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Der Israelit · 1900-11-26 · Heft 94 (26.11.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 94 (26.11.1900)
Date
1900-11-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1962 pfn seltsames Schauspiel statt. Fünfzehn hebräische Schauspieler zeigten ihre Kunst vor einem amtlichen Publikum, das aus vier Vertretern der Einwanderungs-Kommission der Vereinigten Staaten bestand. Diese sollten darüber entscheiden, ob die Schauspieler in das Land hineingelassen werden durften oder nicht. Die Juden waren in Rußland angeworben, um in dem hiesigen „Jüdischen Theater" zu spielen, und die Schutzvereinigung hebräischer Schauspieler widersetzte sich ihrer Zulassung, weil diese eine Verletzung des „Eontract labour law" wäre. Der Theaterdirektor, der sie engagirt hatte, behauptete dagegen, daß sie Künstler wären und für sie als solche die besonderen Gesetzesbestimmungen über die Zulassung der Künstler in Betracht kämen. Nachdem die Kommission viele Spezialitäten in einer Sprache, die keiner von den vier Mitgliedern verstand, und außerdem einige ihrer Lieder mitangehört hatte, entschied sie. daß die Schauspieler Künstler wären, worauf der hebräische Impresario triumphirend mit ihnen nach einem im Osten gelegenen Hotel abzog. Netv-Uork. Die Wohnungsnoth im Ghetto von New-Aork hat im letzten Jahrzehnt einen solchen Umfang gewonnen, daß die amerikanischen Antisemiten daraus für die Erschwerung der jüdischen Einwanderung Kapital zu schlagen beginnen. In manchen Theilen des VI., X. und XI. Viertels wohnen auf der Fläche von einem Acre ca. 10 000 Juden; die betreffenden Häuser haben weder einen Garten noch auch nur einen Hof und werden nicht selten von 300 Menschen bewohnt, wobei 5—6 Menschen in einem einzigen engen, schmutzigen und dunklen Zimmer beisammen hausen, ohne daß Männer und Frauen, Kinder und Erwachsene, die da in einem Raume beisammen schlafen, immer in verwandtschaftlicher Beziehung zu einander stehen. In einem solchen engen, vollgepfropften Raume herrscht von Morgens früh bis Abends spät ein wirres Durcheinander wie in einem wimmelnden Ameisenhaufen. Nähmaschinen poltern. Nadeln blitzen auf und nieder. Bügeleisen gleiten hin und her und kleine und größere Filzstücke werden umhergeworfen. Spät Abends erst hört das bunte Treiben auf, die Mühseligen und Beladenen sinken, jeder, wo er stand oder saß, auf den Boden hin, um mitten unter Kisten, fertigen Kleidern, Stoffresten und Lumpen einen schweren Schlaf zu schlafen. Daß die jüdischen Emgranten in Newyork in so bitterer Armuth leben, haben sie vornehmlich ihrer Unkenntniß des Englischen zu verdanken, wodurch ihnen sämmtliche liberalen Professionen, sowie der gesammte Kaufmannsstand verschlossen bleibt. Selbst in den Fabriken werden Leute, die kein Englisch verstehen, nur sehr ungern ausgenommen. Nebenbei hindert den russischen Juden auch die Religion, welche es ihm nicht gestattet, am Sonnabend zu arbeiten, daran sich als Fabrikarbeiter zu bethätigen. Und so ohne Geld, ohne Handwerk, ohne Sprache und ohne Kenntniß der Sitten und Gebräuche des Landes, das ihm eine neue Heimath werben soll, was könnte da der arme jüdische Einwanderer Besseres beginnen, als das zu werden, wozu er weder Geld, noch spezielle technische Fertigkeit, noch selbst die Kenntnisse des Englischen braucht, ein unglücklicher „Sweater?" Als solcher kann er sich aber in Newyork kaum erlauben, sich ordentlich satt zu essen, geschweige denn sich eine geräumige Wohnung zu miethen. liewyork. (Feuer im Ghetto.) Am 19. Oktober brach Nachts um 1 Uhr in Housterstreet des Corner essex Feuer aus, welches die Insassen der Häuser 45 und 45Vim tiefsten Schlaf überraschte. Das Feuer wurde zuerst von den Mäusen entdeckt, von denen eine in Todesangst einer schlafenden jungen Frau über's Gesicht lief. Dadurch geweckt, sprang sie nebst ihrem aus dem Schlafe gerüttelten Ehemann aus den Fenstern. Die durch das so mit dem nackten Leben davongekommenen Ehepaar alarmirte Feuerwehr kam zu spät. Die beiden Holzhäuser bildeten bereits ein einziges Flammenmeer, in dem acht Personen rettungslos den Feuertod fanden. Die Katastrophe hat die gesammte Judenschaft der East-side in tiefste Trauer versetzt. Bezeichnend für die unhaltbaren Zustände, welche im religiösen Leben der Juden Newyorks herrschen, ist die Thatsache, daß bei der Bestattung der so plötzlich um's Leben gekommenen 8 Personen wohl eine ungeheure jüdische Volksmenge, aber kein Rabbiner beiwohnte. Newyork hat wohl zahlreiche zerspliterte jüdische Gemeinden, aber keine einzige die gesammte Newyorker Judenschaft umfassende Gemeinde. T. Briefkasten der Redaetion. R. L.: DaS Wort Assimilation hat durck die Zionisten einen häßlichen Beigeschmack erhalten: ganz mit Unrecht, Assimilation ist nicht zu verdammen, wenn man darunter die Erlangung gleicher Rechte und Pflichten mit den nichtjüdifchen Mitbürgern versteht, ohne daß hierzu die Preisgabe des jüdischen Gesetzes erforderlich ifl. Das letztere schützt uns bei strenger Beobachtung schon genügend vor einem Aufu. Untergehen in unsere Umgebung. Wenn man allerdings die Assimilation so wett treibt, daß man der nichtjüdischen Geselligkeit zuliebe alles treibt, was Gott verboten, dann sind auch wir gegen eine solche Assimilation, aber die modernen Sitteraten, die dem Worte eine andere Prägung alsNdie ursprüngliche gegeben, wollen von dem jüdischen Gesetze nicht« wissen. Wenn sie sich aUo gegen die „AssimilationSwuth" wenden, so bat daS die Tendenz, daß es ihnen lieber ist, wenn eine Gleichberechtigung zwischen uns und den Anderen nicht existirt. I. M. in K.: Wenden Sie sich an den dortigen Consul, der Ihnen, wenn nicht selbst, durch seinen Vorgesetzten, den deutschen Gesandten, Aufschluß geben kann. Briefkasten der Expedition. S. E.: Mk. 5.— empfangen. L. H. in P.: Ihre Geldsendung vom 6. u. 20 crt., Mk. 15 S Mk. 1«.—, für bew. Zwecke empfangen.

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