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Der Israelit · 1900-11-26 · Heft 94 (26.11.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 94 (26.11.1900)
Date
1900-11-26
Page
– (sequence 6)
Language
German
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I960 dem Ausdruck des Bedauerns und Erstaunens darüber, daß am Ende des 19. Jahrhunderts der Geist der Verfolgung in manchen Ländern Europas in so scheußlicher Gestalt seine Auferstehung feiert. In Anbetracht dieser Antwort des Lord Salisbury hält es Mr. Cohen für nicht zweckmäßig, jetzt schon an das Foreign Office heranzutreten; vielmehr sei es rathsam, erst die Folgen der Intervention der englischen Regierung sowie die Bemühungen des Mr. Carps abzuwarten, an dessen guten Willen Mr. Cohen nicht zu zweifeln scheint. R u m ä n i e n. Bukarest, 20. Nov. (Die Unterstützung der moldauischen Juden.) Die Herren Braun, Repräsentant des jüdischen Unterstützungsvereins in London und N. Astruk, Repräsentant der israelitischen Allianz in Paris sind dieser Tage in Jassy eingeiroffen. Die beiden .Herren haben in Begleitung der Herren Goldenthal und Joanovitsch die Gemeinden von Stanca und Sculeni besucht, wo sie eine Anzahl armer jüdischer Familien Unterstützungen vertheilt haben. In diesen Tagen werden die Herren auch die jüdischen Vorstädte von Jaffy sowie die dortige jüdische Volksschule besuchen und dann ihre Rundreise in den Städten der Moldau beginnen, woselbst sie an ihre norhleidenden Religionsgenoffen den Betrag von einer Million Francs vertheilen werden, welche die jüdischen Comitees zu diesem Zwecke bestimmt haben. Rußland. Odessa. Im Kampfe wider den Antisemitismus ist es den hiesigen Juden gelungen, einen schönen Sieg zu erfechten. Der von Osmidow begründete „Reurustische Telegraph", welcher 36 Jahre hindurch gegen „Juden und Ausländer" unermüdlich gehetzt hat. mußte vor wenigen Tagen das Zeitliche segnen. Als die einzige große politische Zeitung Südrußlands durfte das Hetzblatt sich eine Zeit lang 8000 zahlender Abonnenten rühmen, auf die Dauer aber tonnte ein Blatt mit einem so negativen Programm sich nicht halten, am wenigsten in einer Stadt wie Odessa, deren jüdische Bevölkerung zu den politisch geschulten Juden Rußlands zählt. Durch stilles, aber hartnäckiges Boycottiren sowie durch Gründung liberaler Concurrenzblätter, welche an Reichhaltigkeit und Billigkeit das Antisemitenblatt weit übertrafen, ist es den Juden Odessa's gelungen, das Schandblatt, welches schon bei gar manchem Judenkrawall die Hände im Spiel hatte, endlich tobt zu machen. Am 29. Oktober verschickte der „Neurussische Telegraph" an seine wenigen treugebliebenen Abonnenten seine eigene Todesanzeige, in der er meldete, daß er „einstweilen" sein Erscheinen einstelle. Kurz darauf wurde vom Gerichtsvollzieher die öffentliche Versteigerung der Druckerei sowie des gesammten Inventars des Antisemitenblattes ausgeschrieben. Ke« illeton. tzi» jüdischer Ktalsiker Ungarns. fci,i liitcrarifrtscr M» von S. B. m o f it c r. 0] (Nachdruck verboten! (Schluß.) Bei aller Lebendigkeit und Unmittelbarkeit des Zugehörigkeitsbewußtseins zur großen modernen Allmenschheit, in welchem und für welche ein großer Dichter webt und lebt, glaube ich doch, daß die Individualist des Gründers der christlichen Religion nicht geeignet ist. fi>r uns eine Quelle dichterischer Induktion zu bilden — weder so, wie sie der klare Spiegel der Historie zeigt, noch so, wie sie sich im farbigen Nebeldunst der Legende präsentirt. — Das ist es, was ich kurz bemerken wollte, ohne mich in nähere Erörterungen einlassen zu können. Joses Cisch, der seit ca. sechs Jahren ein vornehm gehaltenes schöngeistiges Wochenblatt „Die Woche" herausgibt, steht im Zenithe seines Ruhmes. Dies ist so eigentlich zu Tage getreten, als vor kurzem seine gesaminelten Werke in einem Folioprachtbande erschienen sind. Er wurde aus diesem, im Grunde genommen recht einfachen Anlasse von der gesammten Presse wie ein Jubilant gefeiert. Aus der großen Masse von Artikeln will ich einen herausgreifen, welcher sowohl vermöge seines Schreibers, als auch vermöge der Stelle, an welcher er erschienen ist, besondere Beachtung verdient. Bela Toth, der geistvollste und nationalste ungarische Feuilletonist der Gegenwart, bespricht im „Pesti Hirlap" die Bedeutung Cisch's. Der edle Sprosse eines edlen Vaters, dessen kurzes Erdenwallen unvergänglicher Dichterruhm kennzeichnet, ist er zugleich einer der wenigen wirtlich liberalen Männer, deren Liberalismus nicht bloß der Ausfluß eines schwächlichen feigen Schamgefühls ist. Er ist allgemein als großer und aufrichtiger „Judenfreund" bekannt und nennt sich wohl scherzweise, wie auch in gegenwärtigem Feuilleton, selbst einen „Juden." Rach mannigfachen, von köstlichem Witz und Geist sprühenden Abschweifungen aus die verschiedensten Temata, fährt er, zum eigentlichen Gegenstand seiner Betrachtungen übergehend, also fort: „Diese meine Schrift handelt von einem Dichter, den ich für groß halte. Dieses zu bekennen, dazu, glaube ich, gehört Muth in der jetzigen Welt, wo eigentlich ein Jeder groß ist. Aber in einem Punkte muß ich etwas bekennen, eine sehr kuriose Geschichte; denn ich befinde mich gerade heute in einer ungewohnt wahrheitsseligen Stimmung. Sie werden sicherlich glauben, daß ich der Form des jetzt Folgenden zuliebe eine Lüge

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