Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 92 (19.11.1900)
- Date
- 1900-11-19
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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1921 H fpr ' tttfifeJ. tt^Jr-rK*?******^*?;.vi*"-'t\p®*r hier vorbrachte, ist nichts als Stimmungmacherei, die noch dadurch erhöht wurde, daß Dr. Baxa mit besonderer Betonung sagte, daß dieser Prozeß unter ungewöhnlichen Umständen hier stattfand. Wo ist da die Ungesetzlichkeit, wo sind da die außergewöhnlichen Umstände? Vielleicht lennt Herr Dr. Bara den Paragraph oer Strafprozeß-Ordnung, der dem Eaffationshvf das Recht einräumi, das Urtbeil zu cassiren, wenn es augenscheinlich ist, daß ein falsches Urtbeil gefällt worden ist. Und so ein eclatanter Fall ist hier Vorgelegen; der Casiationsbof hat sich in Folge dessen veranlaßt gesehen, von diesem seinem Rechte Gebrauch zu machen. Das bedeutet aber gewiß nichts Außerordentliches, gewiß hat es der Eaffationshvf nicht uns oder Hilsner zu Gefallen gethan. Dr. Bara sprach auch, und das in sehr ausführlicher Weise, davon, daß es sich auf der einen Seite um Cbristenmädchen aus armen Familien bandelt, die nun ganz verlaßen sind, während auf oer andern Seite es sich um den Juden Hilsner dreht, hinter dem eine ganze Nation, eine mächtige Nation stehe. Auch das sind nichts Anderes als Phrasen. „Niemand kümmerte sich um die Mädchen, Niemand forschte nach." Nein, meine Herren Geschworenen. Sie haben ia gesehen, wie mit einem wahren Ameiseneifer Alles zusammengetragen wurde, was gegen Hilsner sprach. Und da hatte Dr Baxa den Muth, zu bedaß die Untersuchung nicht so wie in anderen Fällen geführt wurde, weil es sich um einen Juden handelt. Dr. Baxa bat mit Nachdruck darauf verwiesen, daß hinter Hilsner das ganze Judenthum sieht. Nein, meine Herren Geschworenen, hinter Hilsner steht Niemand' Und fänden Sie es nickt natürlich, wenn das ganze Judenthum sich gegen die schwere Beleidigung, gegen die schreckliche Beschuldigung des Ritualmordes vertheidigt? Bedenken Sie doch, meine Herren, wenn Jemand gegen unseren Glauben diese unerhörte, schimpfliche Beschuldigung ausstoßen würde! Wie ein Mann würden wir uns dagegen erheben und uns dagegen vertheidigen und mit Recht. Ich warte also ruhig darauf, daß nachgewiesen wird, daß das Judenthum etwas für Hilsner gethan. daß es Einfluß aus diesen Prozeß genommen habe. Mir erscheint es ivirklich lächerlich, wenn Dr. Baxa sagt, daß von Ihrer Seite Muth dazu gehört, Hilsner zu verurtbeilen. Dazu, meine Herren, ist kein Muth nöthig, denn, wenn irgend ein Druck auf die öffentliche Meinung ausgeübt wird, so geschieht es gegen den Angeklagten. Es gehört unter solchen Verhältnissen Muth dazu, um Leopold Hilsner freizusprechen, und ich glaube, nieine Herren Geschworenen, daß Sie diesen Muth aufbringen werden, wenn Sie die Ueberzeugung haben werden, daß Hilsner unschuldig ist, oder zumindest die Ueberzeugung davon, daß genügende Beweise von Hilsners Schuld nicht vorhanden sind. Ich glaube an den Gerechtigkeitssinn unseres Volkes. Die Männer aus unserem Volke können zwar fehlen, sie können aber niemals einen Angeklagten veruxtheilen, wenn kein Beweis gegen ibn vorhanden ist. Gegen Hilsner aber liegen gar keine Beweise vor. Verlangen Sie nicht, daß ich das ganze Beweismaterial vorbringe. Das wäre unmöglich und überflüssia: denn dieses Material ist ungeheuer. Ich will mich darauf beschränken, in allgemeinen Umriffen das Material anzufübren und, gestützt darauf, den Beweis zu erbringen, daß Hilsner wirklich unschuldig ist. Ich halte Sie für zu intelligent, meine Herren, als baß ich nück genöthigt sehen würde, hier das Märchen vom Ritualmorde zu widerlegen. Ich will nur in aller Kürze darauf verweisen, daß dieses Märchen im zwölften Jahrhundert entstand. Bis dahin ist niemals eine derartige Beschuldigung gegen die Juden ausgesprochen worden, und ick frage Sie, meine Herren Geschworenen, wenn wirklich eine solche Sekte oder eine solche Vereinigung von Menschen bestünde, wie wäre es möglich dab sie durch sieben Jahrhunderte ihr Treiben fortsetzul konnte, ohne daß es gelungen wäre einen einzigen Fall nachzuweisen? Die Leute, die diese Morde begangen haben können nicht Wundereigenschaften haben! Wenn schon so viele Mörder unausgeforscht blieben so müßte doch ihre Existenz, ihre große Anzahl erwiesen sein und nicht nun ge» sagt werden daß die Thäter nicht entdeckt wurden. Die Herren Antisemiten behaupten auch, daß Blut fehle und so oft sie dies behaupteten wurde immer nachgewicsen, daß cs falsch ist. Bedenken Sie doch, meine Herren Geschworenen, daß die Beschuldigung des Ritualmordeü jetzt iu China gegen Christen vorgebracht wurde, und welche Verheerungen diese Beschuldigung angerichtct hat. Und so wie die Chinewn gegen die Christen, so werden b.'i uns die Christen gegen die Juden auigehctzt. Hier sehen wir. meine Herren Geschworenen, nicht das Forum, vor dem diese Frage gelöst werden kann, nur so viel ist sicher, daß im vorliegenden Fall' kein Ritualmord vorlicgt, denn dieser Mord müßte sonst ein vorbereiteter sein. Unmittelbar vor dem Mo de forderte Hilsner mehrere Kameraden auf. mir ihm in den Brzezinawald zu gehen; glauben Sie wirklich meine Herren Geschworenen, daß Hilsner. wenn er den Mord hätte begehen wollen, sich Zeugen zu diesem Vorhaben mitgenommen hätte? Gewiß nicht! Die jüdischen Zeugen sind hier heftig angegriffen worden und doch muffen wir d esen Zeugen alle Ehre geben, diesen Zeugen, die in ihrem Glauben so schmerzlich belerdigt wurden und die doch mit zwei Worten den Hilsner hätten retten können. Rur einer oder zwei dieser Zeugen hätten sagen können: Ja, wir sahen Hilsner am 29. März in der Synagoge! denn kein Gegenbeweis war da,