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Der Israelit · 1900-11-29 · Heft 95 (29.11.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 95 (29.11.1900)
Date
1900-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1978 Auf solche Weise herangebildete Mädchen werden später nicht nur tüchtige Köchinnen und Wirtschafterinnen, sondern auch tüchtige Hausfrauen für Handwerker, Gärtner und Ackerbauer. Dem Mangel in letzterer Hinsicht ist hauptsächlich der Mißerfolg eines großen Theils bisheriger jüdischer Ansiedelungen zuzuschreiben. Hier muß daher der Hebel für den späteren Erfolg angesetzt werden. Nur der Umstand, daß die dazu nöthigen Geldmittel nicht vorhanden waren, ließ bisher diesen in den Zeitverhältnissen nur zu begründeten Plan nicht zur Ausführung gelangen. Zu den veranschlagten Kosten im Betrage von l 20-140.000 Mk. sind indeß 40,000 Mk. bereits schenkungsweise zugestchert. Die Verwaltung hat daher in der Hoffnung, daß sich weitere Wohlthäter finden werden, die dieses für die Zukunft geplante Unternehmen von großer Tragweite durch größere Spenden unterstützen, den Muth gefaßt, an's Werk zu schreiten, und hat demgemäß beschlossen, daß der Vorstand ermächtigt werde, eine mit der Anstalt verbundene Mädchenabtheilung — von der ersten räumlich getrennt — zu errichten, und zwar in der Nähe an der anderen Seite der Straße. Es soll zu diesem Zwecke auf der nördlichen Parzelle des Anstaltgrundstückes ein Gelände errichtet werden, und es sollen die zur Ausführung fehlenden Geldmittel einstweilen durch ein Anlehen aufgebracht werden. Es muß zugestanden werden, daß Ahlem wohl die geeignetste Oertlichkeit für das Unternehmen bietet. Das Grundstück ist vorhanden, in der bestehenden Knabenschule können die Mädchen bis zum 14. Jahre, wie dies in den Volksschulen kleinerer Plätze der Fall ist, gemeinsam mit den Knaben unterrichtet werden, was nach neueren gründlichen Erfahrungen, sowohl für den beiderseitigen Lerneifer, als auch für die sittliche Erstehung beiderlei Geschlechter sich als nützlich erweist, wodurch aber auch gleichzeitig doppelte Lehrkräfte erspart werden. Es ist auch beabsichtigt, einen gemeinschaftlichen Betsaal, wie gemeinschaftliche Turnhalle, von den verschiedenen Geschlechtern abwechselnd zu benutzen. Der vorhandene Verwaltungsapparat tritt ohne Weiteres in den Dienst der neuen Anstalt, selbst das Damenkomitee hat sich bereits erboten, der Mädchenanstalt, die auf weibliche Hilfe und Leitung noch mehr angewiesen ist, als die Knabenanstalt, ihre Zeit und Thätigkeit zu widmen. Selbstverständlich bleiben die Geschlechter außerhalb der Unterrichtszeit von einander getrennt. Gerade wie die Knabenanstalt in Ahlem, in der Knaben von Kindheit auf für das Praktische nach verschiedenen Richtungen hin erzogen worden, bisher in ihrer Act die erlle und einzige jüdische Anstalt Europas Ul, und dadurch vorbildlich nicht allein für Deutschland, sondern auch für das übrige Europa geworden ist, aus der die späteren Instruktoren für ähnlich zu gründende Anstalten hervorgehen, so hoffen wir, wird auch die Mädchenanstalt auf ihrem Gebiete die Pionierdienste verrichten. Es ist auch beabsichtigt, bereits erwachsene Mädchen auszunehmen, um dieselben, ähnlich wie dies in der landwirthschastlichen Haushaltungsschule Celle in der Provinz Hannover geschieht, gründlich in allen häuslichen wie in solchen ländlichen Arbeiten auszubilden, wie dieselben dem weiblichen Geschlechte angemessen sind. Indem die Mädchen zugleich für die Anstalt die Wäsche, das Flicken und Stopfen, event. einen Theil der Hausarbeit übernehmen, würden die Schwierigkeiten. mit denen die Anstalt bei der Gewinnung geeigneter Dienstboten in Folge der Entfernung von dem Stadtgebiet zu kämpfen hat, nicht unwesentlich erleichtert werden. Wie bei den Knaben die Lehrer, so wird bei den Mädchen eine tüchtige Lehrerin es sich zur Aufgabe machen, dieselben bei ihren geistigen und praktisch körperlichen Arbeiten genau zu beobachten, um herauszufinden, welche Fähigkeiten besonders entwickelt sind, um hiernach die Kinder zu bestimmen, das betreffende Fach als Broderwerb zu erwählen. Sind beispielsweise besonders geistig begabte und im Schreiben und Rechnen gewandte Mädchen darunter, so sollen ste ermuthigt werden, sich als Buchhalterinnen, Stenographistinnen etc. auszubilden. So hoffen wir, das Werk der Erziehung zu krönen, indem wir jede besondere Begabung zu ihrer Entfaltung für den späteren Lebensberuf hinüber zu leiten bestrebt sein werden. Wir beabsichtigen hierdurch, hauptsächlich die weniger befähigten Mädchen vor den oben erwähnten, schlecht bezahlten, der Gesundheit und Moral gefährlichen Berufsarten, zu behüten, ebenso wie wir die minder begabten Knaben von dem Schacher zurückhalten wollen. Bedenken wir wohl, daß Vieles in der Vergangenheit verabsäumt ist und versäumt werden mußte, jetzt aber die veränderten Zeitverhältnisse einen mächtigen Weckruf erheben, damit das bisher Unterbliebene nunmehr nachgeholt wird. Mögen die weitgehenden Ziele, die wir in Aussicht genommen, durch die materielle Unterstützung unserer Glaubensgenossen die entsprechende Förderung finden zum Heile unserer Heranwachsenden Jugend. Um dem mehr oder minder mit Glücksgütern gesegneten Menschenkindern Gelegenheit zu geben, ihren Namen oder den Namen lieber Angehörigen in dauernde Erinnerung der Nachwelt zu halten, ist man gewillt, die einzelnen Gebäude der Neuanlagen auf Wunsch nach dem Namen einer Persönlichkeit zu benennen. welche von einem Schenkgeber namhaft gemacht ivird, der den größeren Theil der Baukosten bestreitet. Schenkungen von tausend Markt aufwärts sollen an der in der Synagoge anzubringenden Ehrentafel aufqesiihrt werden, wahrend Gaben von hundert Mark aufwärts in das in der Synagoge aufzubewahrende Ehrenbuch eingeschrieben werden. Für die mit drei-

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