Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 93 (22.11.1900)
- Date
- 1900-11-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1934 die mir Her.; und Phantasie erfüllte .... ich sehe die Gestalten, vernehme die Stimmen. Und nach der in der Ferne verhallenden, eigenthümlich summenden Melodie dieser Stimmen schrieb ich diese Gebete, Gesänge .... Wer die ungarischen litterarischen Zustände kennt, dem werden die Klagen der ungarischen Litteraten über den geringen Absatz ihrer Bücher nicht unbekannt sein. Es ist dies bei einer numerisch so kleinen Sprachenfamilie gar nicht zu verwundern. Nun, Josef Kisch hat sich auch nach dieser Richtung nicht zu beklagen. Was auch den besten Schriftstellern nicht zu häufig widerfährt, daß ihre Werke wiederholt aufgelegt werden, das ist bei den seinigen reichlich der Fall. Seine Bücher werden nicht blos gelesen, sondern auch gekauft, Trotz der für einen deutschen Leser ganz unbegreiflich hohen Preise seiner auf Velin und Elfenbeinpapier gedruckten Bücher — die „Festtage," ein 120 Seiten starkes Kleinoctav-Bändchen kostet beispielsweise an die 2 ©ulben, gleich 4 Mk., und in luxuriösen Ausstattungen bis zu 18 Gulden, gleich 30 Mk. — finden diese gierigen Absatz und werden ein über das anderemal aufgelegt. Ich kann nicht umhin, eines Ehrentitels zu erwähnen, welchen die Kritik Josef Kisch beigelegt hat und der. so unansehnlich er auch klingen mag, dennoch, reiflich in Erwägung gezogen, das höchste Lob einschließt, welches einem Dichter gespendet werden kann. Man nennt ihn den Dichter der kleinen Leute, den Interpreten der Alltagserscheinungen unserer Zeit. Es wurde dies namentlich gelegentlich des Erscheinens seines „Märchens von der Nähmaschine", eines reizenden Großstadtepos, dessen Heldin eine kleine Nähmamsell ist. Ich verstehe das so, daß Josef Kisch einer jener wenigen auserlesenen Ritter der edlen Sangeskunst ist. welche den Schlüssel zum wahren Goldland der Poesie besitzen; das Gold seiner Poesie ist von so edlem Feingehalt, daß es selbst die alltäglichsten Dinge in echtes Gold zu verwandeln vermag und daß endlich seine Poesie den: wahren Borne des Lebens entquillt, so wie es rings um den Poeten herum gährend pulsirt! Doch ich würdige hier Kisch zunächst als „jüdischen" Dichter und da kann ich es nicht unterdrücken, daß ich auf seinem strahlenden Ehrenschild auch ein kleines Fleckchen entdeckt habe. Ein ganz geringes, kaum wahrnehmbares, welches seiner Physiognomie ebensowenig Einbuße thut, als etwa ein mohnkorngroßes Sommerfleckchen dem Gesichte der anglesischen Venus schaden würde. Bei einem gewöhnlichen Dichter würde es auch nichts zu bedeuten haben — jedoch dem Sänger der „Festtage" muß ich es als Sünde anrechnen. Ich meine das mit dem Namen des Stifters der christlichen Religion überschriebene Gedicht. Es ist überslüffig, hervorzuheben, daß es sich nichr eigentlich um ein katholisches Wallfahrtslied handelt, wie bei Heine. Zu einem so bedenklichen Spiel der Phantasie gehört eben die ganze Frivolität und der religiöse Sansculottismus eines Heine. Aber es hat doch eine höchst bedenkliche Aehnlichkeit damit. (Schluß folgt.) Auflösung des Mälhseks in Mr. 8^. •O'ODipnrcn (Psalm 17, 7). Richtige Lösungen tandien ein: S. M. Bachrach—Elmshorn, Landau—Raichkow, Rabb.-Candidat Samuel Gräuer—Ltsko (Galizien), Fürst Josef—Pöstyn, Lehrer David Schaffer—Dioszeg (Ungarn). Der «Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonntrt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an — Vrr Vuchhsudrl vrrkrhvl durch D. Al. Klrrnsckrr, Lripxig, Notzplah J8. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis der Zeile im Reclamethetl 75 Pfennig. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenben. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Girre Rücksendung der an die Rednetton eingefandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet deshalb, fich von aUtn Einsendungen eine Eopie zurttckzubeyalten. Stellensuchende erhalten ans Wunsch die Inserate« Beilage vier Woche« laug gratis und sraueo zugesandt, «benso stunden wir aus Wunsch die Zahlung de» JusertiouSbetragS an außer Stelle Befindliche bls «ach Erlangung einer solche«. Inhalt: <Hauptblatt): LettenderlArtikel: Profess. Dr. Blaschke's Antrag in der Repräsentantenversammlung der Berliner Gemeinde. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin Aus Bayern. Oesterr.- Ung. Monarchie.^Wien. Preßburg.ISchweiz: Basel- - Personalien: Lingolsheim. — Feuilleton: Ein jüdi'cher Klassiker Ungarns. (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die Nahrung des gesunden und kranken Magens. —Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Jnowarzlaw. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Pretzstimmen über den Hilsner-Prozeß. — Zeitungsnachrichten nnd Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Ellwangen. Oesterr.-Ungar. Monarchie: Budapest. Frankreich: Paris. Extra»Beilage: Aufruftdes Jsr. Central-Waisenu. Mädchenheims in Bad Ems. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Bettageu.