Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 93 (22.11.1900)
- Date
- 1900-11-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1932 Solche Männer haben sich gefunden, sie sind Männer fleißiger Arbeit, stehen mit der Bevölkerung in innigem Contact und haben sich Zeit ihres Lebens mit jüdischen Angelegenheiten befaßt. Frei von Zelotismus und Chauvinismus, bekunden dieselben jenes innige und wahre Gefühl für ihr bedrücktes Volk, das wir an den bisherigen Mitgliedern des Vorstandes zum großen Theile vermißen. Dieselben werden unermüdlich eintreten für eine Erweiterung des Wahlrechtes, für eine die Bezirke berücksichtigende Wahlgeometrie. Schaffung von Bezirks¬ und Cultus-Ausschüssen, für eine Reform des Armenwesens durch Bestellung von Bezirks-Armenräthen, Errichtung einer unentgeltlichen Arbeits- und Stellenvermittlung, für eine bessere Finanzgebarung in ver Administration, bessere Steuerhandhabung, Schaffung neuer Einkommensquellen, Beseitigung des Trinkgelderunwesens, Beseitigung des Nepotismus bei Verleihung von Stiftungen und Stipendien, Schaffung von freien Betstätten für die ärmeren Clafsen. Diese Männer werden die Postulate einer neuen Zeit energisch zur Durchführung zu bringen trachten. Pretzburg, 16. Nov. Die Gedächtnißfeier nach weil. Joel Wolf, welche am Sonntag im hiesigen israelitischen Altersversorgunghause abgehalten wurde, nahm einen ebenso würdigen als erhebenden Verlauf. Es waren zu derselben außer den Kindern und Familienangehörigen des Verblichenen das erw. Rabbinat, der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde. deren erster Vorstand der Verblichene mehrere Jahrzehnte hindurch war, sowie viele Freunde und Gönner dieser Wohlthätigkeitsanstalt erschienen. Nachdem in der kleinen Haussynagoge von Herrn Kantor Wilkovics der Abendgottesdienst celebrirt und das Seelenheilgebet für den Verschiedenen in ergreifender Weise vorgetragen wurde, verfügten sich die Trauergäste in den Speisaal der Anstalt, woselbst die 26 Pfleglinge das schwarzumhüllte Bild des Stifters trauernd umstanden. Hier hielt nun der Präses des Verwaltungsausschusies, Primarius Dr. I a k ob Fischer , eine längere, tief empfundene Gedenkrede, in welcher das wohlthätige Wirken Joel Wolf's für die Preßburger israelitische Armuth in großen Zügen her vorgehoben und namentlich seine hohen Verdienste um die Gründung und Förderung dieses Versorgunas Hauses gepriesen wurde, das in seinen Kindern würdige Fortsetzer edler Wohlthätigkeit und Miterhalter dieses Altenheims gefunden hat. Zahlreiche arme Familien beklagen in Joel Wolf ihren Unterstützer, die Gemeinde habe aber einen unersetzlichen Verlust erlitten, doch werde Wolf in seinen für die Ewigkeit fortwirkenden Humanitären Schöpfungen fortleben. Hierauf gelobte David Naß, der Vicevorsteher des Ausschusses, Namens desselben, das edle Werk des Stifters zu hüten und in dessen Geiste weiterzuführen, , damit sich der Satz erfülle, „daß mit der untergehenden Sonne die blinkenden Sterne Heraufziehen," das Bei-! spiel des edlen Vorgängers die Nachwelt zum Wohlthun ansporne! Max Wolf aus Raab drückte mit thränenerstickter Stimme für die großen Ehrungen ihres Familienoberhauptes herzlichen Dank aus und versprach Namens der Familie Wolf, diese wohlthätige, von seinem seligen Vater gegründete Institution nach wie vor auch aus der Ferne stets unterstützen zu wollen. In tiefer Rührung ging die Trauerversammlung auseinander. Schweiz. Basel, 20. Nov. In der Schweiz werden bekanntlich die Richter durch das Volk gewählt, vor welches, wie bei der Wahl der Regierungsbeamten, jede politische Partei mit ihren Vorschlägen tritt. Am 11. November fand hier die Wahl eines Civil- und eines Strafrichters statt. Als Civilrichter wurde Herr Dr. Prosper Wolf gewählt, der von den Liberalen vorgeschlagen, im ersten Wahlgang 3300 Stimmen erhielt. Rühmend herzuheben ist, daß, obgleich die Conservativen und die Sorialisten Gegencandidaten aufgestelli hatten, das Wort „Jude" in dem ganzen Wahlkampf nicht gehört wurde und auch die Gegner anerkannten, daß Herr Dr. Wolf, der durch einen Commentar zur Bundesgesetzgebung sich rühmlichst hervorgethan, des Richteramtes würdig sei. Personalien. Lingoldheim, b. Straßburg i. E. Am 9. d. M. ist im Alter von 76 Jahren plötzlich ein Mann unserer Gemeinde aus dem Leben geschieden, der es verdient und würdig ist, in Ihrem geschätzten Blatte erwähnt zu werden: Reb Nathanael W o l f. Durch seinen Tod hat unsere Gemeinde, deren Zierde er war, einen herben Verlust erlitten. Von frühester Jugend widmete er jede freie Stunde dem Studium der Gotteslehre und saß jahrelang zu den Füßen des sel. Gelehrten Rabbi Moscheh Uttenheim in Straßburg. Im späteren Alter war das Talmudstudium seine einzige Beschäftigung. Er war ein frommer Mann im wahren Sinne des Wortes, der den Traditionen des alten jüdischen Glaubens mit ganzer Seele anhing. Im Trauerhause entrollte Herr Rabbiner G l a s e r aus Straßburg in einer halbstündigen, meisten haften Trauerrede ein Bild des entschlafenen Freun des; es blieb kein Auge thränenleer bei dieser beredten und zutreffenden Schilderung der hohen Tugenden und des großen allgemeinen Verlustes des theuren Verewigten. Die Leiche wurde nach Rosenweiler überführt und auf dem alten, berühmten Friedhofe beerdigt. Der überaus imposante Leichenzug und die zahlreiche Betheiligung auch von Nichtisraeliten bei seiner Beerdi-