Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 93 (22.11.1900)
- Date
- 1900-11-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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---^- -<- .'H- -- > ■-..,>:■■■> ■n.wyigB^j-i»^f^»p^7^-:y-- - "-.--w-t. ..--.«. ..7^ .-,, 4L Jahrgang. Erste Anlage zu M 93 des „Israelit". Leitender Artikel. Die MW des gesunden i iranken Magens. Zur Verhütung und Linderung von Magenkrankheiten. Mit besonderer Berücksichtigung der jüd Speisegesetze. Von Dr. P. Münz, pract. Arzt, Nürnberg. (Fortsetzung. *) Der schädliche Einfluss zu hoher oder zu niederer Temperaturgrade auf den Verdauungsakt macht sich aber noch in anderer Weise geltend. Da nämlich die Verdauung sich am besten bei einer Temperatur von etwa 37° 0 abspielt, so vermögen allzugrosse Abweichungen von dieser Grenze die Wirkung der Magensäfte entweder ganz aufzuheben oder doch wenigstens zu verlangsamen. Magenkranke sollten darum sich mehr als Andere bei der Aufnahme ihrer Nahrung von diesen wichtigen Grundsätzen der Diätetik leiten lassen: sie sollten mit Sorgfalt alles vermeiden, was dazu führt, die Verdauung zu hemmen oder die Magenschleimhäute zu reizen, ln erster Linie ist es geboten, dass Magenkranke sich vor dem Genüsse zu starker Reizstoffe, zu saurer oder zu stark gewürzter Substanzen in Acht nehmen. Darauf weist schon Maimonides in seinem Jad chasakah hin; ja er untersagt sogar den Genuss dieser Stoffe in irgendwie grösseren Mengen auch ganz Gesunden. Ausser Essig, Knoblauch, Pfeffer, Senf und anderen starken Genussmitteln fallen aber auch die alkoholhaltigen Getränke sowie Kaffee und Tliee in die Kategorie derjenigen Stoffe, deren Genuss Magenkranke ganz zu umgehen oder doch bedeutend einzuschränken haben Was die Temperatur der Nahrungsmittel anbetrifft, so muss diese sich in Grenzen bewegen, innerhalb welcher auf der einen Seite die Verdauung si h noch vortheilhaft abspieleu kann und auf der anderen Seite der Geschmack nicht Noth j leidet. Es ist ja bekannt. dass gewisse Nähri ungsmittel am besten munden. wenn sie in; kaltem Zustande genossen werden; bei anderen j hinwiederum ist ein wärmerer Temperaturgrad j ei-forderlich. Im Grossen und Ganzen ist daran | *) Vergl. Nr. 72 des „Israelit“. festzuhalten, dass kalte Substanzen, mögen es Nahrungs- oder Genussmittel sein, nicht niedriger als 10 Grad Celsius, warme hinwiederum nicht höher als etwa 45 Grad temperirt sein mögen. Als einzige Ausnahme ist der Genuss von Eis oder Eiswasser — 0 Grad Celsius - nur in jenen Eällen zulässig, wo es wie beim acuten Magenkatarrh oder Magengeschwür darauf ankommt. krankhafte Erscheinungen, Erbrechen oder Blutungen, zu bekämpfen. Die geeignetsten Temperaturgrade für die einzelnen Speisen und Getränke sind demnach, für Trink- und kohlensäurehaltiges Wasser 10—14 Grad Celsius, für Rothwein 16 — 18 Grad, für Weisswein 13—17 Grad, für Bier 12—15 Grad, für Milch 14 -18 Grad. Feste Nahrung, wie Braten, Huhn, Pückeltleisch, falls kalt genossen, mundet am besten, wenn sie die Temperatur von 15 Grad nicht übersteigt. Der Genuss solchen Fleisches eignet sich für Samstag, an welchem in frommen Haushaltungen nicht gekocht wird.*) An Brod und Kuchen muss die Forderung gestellt werden, dass sie nicht in warmem Zustande genossen werden, da sie sonst den Magen belästigen; sie müssen bereits abgekühlt, ja altbacken sein, bevor sie zum Genüsse taugen. Für heisse Speisen und Getränke — für Fleisch, Gemüse, breiige Nahrung, Stippen, Kaffee, Tliee — gilt als Regel, dass ihre Temperatur die der Körperwärme nicht viel übersteige, sich in den Grenzen von etwa 38 bis 45 Grad Celsius bewege. Wie häufig wird gerade gegen diese Vorschrift der Hygiene gesündigt, indem kochend heisse Speisen, zumal Getränke wie Suppen, Kaffee, Thee genossen werden! Mit der eben ausgesprochenen Forderung der Hygiene, dass Magenkranke alles meiden, was die Verdauung stören und auf den Ablauf der Erkrankung ungünstig einwirken könnte, hängt eine andere wichtige Frage zusammen, die Frage nämlich, ob Magenkrankei während der Mahlzeit die Aufnahme von Flüssigkeiten, sei es Wasser, Bier oder Wein oder ein anderes Getränk, zu gestatten sei. Die Antwort fällt verschiedenartig aus. je nach dem Charakter der Erkrankung, im Allgemeinen gilt der Grundsatz . dass Magenkranke während des Essens die Zufuhr grösserer Quantitäten Flüssigkeit zu unterlassen haben, da diese nicht nur die Magensäfte verdünnen, ihre chemische Wirkung herab- *) Selbstverständlich darf, ja muss für schwächliche, kranke Personen, deren Zustand dies unbedingt erheischt, am Samstag gekocht werden.