Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 94 (26.11.1900)
- Date
- 1900-11-26
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1954 die jüdische Raffe, sondern die Religionsgesellschaft als solche getroffen werden sollte. Potsdam. Der Neubau der hiesigen Synagoge ist vollständig in's Stocken gerathen, trotzdem bereits das bei der alten Synagoge belegene Vorderhaus längere Zeit geräumt ist und der Abbruch vorbereitet war. Sowohl die Baupolizei wie unsere städtischen Behörden haben zu dem von dem Baumeister Kerwien entworfenen Bauprojekt, das eine hübsche Facade mit laternenförmigem Thurm vorsah, längst ihre Zustimmung ertheilt, aber im Ministerium der öffentlichen Arbeiten lehnte man es zur Zeit ab, dem Kaiser das Projekt zur Genehmigung zu unterbreiten, weil man durch den projektirten Bau eine Beeinträchtigung der Faeade des neuen Postgebäudes befürchtet. Es ist den Betheiligten zu verstehen gegeben, daß man am liebsten einen gänzlich schmucklosen, einfachen Vorderbau sehen würde, während nach hinten der Tempelbau in größeren Dimensionen errichtet werden könnte. Durch den Entwurf einer neuen Zeichnung welche den projektirten Neubau in Verbindung mit dem Postgebäude darstellt, hofft man nunmehr dem Ministerium die Ueberzeugung beizubringen, daß eine Beeinträchtigung der Postfacade nicht vorliegt. München, 20. Nov. (Jüdische Krankenschwestern.) Sowohl in diesen Blättern, als auch in anderen jüdischen Zeitungen war schon wiederholt zum Ausdruck gebracht worden, wie in jüdischen Kreisen Wohthätigkeit und Nächstenliebe fast in allen Zweigen und auf allen Gebieten geradezu glänzend sich bethätigen und auf der Höhe ihrer Aufgabe ständen, nur ein Gebiet sei bis jetzt noch nicht entsprechend gewürdigt worden, das ist die Ausübung der jüdischen Krankenpflege durch zweckdienlich herangebildete und sachgemäß geschulte jüdische Schwestern. Vor zwei Jahren folgte nun die hiesige B'ne Brith-Loge einer in ihrer Mitte gegebenen Anregung, indem sie sich durch rastlose Energie und durch eifriges Werben angelegen sein ließ, die gediegene und umfaffende Heranbildung einer Anzahl jüdischer Krankenpflegerinnen in's Werk zu setzen. In ihrem oft erprobten edlen Wetteifer betheiligten sich auch die hiesigen humanitären Vereine an der Förderung dieses schönen und idealen Zieles. Die in so vieler Hinsicht um das jüdische Gesammtwohl schon hochverdienten Leiter dieser Vereine waren liebevoll bemüht, einerseits durch Aufbringung und Bereitstellung von bedeutenden Mitteln an der Festigung und Verbreiterung des Fundamentes für das geplante hochherzige Werk zu arbeiten, anderseits auch dasselbe durch lebhafte Propaganda in Wort und Schrift zu fördern. Die eigentlichen Väter der Idee (Angehörige der B'ne Brith-Loge) fanden somit für die von ihnen erstrebte, für den Dienst der Nächstenliebe bestimmte Schöpfung wirksame und verständnißvolle Unterstützung. An die Mitglieder der hiesigen Gemeinde erging ein warmes Rundschreiben, das, wie bei dem sonst so rühmlichst bethätigten Wohlthätigkeitsfinn der hiesigen Gemeindemitglieder nicht anders zu erwarten war, keineswegs wirkungslos verhallte. Im Laufe des vorigen Monats konnten die vier Krankenschwestern und eine Oberin ihr neues Heim in dem der hiesigen Cultusgemeinde gehörigen Anwesen der Lippschütz'schen Versorgungsanstalt beziehen. Am 5. d. Mts. fand in den Räumen der B'ne Berith-Loge ihre feierliche Jnstallirung statt, zu welcher Feier auch die Vorstände der verschiedenen Woblihätigkeitsvereine geladen waren. Der Präsident der Loge, Herr Dr. Eug. Merzb a ch e r , schilderte in eindrucksvollen Worten, wie die Idee, welche jetzt zu erfreulicher Reife gediehen, entstanden, gefördert und der Vollendung zugeführt worden sei und hob die Verdienste aller Derer, die sich um das Zustandekommen so verdient gemacht, gebührend hervor. Herr Rabbiner Dr. Werner fascinirte wie immer die Zuhörer durch eine begeisternde Rede, in welcher er mit zündenden Worten die erhabene Miffion und den heiligen Beruf der Krankenschwestern an der Hand sinnreicher Midraschim und geistvoller Auslegungen glänzend beleuchtete. Ein kleines Festmahl schloß die würdige Feier. Möge dem neugeschaffenen hiesigen Institut der jüdischen Krankenschwestern bestimmt sein, zu Nutz und Frommnn, zum Segen der Gesammtheit zu wirken, Thränen zu trocknen und Elend zu lindern, und mögen alle verdienstvollen Freunde und Förderer dieses schönen, edlen Werkes die Saat, die sie ausgestreut und gehegt, zu reicher Blüthe gelangen sehen! ^reudenthal (Württemb.), 26. Cheschwan. Ein auch in weiteren Kreisen rühmlichst bekannter Mann wurde heute zu Grabe getragen. Hirsch L o e w e, der das hohe Alter von nahezu 80 Jahren erreichte, ist nach kurzem Krankenlager von uns geschieden und hat, wie Herr Lehrer F r i e d m a n n in trefflicher Schilderung seiner Verdienste mit Recht beklagte, eine merkbare Lücke in unserer Gemeinde hinterlassen. Geben nicht schon das bis zu seinem Tode innegehabte Amt eines Gemeinderathes, wie auch die langjährige Thätigkeit als .Kirchenvorsteher, beredtes Zeugniß für das Vertrauen, das der Verblichene allseitig genoß, so war sein Denken und Fühlen, seine Hingebung im Dienste unserer heiligen Religion der Ausfluß lauterer, wahrhaft gottessürchtiger Gesinnung. In uneigennütziger Weise hatte der Verstorbene als Mohel fungirt und als bvz rrcn stets durch seinen innigen Vortrag die Hörer erquickt. Körperliche Beschwerden, mit denen der Heimgegangene in letzter Zeit mehr wie sonst zu kämpfen hatte, bildeten für denselben kein Hinderniß, wenn er beim Gottesdienste Mitwirken konnte und so hat er sich an Sabbat Noach noch dazu aufgerafft, vertretungsweise zu „lainen." In der auf Wunsch des Dahingeschiedenen von dessen Neffen, Herrn Rabbiner Dr. I. L e v i - Alzey,