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Der Israelit · 1900-11-26 · Heft 94 (26.11.1900) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 94 (26.11.1900)
Date
1900-11-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1958 Stimme erklang. Als jedoch aus der Thüröffnung zwei tbeure, traurige, milde Augen auf mich schauten, empfand ich es, daß Alles beim alten geblieben.- daß er mein Onkel Jozsi ist und ich sein liebender Sohn bin. Ein Grund mehr, daß ich mit tiefer Ueberzeugung ausrufen könne: ein großer Dichter! Denn er ist eins mit seinem Leben. Was jedoch die Veranlassung meines vielen Nachdenkens und Geredes betrifft: der mächtige Folioband interessirt mich wenig. Ich habe ihn nicht auf diesem prächtigen Papier gelesen, sondern auf den Fetzen des Correkturbogens. Die siebzig und einige Bilder? Es sind glänzende Reproduktionen. Und ich bewundere diese neue Kunst: so zu malen, daß das Bild erst im Wege der Phototypie zu dem werde, wozu man es bestimmt hat. Mit einem Wort, daß die Copie das Original sei. Aber wenn ich Maler wäre, ist es sicher, daß ich es anders mit Pinselstrichen ausgedrückt hätte, was ich beim Lesen des Buches empfunden. Ebenso sicher ist, daß ich jetzt etwas Einfältiges sage; denn das ist ja die Schilderei der Zukunft! Kühn, neu, überraschend und — wie man sagt — auch wahr. Ein Glück nur, daß es mir erlaubt ist, einfältig zu reden: ich werde alt. Und weil mir kaum noch ein Antheil an der Zukunft beschieden ist, deßhalb sage ich: es gibt keine. Was kümmert mich das Leuchten der Sonne, wenn sie Niemanden mehr zu leuchten hat." Es würde den Rahmen dieses Versuches weit überschreiten, wenn ich nach der gedrängten Schilderung des Lebensganges mich nun in eine Würdigung des Schaffens unseres Dichters einlassen wollte. Ich will mich in dieser Hinsicht auf das Wort Bela Tot's beschränken: er ist eins mit seinem Leben! Und nachdem seine Poesie eins ist mit ihm selbst, so läßt sich hieraus leicht die matematische Formel deduziren, daß auch seine Poesie eins sei mit dem Leben. Ja, das ist die dämmernde Wehmut, die düstere Pracht, wie sie auf den Folien des Lebens waltet und die zu trostloser Verzweiflung führen mußte, wenn nicht das stolze Gestirn der Religion am Firmamente stände. Und so mildert sich denn das finstere Weh zu einer weichen, süß klagenden Resignation, aus welcher wieder sieghafte Jubellaute voll Zuversicht und Hoffnungssröhlichkeit Hervorbrechen. Und wie zaubergewaltig sind die Mittel, mit welchen die ganze Skala menschlicher Empfindungen gestimmt wird! Nun, Vergleiche anstellen ist keine sehr mühevolle Sache und bedingt auch keinen zu großen Aufwand an Witz. Jedoch im vorliegenden Falle werde ich zu einem Vergleiche fast gedrängt. Die souveräne Gewalt über das Instrument der Sprache und die lebendige Farbengluth der heraufbeschworenen Bilder, bei aller Einfachheit der angewendeten Mittel, gemahnt mich, trotz des sonstigen himmelweiten Abstandes, fast unwillkürlich an Heine. Das blüht, leuchtet und duftet, wie im lebendig gewordenen Fabelland und dazu klingt es bald so lieblich sanft, lvie das Läuten von Almglocken und bald unheilvoll drohend, wie aus der brandenden Tiefe des Weltmeeres herauf. Es krystaüisiren sich in dieser reichen dichterischen Individualität die Eigenthümlichkeiten des Juden und des Ungars zu einem Edelprisma von exotisch prächtigem Farbenreichlhum. Mit der Fackel magyarischer Glut leuchtet er in die wehmuthsdunkle Tiefe der jüdischen Volksseele hinein, daß sie einer dunklen Wolke gleicht, in welche ein Purpurreflex der scheidenden Sonne fällt._ Wochkn-Walenöev. Freitag, 30. November, 8. Kislew. Sabhat-Anfang in Mainz 4 Uhr 00 Min. Samstag, 1. Dezember, o. Kislew, nsp. Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 15 Min. — Berlin 4 Uhr 45 Min. — München 5 Uhr 10 Min. — Hannover 5 Uhr 02 Min. — Stuttgart 5 Uhr 16 Min. — Prag 4 Uhr 50 Min. — Strnßburg 5 Uhr 20 Min. — Posen 5 Uhr 38 Min. Der „JSraelit" erscheint wöchentlich zweimal. Mdnfaff» and Doaaer«t»g8, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 9 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Der Buchhandel verkehrt durch V. M. Klrrnatkrr, Leipzig, Notzplatz Jß. — Inserate 25 Pfennig dieviergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Direcle Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3869. Telephon 315. «ine Rücksendung der an die Redaktion eingesandten Manuscripte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückznbehalte« Stellen such ende erhalten ans Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugesandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnfertionSbetragS an außer Stelle Befindliche vis nach Erlangung einer solchen. Inhalt: (Hauptblatt): Leitender Artikel: Eine neue Stärke für die alle Jacobsstimme. — Zeitungsnachrichten und Correfvondenzen: Deutschland: Berlin Potsdam. München. Freudenthal. Oesterr.-Ung. Monarchie: Wien. Pisek. England^ vondon. Rumänien: Bukarest. Rußland: Odessa — Feuilleton: Ein jüdischer Klassiker Ungarns. (Schluß). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Deutsche und Polen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Jarvczow. Rußland: Petersburg. Odessa. Cherson. Amerika: Newyork. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden und kranken Magens. — Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen: Deutschland: Straßburg. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Krakau. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckeret-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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