Redakteur M. Szabolsci reagirte in feinem Blatte auf diese Apostrophirung der Juden und schrieb Folgendes: „Besäße der Redakteur des „Alkosmany" Anstnndigteitsgefllhl, dann müßte er sich ob dieser Vorurtheile in's eigene Gesicht spucken: wenn die „Ungarische Wochenschrift" mit Pfarrer Csori etwas zu thun hat, ist dies eine Infamie des Judentbums?" Diesen Passus bezeichnet Bonitz in einer Preßklage als Ehrenbeleidigung und verlangte die Bestrafung Szabolcsis. Der Geklagte vertheidigte sich