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Der Israelit · 1900-11-22 · Heft 93 (22.11.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 93 (22.11.1900)
Date
1900-11-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1937 Erholung gegönnt wird? So lange nämlich Speisen im Magen vorhanden sind, sondern die Schleimhäute ihre Verdauungssäfte ab und die Muskelkräfte des Magens sind in unausgesetzter Thätigkeit. Da aber der Verdauungsakt stets mehrere Stunden in Anspruch nimmt und andererseits die Nahrungszuführ im Laufe des Tages mehrere Mal geschieht, befindet sich der Magen eigentlich nie im Zustande der Kühe, ist immer in Action, auch zur Nachtzeit, wo er die letzte Mahlzeit verdauen muss. Wie aber ein jedes Organ, das mit den Muskeln eine Arbeit leistet, wie ja selbst der Nerv und das Gehirn, soll es nicht erlahmen und ermüden, der Kulie benötliigr, so muss auch dem Magen und zumal einem geschwächten Magen von Zeit’zu Zeit Erholung von seinen seeretorischen und mechanischen Leistungen gewährt werden — und dieses Ziel wird eben durch das Fasten erreicht. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, im Nov. In seinem Buche „Ein halbes Jahrhundert im Dienste von Kirche und Schule" erzählt Dr. Schneider folgendes intereffante Vorlommiiife, das man als Vorgeschichte der Maßnahmen gegen die jüdischen Lehrerinnen an den Berliner Gemeindeschulen betrachten kann. Geheimrath Schneider erzählt: „Puttkamer's Stellung war nicht leicht; denn es war ihm zweifellos von Allerhöchster Stelle der Auftrag geworden, gewisse Dinge aus der Welt zu schassen und die Konservativen im Lande zu beruhigen. Zu diesen Sachen gehörten auch die Vorstellungen des Grafen von Hagen, gegen welche sich die Rede des Mi nisters Falk vom 18. Februar 1879 gerichtet hatte. Die dem König vorgetragenen Beschwerden bezogen fick hauptsächlich auf die Zustände in den Berliner Gemeindeschulen und auf die Beschäftigung von jüdischen Lehrern und Lehrerinnen an denselben. Es war vorgekommen. daß eine jüdische Lehrerin christlichen Religionsunterricht ertheilt hatte. Ich setzte mich sofort mit dem Stadtschulrath Dr. Bertram selbst in Verbindung und veranlaßte die gründlichste Untersuchung. Es stellte sich heraus, daß der zuständige Rektor ute Papiere einer ihm für eine vorübergehende Beschäftigung überwiesenen jüdischen Lehrerin nur flüchtig geprüft, und ihr in der Annahme, daß sie evangelische Ehristin sei, den vollen Unterricht ihrer Klasse über tragen hatte. Sie hatte im blinden Gehorsam auch den biblischen Geschichtsunterricht ertheilt, und zwar so i gut, daß sie sogar der aufsichtsführende evangelische Geistliche gelobt hatte; er wußte natürlich nicht, daß! sie Jüdin war. Die Schuldeputation hatte sofort Remedur angeordnet und den Rektor, der die Sache durch Fahrlässigkeit verschuldet, bestraft. Als ich dem Minister die Sache vortrug und um seine Befehle bezüglich des zu erstattenden Jmmediatberichtes bat, sagte er: „Wir wollen garnicht berichten, die Schuldeputation hat ihre Schuldigkeit gethan und der Unfug ist abgestellt. Ich werde das Majestät mündlich vortragen." Jnowrazlaw. Eine hiesige wohlhabende israelitische Frau, deren Namen im Geheimen gehalten werden soll, hat der hiesigen Chewra-Kadischa als Geschenk zum Zwecke der Anfertigung einer Sefer-Thora 600 Mark gespendet. Mit der Anfertigung dieses religiösen Geschenkes ist der Sofer Migdol aus Altawa (Russ.-Polen) beauftragt worden. — Als kürzlich, Anfangs dieses Monats, Herr Kaufmann Rudolph Librowicz, Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums, in einer Strafsache vor der Strafkammer des Königlichen Amtsgerichts Hierselbst als Zeuge eidlich vernommen worden, stellte Herr Librowicz an den Vorsitzenden des Gerichtshofes, Herrn Amtsgerichtsrath Lendel, den Antrag, daß derselbe bei der Leistung des Zeugeneides mit bedecktem Haupte den Eid leisten dürfe. L. gehört zu den streng-orthodoren Gemeindemitgliedern und fungirt hier als Bal-Kore eine Reihe von Jahren in verschiedenen hiesigen Vereinen. Der Antrag wurde demselben vom Vorsitzenden des Gerichtshofes genehmigt. 2 e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Prestburg, im Nov. (Jacob Fleißig v Wir haben ihn zu Grabe getragen, der so Vieles überlebt hat. Er war eine der interestantesten Gestalten des Wiener Judenthums und es gab kaum einen jüdischen Gelehrten, der in Wien war, ohne ihn aufgesucht zu haben. Und wer ihn gekannt hat, der stand vor seiner Größe zur Bewunderung hingerissen. Nach Wien mußte man kommen, ihn aufsuchen, sich bei ihm einführen, dann kannte man ihn. Denn er hat zeitlebens nichts veröfentlicht. Aus dem reichen Schatz seines Könnens ist durch den Druck nichts auf die Mitwelt gekommen und schwerlich dürfte die Nachwelt aus seinem iitterarischen Nachlaß je von seiner Größe Kunde erhalten. Darum dürfte es um fo mehr Interesse haben, dem theuren Dahingeschiedenen in einigen Sätzen den Jmmortellenkranz zu flechten. Er hat vor seinen Mitstrebenden außerordentliche Eigenschaften voraus gehabt. Jakob Fleißig, der 80 Jahre Vorsitzender des Wiener Beth-din war, gehörte zu den hervorragendsten Dalmudisten des Jahrhunderts. Ein Schüler des rr.:r~ und rtre 's legte er in ferner Jugend den Grund zu umfassenden talmudischen Kenntnissen. Wer die Zerklüftung des Judenthums aufrichtig be

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