Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1900)
- Date
- 1900-11-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWW^W 1968 mal solchen, die auf nervöser Basis beruhen, wie Geisteskrankheiten, Hysterie, Epilepsie. Zuckerharnruhr, und tritt auch in der Reconvalescenz von Scharlach, Typhus, Wechselfieber auf und zwar stets mit solcher Heftigkeit und ungewöhnlich schmerzhaften Empfindungen, dass er, wenn nicht befriedigt, zu unheilvollen Zufällen, ja zum Wahnsinn führen kann. Unter den Magenkrankheiten dürfte allenfalls in seltenen Fällen die Magenerwmterung ,‘ das Magengeschwür und die nervöse Dyspepsie, bei denen sich ein abnorm gesteigertes Hungergefühl einstellen kann, unter die-e Ausnahme fallen. Wenn aber, trotzdem dass das Easten au und für sich unschädlich ist, nach demselben, und auch bei ganz Gesunden Störungen der Verdauung auftreten, so ist wahrlich das schuldige Moment nicht in dem Fasten selbst zu suchen, sondern in der mit ihm verbundenen irrationellen Lebensweise. Vor dem Fasten sucht man, um die Nahrungsentziehung zu compensiren und gegen das etwa auftretende Hungergefühl gefeit zu sein, den Magen mit grossen Mengen schwerverdaulicher Speisen vollzupfropfen, und nach dem Fasten geht es in derselben Weise von Neuem los, um das Versäumte nachzuholen. Weit gefehlt! Kann man sich da wundern, dass Magenbeschwerden, Magenkatarrhejdie Folge sind! Ja, wir sind nicht einmal im Stande, durch eine allzugrosse Nahrungszufuhr das Auftreten des Hungergefühls bedeutend zu verzögern; denn unter allen Umständen ist nach einer ganz bestimmten Zeit, nach höchstens sechs Stunden, der Verdauungsprozess beendet u> d der Magen leer; mit dieser Leere aber stellt sich das Hungergefühl ein. Ja, dieses tritt dann um so intensiver auf, je mehr der Magen vorher überfüllt war, da seine Arbeitsleistung zur Bewältigung der grossen Nahrungsmengen eine angestrengtere gewesen und infolge dessen seine Muskeln und Nerven sich empfindlicher, erregter zeigen. Es ist darum doppelt geboten, dem Magen vor Beginn des Fasttages nicht zu viel Nahrung aufzubürden, ihn nicht zu überladen. Wenn schon Gesunde in dieser Beziehung Vorsicht üben müssen, um wie viel mehr ist es bei Magenkranken angezeigt, dass sie die Grenzen der üblichen Nahrungszufuhr anlässlich des Fastens nicht überschreiten. Stets setze sich ihre Nahrung aus den leichtverdaulichsten und nahrhaftesten Speisen zusammen, nach den bereits angegebenen Prinzipien. Dasselbe Verhalten muss natürlich auch nach dem Fasten beobachtet werden: Die Nahrungszufuhr muss sich in den Schranken der Mässigkeit bewegen. Der Magen erweist sich gerade nach einem Fasttage ziemlich empfindlich, reagirt gegen jeden Reiz desto stärker und wird von einem Diätfehler desto schwerer betroffen. Desshalb ist cs nöthig. ihm vorerst nur eine leichte verdauliche und beschränkte Nahrungsmenge zu bieten und ihn allmählich an seine alte Thätigkcit zu gewöhnen. Nachher allerdings zeigt sieb die Funktionskraft, reger und kräftiger als sie gewesen. Mail hüte sich jedenfalls, die Mahlzeit nach einem Fasttage mit schwerverdaulichen und reizenden Nalirungs und Genussmitteln. wie es so vielfach üblich ist, mit Alkohol, Kaffee, Kuchen und ähnlichem einzuleiten, man beginne vielmehr gleich mit der entsprechenden Hauptmahlzeit, die je nach der Art der Lebensweise und der Krankheit bald diesen, bald jenen Charakter annimmt. Es braucht wohl nicht besonders gesagt zu werden, dass es gerade anlässlich des Fastens nöthig ist, nach Beendigung und vor Beginn jeder Mahlzeit den Mund mit Wasser gut auszuspülen, um ihn von Speiseresten oder angesammelten Bakterien zu reinigen und den üblen Geschmack zu beseitigen. Da die Mahlzeiten nach einem Fasttage auf den Abend fallen, ist es nicht überflüssig zu erwähnen, dass mau es unterlasse, mit vollem Magen zu Bette zu geben. Damit, hängt innig die Frage zusammen, ob Magenkranke überhaupt nach ihren Mahlzeiten ruhen oder Bewegung machen sollen. In dieser Beziehung kann die talmudische Ansicht, dass es vortheilhaft ist, wenn nach der Mahlzeit eine Bewegung von mindestens ..vier Ellen“ stattfindet. als Richtschnur dienen, eine Ansicht, die sich ganz mit den Erfahrungen der modernen Hygiene deckt. Es ist nämlich für den Verdauungsakt und für die Regelung des Stuhlganges von günstigem Einflüsse, wenn die Ruhe, das „solenne Mittagsschläfchen“, einer geeigneten Bewegung weicht. Personen, die nach dem Essen schlafen, fühlen sich oft ermatteter und abgespannter als sie waren. Die Bewegung muss gemessen und langsam sein, dass Erschütterungen des Mageninhaltes vermieden werden; sie soll etwa 15 Minuten im Freien oder, falls dies nicht angängig, in der Stube stattfinden; nachher freilich bleibt es unbenommen, sieb der Ruhe, dem Schlafe für kurze Zeit hinzugeben. Es lässt sich aber nichts dagegen einwenden, ist sogar zweckdienlich, wenn Magenkranke, welche sich infolge ihres Geschäftsberufes ermattet und ermüdet fühlen, vor der Mahlzeit sich gehörig ausruhen, weil die Erfahrung lehrt, dass bei einer Ermattung der Nerven die richtige Lust zum Essen fehlt. Nur Kranken, deren Leiden auf nervöser Basis