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Der Israelit · 1900-11-26 · Heft 94 (26.11.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 94 (26.11.1900)
Date
1900-11-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1961 fortab alle die Scherereien durchzumachen haben, denen alle andere ausländische Juden in Rußland unterworfen sind. Sie werden, schon um auf der russischen Seite der Grenze wohnen zu dürfen, die Erlaubniß dreier Ministerien einholen müssen, nämlich die des Aeußern, des Innern und der Finanzen. Darauf haben he, um ihren Geschäften an den Zollämtern Nachsehen zu können, die Taxe für die Kaufmannschaft erster Gilde zu bezahlen. Die Maßregel ist geeignet, den Grenzverkehr sowie den Export nach Deutschland und Oesterreich nicht unwesentlich zu erschweren. T. Petersburg. (Jüdische Studenten der evangelischen Theologie.) Aus Dorpat ist, seit di? Universität der Verrussung anheimgesallen, schon manche seltsame Kunde gekommen. Jede bisherige aber wird an Wunderlichkeit durch folgendes Vorkommniß übertrofsen, das, wenn es nicht amtlich bestätigt würde, leinen Glauben fände. An allen russischen Universitäten dürfen, wie bekannt, die Studirenden jüdischer Religion einen bestimmten Prozentsatz der Studirenden innerhalb einer Facultät nichi überschreiten. Auch die Universität Dorpat unterliegt dieser einzwängenden Bestimmung. Da sich nun zu Anfang dieses Winterhalbjahres berausstellte, daß dieser Prozentsatz in allen Farultäten bereits erreicht war, so gestattete die Universitätsbehörde, daß ein paar jüdische Studirende für das Fach der — evangelischen Theologie immatrieulirt wurden. So geschehen zu Dorpat im Jahre 1900! Natürlich war die Absicht des fanatisch slavophilen und orthodoxen, Deutschthum wie Protestantismus hassenden Rertors weniger, den jüdischen Studirenden das Studium in Dorpat zn ermöglichen, als mit der theologischen Facultät Spott und Hohn zu treiben. Odessa. Die erfolgte Zulassung jüdischer Abiturienten zum Studium an der hiesigen Universität über die Norm von 10 pCt. hinaus ist, wie nachträglich bekannt wird, auf Veranlassung keines Geringeren, als des Stadtoberhauptes von Odessa, P. A. Selljonni, erfolgt. In seinem betreffenden Schreiben an den Minister für Volksaufklärung hob das Stadtoberhaupt u. A. hervor, daß die Stadt Odessa für den Bau einer medicinischen Klinik an der Universität eine halbe Million Rubel, außerdem den werthvollen Bauplatz im Wertbe von einer Million Rubel bewilligt hat. An dieser Bewilligung sind aber auch die Juden, welche den dritten Theil der Odessaer Steuerzahler bilden, im hohen Grade betheiligt. Diese vom Ministerium als richtig anerkannte Motivirung, mit welcher sich die Gleichberechtigung der Juden in Rußland überhaupt begründen ließe, ist umso bemerkenswerther, als Seljonni bekanntlich den Juden keineswegs wohlgesinnt ist. T. (Cherson. (Drohende Hungersnot h.) Noch ist die Noth in Bessarabien nicht völlig überwunden, noch gibt es da ausgedehnte Bezirke, die der Unterstützung noch nicht entbehren können, als im Gouvernement Cherson bereits eine neue Hungersnoth auszubrechen droht. Wie alle großen Ereignisse ihre Schatten Vorauswersen, so hat es auch für die kommende Hungersnoth im Gouvernement Cherson an manchen Anzeichen nicht gefehlt. Die vorjährige Ernte war da nichts weniger als günstig, die jüdischen Colonieen daselbst haben sogar nur l1/:! Korn geerntet und im vorigen Jahre ihre Steuern nicht bezahlen können. In diesem Jahre hatte das Gouvernement Cherson Regenmangel und in Folge dessen eine vollständige Mißernte gehabt. Die Regierung trifft ernstliche Vorbereitungen, die Bauern daselbst in ausgedehntem Maße zu unterstützen, wer aber soll die Juden des Gouvernements Cberson unterstützen, die, obwohl sse kein Getreide produeiren, von der Mißernte ebenso hart und ebenso unmittelbar, wie die Bauern, getroffen werden? In ollen an den Ufern des Dnjeper gelegenen Städten und Städtchen, an sämmtlichen Stationen der Eisenbahnlinien Cherson-Odessa-Nikolajew wohnen Zehntausende von jüdischen Familien, welche von dem Verkauf und dem Versandt von Getreide leben, was soll nun aus diesen Familien werden, wenn die ganze Provinz, anstatt Getreide zu verkaufen, solches kaufen muß?! Fehlt im Gouvernement Cherson dem Bauer das Geld, so fehlt es da der ganzen Welt! Nebst den Juden, die mit Getreide handeln, gibt es im Gouvernement Cherson eine nicht unerhebliche Anzahl Juden, welche in 22 Dörfern Getreide produeiren. Infolge des Mißwachses im vorigen Jahre sind diese jiidischen Bauern nicht allein der Regierung die Steuern schuldig geblieben, sie haben selbst die gesetzlich vorgeschriebenen Vorräthe nur zu 03/5 ergänzen können. Die vorjährige Mißernte hat ihre Widerstandskraft geschwächt, das Inventar erheblich verringert und die Vorräthe erschöpft. Selbst bei einer sehr günstigen Ernte würden 27,000 jüdischen Colonisten des Gouvernements Cherson sich von den Verlusten des vorigen Jahres schwer erholen können, wie sollen sie nun mit ihren redueirten Kräften ohne fremde Hilfe eine zweite noch schwerere Mißernte ertragen?! Es erscheint uns daher als ein dringendes Gebot kluger Voraussicht, die jüdische Wohlthätigkeit rechtzeitig auf die drohende Gefahr aufmerksam zu machen. Das Gebiet der „schwarzen Erde," das als unerschöpflich geltende Südrußland, in welchem hunderttausende von Juden so lange in verhältnißmäßigem Wohlstand gelebt haben, scheint sich neben Galizien und Rumänien zu einem dritten Wetterwinkel ausbilden zu wollen. Möge daher das Judentbum sich bei Zeiten vorbereiten, damit es nicht von einer Katastrophe überrascht werde. T. Amerika. Newliork, im Nov. (Eine jüdische Vorst ellung vor der Newyorker Behörde.) In hiesiger Stadt fand jüngst in einem großen Bureau

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