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Der Israelit · 1900-11-22 · Heft 93 (22.11.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 93 (22.11.1900)
Date
1900-11-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1938 dauert und den Begriff der talmudischen Gelehrsamkeit in dem Umfange nimmt, wie er zu Beginn des Jahrhunderts und später verstanden wurde, dem genügt es zu sagen, er war ein Talmudist im klassischen Sinne des Wortes. Wie erbärmlich erschien es mir oft, wenn Fleißig mit einem sogenannten „modernen Talmudisten" sprach. Wie lächelte jener, wenn ihm ein junger Herr Kollege von der Facultät in Folge seiner mangelhaften Quellenkenntniß Kombinationen mitgetheilt, dann wußte er immer den jungen Herrn auf eine primäre Quelle zu verweisen, die dieser schnell in sein Notizbuch schrieb. Jakob Fleißig stand in großem Ansehen bei allen Kennern des Talmuds und erfreute sich der besten Verehrung solcher Kreise, die aus verschiedenen parteilichen Umständen gegen ihn waren. Sein ganzes Leben und Auftreten gemahnten an eine klastische Zeit jüdischen Culturlebens. Und er war so sehr Talmudjude, daß ihm oft das Verständniß für die Zeit geschwunden war. Man mißhöre mich nicht. In diesem Vorwurf gegen sein talmudisches Denken liegt nicht der einer Intoleranz. Denn er war eher zu tolerant für gewisse Bestrebungen, die sich scheinbar im Rahmen des talmudischen Geistes verwirklichen lasten. So kam es, daß er zuletzt einen Wirkungskreis inne hatte, der seinen ursprünglichen Anlagen und Anschauungen nur zum Theil entsprach. — Und hiermit wären wir auf den tragischen Punkt dieses durchaus talmudisch-jüdischen Lebens gelangt. Es war schon lange her. Die Zeiten kennen wir nur aus den Annalen der Väter und werden sie bald kaum mehr begreifen. Denn Alles vergeht. Die sogenannten Reformbestrebungen haben die Gemüther des ungarischen Judenthums verwirrt. Die gesetzestreuen Führer der Gemeinden sahen die drohenden Gefahren der Verwüstung; sie sprachen die Scheidung > zwischen den Anhängern der Gesetzestreue und denen der Astimilation aus. Fleißig empfand nicht die Kraft, mit ihnen zu gehen. Als Rabbiner einer angesehenen Gemeinde stritt er für die Jntegritäl des Judenthums nach Außen. Aber die aufgeregten Wogen des Volkswillens ließen sich nicht von theoretischen Erwägungen beilegen. Der Sturm ging los. Und Fleißig verließ Ungarn. Die Neologie jubelte und wollte ihm als Dotation das Reetorat des Budavester Seminars geben; doch der talmudische Denker schlug die Wahl aus. Nach dreißig Jahren, gewiß ohne Leidenschaft, sagte er mir, er konnte die Berufung für eine solche Anstalt unmöglich annehmen. Sein talmudischer Charakter sträubte sich dagegen, „solchen Schülern" die Ordination zu ertheilen. So lebte er denn lernend bis zu seinem Ende; die Verkörperung der talmudischen Wissenschaft. In den verschiedensten Gebieten von rp konnte man mit ihm sprechen, es bedurfte keines Nachschlagens, um dem Besucher die entj legendsten Punkte in's Bewußtsein zu rufen. In seinem ' Lernen lag der große Zug, der den Kenner charakteristrt und der ebenso allem unwissenden Combiniren tiefes, positives Wissen entgegen hielt, wie er die kleinliche Faselei der sogenannten „wissenschaftlichen" Talmudisten abwies. Ein unbeugsamer, fester Charakter und starker Wille bezeichneten ihn. Das glänzende ungetrübte Auge, die hohe Denkerstirne und die scharfgeschnittenen Lippen zeigten dem Eintretcnden die kernige Gestalt der klassischen Zeit im jüdischen Denkerleben Ungarns. Wir, die ihn kannten, vergessen ihn nicht, denn er verkörperte ein Prinzip, das uns trotz seiner einseitigen Durchführung lobenswerth ist. Dr. L. Rot h. > DecmrschteL. Hamburg, 15. November. Der Nestor der hiesigen Lamdonim Herr I. L. Adler feierte heute, 23. Eheschwan bei körperlicher Gesundheit und voller Geistesfrische seinen neuuzigslen Geburtstag. Herr Adler, in Hamburg geboren, verkörpert ein Stück hamburgische Khillegeschichte; er erinnert sich genau der Ankunft des Een Bernays 1831 und seines Kampfes mit dein kurz vorher entstandenen s,empel (Tr. Ed. Kley und Gottfr. Salomon.) Die heutige Toleranz will davon nichts mehr wissen. Man hatte in der Synagoge Bieberstraße eine bewndere Or ation für den Jubilar, der den regelmäßigen Besuchern dieser „Schul" gehört, geplant, doch ersuchte Herr Adler den Vorstand davon abzustehen — er wolle nicht gerne einen Hespeo bet Lebzeiten haben — und zog es vor im Hause m't Minjan zu beten. Zahlreiche Aufmerksamkeilen und Besuche erfreureu Herrn Adler, der für Jeden ein freundliches Wort hatte. Herr Adler war in seiner Jugend Hauslehrer bei Herrn Hirsch Oppen he im er in Gronau später in Hannover.) Dann lange Jahre Talinudlehrer an der hiesigen Talmud-Thora und Klaus! abbiner der Mathias Elias-Stiftung, auch versaminelte er viele Schüler privatim um sich. In Gelehrten- Kreisen galt er als ein bedeutender Hiß? u. Kenner des '"in. H'pp rar’nß Hp’ßty idt?d o’Dun ßpi, das kann man hier so recht anwenden. — Sicherem Vernehmen nach ist Herr Dr. Plato aus Köln, früher Rabbiner in Brandenburg später in Bingen als Klausrabbiuer nach hier an die Lewin Salon,. Klaus berufen worden. Herr Dr. Plato hat, wie ich höre zwar noch nicht das testamentarisch verlangte Alter, in Anbetracht dessen hat die Verwaltung die Anstellung atS eine provisorische bezeichnet, dem bei Erreichung des Alters die defini.ive folgen wird. Unzweifelhaft hat die Verwaltung danach gestrebt, den Besten der Eandidalen zu wählen, was ihr auch hoffentlich gelungen sein wird. L Memel. Seit einigen Tagen weilt hier ein Glaubensgenösse namens Tobianski aus Johannesburg eTransvaal). Derselbe war eigens zum Besuche seiner Eltern hierhergekommen, die in Russisch Erottingcn bei Memel wohnhaft sind. Schon als Knabe wanderte er nach Afrika aus, woselbst er sich großes Vermögen erworben hat. Zuletzt war er Proviantmeister der Buren im Kriege mit den Engländern. Hier auf feiner Besuchsreise har Herr Tobianski sich durch reiche Spenden» die er mit vollen Händen vertheilte, ausgezeichnet. Gräsenhauserr, im Nov. Das seltene Fest der goldenen Hochzeit begingen am 20. Nov. in geistiger und körperlicher Frische, Herr L- Hirsch und Frau. Die Liebe und Hochachtung, welche dieselben am hiesigen Platze ge-

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