Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1900)
- Date
- 1900-11-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1955 gehaltenen Trauerrede wurden die Tugenden des Heimgegangenen dem zahlreichen Publikum in begeisterten Worten vor Augen geführt, seine Friedensliebe, Gastfreundschaft, fein stets hilfsbereites und wohlthätiges Wirken verdientermaßen als leuchtende Beispiele hingestellt. — Mit dem edlen Manne wetteiferte in frommen Werken seine Gattin; mögen sie und die Kinder Trost und Stärkung schöpfen aus der Erkenntnis;, daß Gott der Annehmer der Wittmen und der Sachwalter der Waisen ist. r':zua p“' Z'Z'r: ix xn w. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 11. Nov. Am letzten Sabbat widmete Se. Ehrwürden Herr S. F ü r st , Rabbiner der Adaß- Jisroel-Gemeinde (Schiffschul) eine einstiindige, überaus wirkungsvolle Deraschah dem Thema der jüdischen Kindererziehung, wie sie ist und wie sie sein sollte. Anknüpfend an die klar zu Tage tretenden Charaktermerkmale von Hagar und Sarah in der Erziehung ihrer Söhne unterzog Redner die modernen Zustände in der religiösen Kindererziehung einer ebenso treffenden, als scharfen Kritik. Nachdem er mit der Fackel der Wahrheit hineingeleuchtet in die geheimsten Winkel des morschen, innerlich unwahren Erziehungssystems nach hagarischem Muster, nach welchem in falscher Beschönigungssucht in allen durch die unjüdischen Einsliisse erstandenen schweren religiösen und moralischen Schädigungen der Jugend — prira saßt nach der Auffassung unserer Weisen in sich: rv und s'8"? rrctr — das Jeled nur gesehen wird mit der stereotypen Redeform: „Es ist ja nur ein Kind" — während doch andrerseits in dem Zuruf rx *xt» und ":>:n sop rx vztyr Gott und das Judenthum die bereits ernste Schädigung der „heranreifenden und gereisten neuen Generation" aus eben diesen Berhältnisien heraushört, bis der trostreiche Hinweis aus den C'c ixerfolgt — erläuterte er an der Hand der Schilderung des Erziehungswerkes unserer Stammmutter Sara das Ideal echtjüdischer Kindererziehung. Diesem Ziele, der steten Annäherung an dieses Ideal, der Vereinigung jüdischen Lebens und jüdischer Lehre, soll die kürzlich „neugegründete Religionsschule der Adaß-Jisroel" dienen. Sie sei eine „neue Pflanzung" innerhalb der großen Stiftungen und Anlagen dieser Gemeinde, welche aus einer Schaar ebenso überzeugungstreuer als opferfreudiger Mitglieder sich zusammensetzt, ein neuer Schößling an dem an den Wasserbächen von min und .-rx-n grünenden und blühenden Baume der Cultuseinrichtungen der Adaß-Jisroel, der wohl sicherlich seine Früchte zeitigen wird zum Segen für die Zukunft. Mit einem warmen Appell an die jüdischen Väter und Mütter, von der hier gebotenen Gelegenheit, ihre Kinder in jüdischer Weise heranzubilden und erziehen zu lassen, in vollstem Maße ausgiebigsten Gebrauch zu machen und mit herzlichen Dankesworten an den überaus rührigen Vorstand, dessen Opfersinn für Jisroels Lehre und Ehre das Zustandekommen der neuen Anstalt zu danken ist, schloß die meisterhafte Rede, die allenthalben eine Begeisterung für die heilige Sache entfachte, welche allein schon zu den schönsten Hoffnungen für die neue Religionsschule berechtigt. Pisek, 20. Nov. Der telegraphische Dienst während des Hilsner-Prozesses hatte hier eine sehr große Zahl von Zeitungs-Berichterstattern versammelt, für deren Thätigkeit der normale Telegraphenverkehr natürlich nicht ausgereicht hätte. Mit dankenswerther Schnelligkeit gab die Prager Ober-Postdirektion die Weisung, dem zu erwartenden exceptionellen Verkehr auf jede Weise gerecht zu werden, und Ober-Postverwalter F. Nowak von hier traf sofort die n'öthigen Vorkehrungen, indem er insbesondere eine directe Verbindung zwischen Wien und Pisek schaffen ließ, welche es bei der Geloandtheit der ihm zur Verfügung gestellten Beamten ermöglichte, den täglich nach vielen tausenden Worten zählenden telegraphischen Verkehr nach Wien in der kürzesten Frist zu bewältigen. Während der drei Wochen wurden beim hiesigen Telegraphenamt 221,903 Worte, für die 13,553 K. 38 H. Gebühren bezahlt wurden, aufgegeben. England. London. Angesichts des von der Anglo Jewish- Afsoriution in einer Sitzung gefaßten Beschlusses, wegen der Judenverfolgung in Rumänien beim Foreign Office vorstellig zu werden, veröffentlicht das Mitglied des Unterhauses, M. Benjamin L. Cohen, einen Briefwechsel, den er in dieser Angelegenheit mit Lord Salisbury gehabt hat. Unter Bezugnahme auf die bekannte Erwiederung des M. Brodrick im Unterhause klärte Mr. Cohen den Lord Salisbury über die Ursachen und den Umfang der Auswanderung der rumänischen Juden auf, welche bedrohliche Dimensionen annehmen zu wollen scheint, und bittet ihn, sein 1880 einer jüdischen Deputation gegebenes Versprechen zu erfüllen und alles, was in seiner Macht steht, zu thun. die Lage der rumänischen Juden günstiger zu gestalten. Die Antwort des Lord Salisbury wurde als privatim bezeichnet und liegt im Wortlaute nicht vor. Lord Salisbury erinnert in derselben, daß, da er vor 20 Jahren zum ersten Male das Amt eines Ministers des Aeußern bekleidet hat, das englische auswärtige Amt bei der rumänischen Regierung dahin vorstellig wurde, die Behandlung der Juden im Einklang mit dem Berliner Vertrag zu bringen, und es schmerze ihn tief, aus dem Schreiben des Adressaten zu ersehen, welche geringe Früchte seine damaligen Bemühungen gebracht haben. Man möge daraus ersehen, was für Nutzen das gebrechliche Werkzeug der „Vorstellungen" zu bringen vermag. Er werde ssch jedoch mit Mr. Kennedy deßwegen in Verbindung setzen und alles thun, was sich eben thun läßt. Der Brief schließt mit