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Der Israelit · 1900-11-29 · Heft 95 (29.11.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 95 (29.11.1900)
Date
1900-11-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1977 zu vergrößern. Allein es scheint nicht wünschenswertst, Versprechungen zu machen, Hoffnungen zu erregen, welche kaum erfüllbar sind. Wenn es aber, was zu erwarten sein darf, gelingt, daß sich die wohlhabenden Juden mit reichlichen einmaligen Beiträgen betheiligen, dann wird es möglich sein, viel rascher als bisher die allerwichtigste Sammlung, die der Einzelülätter, zu erweitern und nutzbar zu machen. Dann wird in absehbarer Zeit — und mag es selbst noch ein Jahrzehnt dauern — Klarheit über den Anlheil der Juden an der Kunst herrschen, es werden für verschiedene Ansprüche, die sich jetzt nicht beweisen lassen, die Beweismittel gesammelt sein und es wird eine empfindliche Lücke der bestehenden Vorbildersammlung.'n ausgefüllt sein. Von besonderem Werthe wird aber die wissenschaftliche, svstematische Bearbeitung dieses noch unbehobenen Schatzes werden, den Resten aus der Vergangenheit wird mit der gesteigerten Erkenntniß eine größere Sorgfalt zugetvendet und die Beurtheilung und Prüfung der künstlerischen Arbeit für die jüdischen Cultuszwecke wird eine sachlichere und strengere werden. Die Ansprüche der wohlhabenden Juden an die Ausgestaltung ihrer Cultusgeräthe werden steigen und damit auch die Aufgaben für Künstler und Kunsthandwerker; die Frauen werden kunstvolle Arbeit in edelster Stickerei für Synagoge und Haus ausführen, genau so, wie es die jüdischen Frauen in früheren Jahrhunderten gethan haben, wofür sich ebenso, wie für den Verfall der kunstvollen Nadelarbeit für jüdische Cultuszwecke, bereits die Beweise in der Sammlung der Einzelblätter finden, die die Gesellschaft besitzt. Durch die Qpferwilligkeit und stete Förderung seitens einer Reihe von Freunden und Gönnern hat die Idee, die altehrwürdigen Neste jüdischer Kunstfertigkeit in Bild und Original aufzusamineln, Wurzel gefaßt. Schon sind die Zweifel an eine reiche Ausbeute beseitigt und ist die Ueberzeugung gewonnen, daß sich noch viele gute und kunstvolle Arbeiten für den jüdischen Cultus erhalten haben. Wie ich Allen an dieser Stelle für die bisherige Unterstützung auf's wärmste danke, bitte ich zum Schluffe jeden Leser dieser Zeilen auf das Eindringlichste, in seiner Weise und mit allen Kräften mitzuwirken, um die „Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" in den Stand zu setzen, daß sie ihre große und würdige Aufgabe in würdigster Weise erfüllen kann." Diesem Wunsche schließen wir uns mit ganzem Herzen an. Zeitungsnachrichten und Eorrespon-errzett. Deutschland. Berlin, 26. Nov. (Ungetaufte Ehrt st en.) Als eine weitere Etappe der hiesigen Juden in's Ehristenthum mag folgende Schlußbemerkung des „Berliner Tageblattes" an einem Bericht über das christliche Todtenfest gellen. Dieselbe lautet: „Bemerkt sei noch, daß seit einigen Jahren auch die jüdische Bevölkerung sich dem Brauche, am Todtensonntag die Gräber der verstorbenen Angehörigen zu schmücken, anschließt. Daher war gestern auch auf den jüdischen Friedhöfen an der Schönhauser Allee und in Weißensee der Besuch sehr zahlreich." Ein würdiges Vorspiel für den bald eintreffenden „Chanukabaum nebst Bescheerung." Wie wäre es mit der Verlegung des Jom-kippur auf den Buß- und Bettag? Das würde vielleicht eher durchgehen, wie der sabbatliche Sonntagsgottesdienst. Hannover. (Israelit. Erziehungsa n st a l t zu Ahlem b. H a n n o v e r.) Am 11. November d. I. fand zu Hannover die diesjährige ordentliche Sitzung des Kuratoriums obiger Anstalt statt, in welcher nach Erledigung statutengemäßer geschäftlicher Angelegenheiten ein Antrag des Vorstandes zur Berathung vorlag und zur Beschlußfassung gedieh, der für die Folgezeit von hochwichtiger Bedeutung zu werden verspricht. Schon bei Errichtung obiger Anstalt bestand die Absicht außer Knaben auch den Mädchen unserer ärmeren Glaubensgenossen die entsprechende Erziehung für das praktische Leben in ähnlicher Weise angedeihen zu lassen. Jnzlvischen haben die Zeitverhaltnisse immer dringender die Anstrebung und möglichste Erreichung dieses Zweckes gefordert. Von allen Seiten hört man die Klage, daß so wenig jüdische Mädchen Lust haben, als Köchinnen oder Hausmädchen Stellungen anzunehmen, daß sie anscheinend minder körperliche Anstrengung erfordernde Berufe, der Gesundheit aber nachtheiligere, Schneiderin, Putzmacherin, Ladnerin vorziehen. Bekanntlich sind die Lohnverhältnisse hierbei sehr gering, und da zumal angemessene Kleidung verlangt wird, ist ohne entsprechenden Zuschuß in der Regel die Deckung der Bedürfnisse nicht zu erreichen. Es gerathen daher häufig die jungen Mädchen leider auf Abwege. Es hat bisher an der geeigneten Anstalt gemangelt, in welcher die jüdischen Mädchen neben dem Unterricht einer guten Volksschule schon im frühen Alter, gleichsam spielend, nicht nur an die Besorgung aller häuslichen Arbeiten, sondern auch an derartig ländliche, die für Frauen geeignet sind, wie Gemüsebau. Milchwirthschaft, Geflügelzucht u. s. w. gewöhnt werden, wodurch die Neigung für die Gesundheit mehr fördernde körperliche Arbeit angeregt wird.

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