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Der Israelit · 1900-11-19 · Heft 92 (19.11.1900) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 92 (19.11.1900)
Date
1900-11-19
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1920 in seinem Plaidoyer vom Gutachten der czechisch-medizinischen Fakultät, welches er eine phantastische Schrift nannte, „die alles Mögliche zuläßt", daß es nur zu dem Zwecke abgefaßt sei, um die Qeffentlichkeit vom rituellen Motiv auf das sexuelle hinüberzuleiten, und das; die Fakultät nicht einmal genau die Schriften durchs sah. Es wurde also der Fakultät der Vorwurf der Oberflächlichkeit gemacht. Diese Bemerkungen invol- Viren eine Beleidigung der czechisch-medizinischen Fakultät in Prag und einen Vorwurf für die höchste Gerichtssielle, welche dieses Gutachten abverlangte. Während der Rede überhörte ich einige Worte. Nach den stenographischen Feststellungen aber hat der Gerichtshof den Beschluß gefaßt, dem zufolge ich dem Herrn Vertreter der Privatbetheiligten Dr. Baxa hiemit in öffentlicher Sitzung eine Rüge ertheile. (Bewegung.) Das Wort hat nun der Herr Vertheidiger Dr. Aurednicek. Vertheidiger Dr. Aurednicek. führt aus: Nach der Entscheidung des Eassatwnshvfes und nach dem Gutachten der Prager medizinischen Fakultät habe ich gehofft, daß die Stimmen verstummen werden, welche Hilsner eines Ritualmordes beschuldigten, und daß der Prozeß aufhören wird, eine Parteisache zu sein. Ich durfte das hoffen, weil das Gutachten außer allen Zweifel stellte, daß der Beschuldigung des Ritualmordes jede Grundlage fehlt, und weil der Cassationshos ausdrücklich baranF verwies, daß vor dem Schwurgerichte in Kuttenberg die Grundlagen des ganzen Prozesses falsch dargestellt waren. Herr Dr. Baxa sprach in einer wegwerfenden Weise von der Prager ezechischen Fakultät, Zu der wir alle Ezechen als zur höchsten wissenschaftlichen Instanz, die wir haben, voll Bewunderung und Stolz aufblicken; er sprach von dieser Fakultät in einer Werse, die wir nicht mehr Kritik nennen können; er sprach in einer Weise, die nichts Anderes dokumentirte, als daß er das Gutachten dieser Fakultät vor der ganzen Welt in den Staub zerrte. Dr. Baxa nannte das Gutachten eine phantastische Schrift, die auch der Laienverstand mit Reserve aufnehmen müsse, und sprach diesem Gutachten jeden Wertst ab. Wenn Herr Dr. Baxa üch aus eine erlaubte Kriti! beschränkt hätte, so hätte ich nichts dagegen gehabt; denn eine Kritik ist an jedem Gutachten von Sachverständigen erlaubt, aber was Dr. Baxa vorgebracht hat, war keine Kritik, das war eine Beschimpfung. Dr. Bara ließ sich auch etwas zu Schulden kommen, was ungesetzlich und nicht loyal ist, und das erwartete ich nicht von ihm. Denn beim ersten Prozesse in Kuttenberg erklärte Dr. Baxa, daß er ein rigoroser Jurist sei, und heute beruft er sich daraus, daß die Mutter und der Bruder des Angeklagten Hilsner sich der Aussage entschlagen haben. Meine Herren, es ist das das gute Recht jedes Verwandten, und sobald es geschieht, darf Niemand, auch nicht das Schwurgericht, sich daran stoßen und supponiren, daß vielleicht die Verivandten gegen den Angeklagten hätten aussagen müssen und deßhalb von ihrem Entschlagungsrechte Gebrauch gemacht haben. Ich habe mich getäuscht. Der Verlauf der Verhandlung ivurde zwar von der Bevölkerung von Pisek mit Rübe verfolgt, aber von Seite der Partei, die dein Angeklagten ein rituelles Motiv unterscküebt, naurde der Kamps uni dem Muthe der Ber zweislung weitergesiibrt, und je mehr diese Leute fühlten, daß ihnen dieses werthvolle Agitationsmittel entschwinde, daß gegen Hilsner keine derartigen Beweise vorliegen, desto heißer und wüthender führten sie den Kamvß und sie griffen zu Waffen, welche man nicht anders nennen kann, als verwerflich. Wie soll man es denn anders nennen, wenn man die Stirne hatte, hier zu behaupten, daß mit den Kleidern der Hruza Manipulationen vorgenommen wurden, daß Blut dazu gegeben ivurde und daß das Fakultäts- Gutachten keinen Werth besitzt. Diejenigen, welche diese Behauptungen ausgesprochen haben, verwahrten sich zwar dagegen, daß sie die Behörden beleidigen wollten. Ich frage aber Jeden, der nicht voreingenommen ist, wer Ivurde denn beschuldigt als die Behörden, wenn wir wissen, daß niemand Anderer Zutritt hatte zu diesen Kleidern, als eben die Behörden? Allerdings ist es heute erwiesen, daß diese Beschuldigung unbegründet ist, und nun ivurde zu anderen Waffen gegriffen, und zwar lhat dies Dr. Baxa, und das erwartete ich, ich muß gestehen, nicht von ihm. Wenn hier schon daraus verwiesen wurde, dann wird mir wohl so viel zu sagen erlaubt sein, daß sich diese Mutter nicht deshalb der Aussage entschlug, weil sie gegen den Sobn hätte aussagen müssen. Aber wenn diese Person, die in Kuttenberg von Hunderten und Hunderten Personen verfolgt wurde, auf allen Seiten Verfolger siebt, wenn sie von allen Seiten beschimpft wird, dann ist es begreiflich, daß sie sich, als sie hier nor dem Gerichte stand, der Aussage entschlug. Nicht jede Frau hat den Mnth, in einem Prozesse, der gegen ihren Sohn gerührt wird, als Zeugin aufzutreten. Wenn ich der Mutter des Angeklagten hätte sagen wollen, daß sie aussagen soll, so hätte sie ausgesagt. Ich tbat es aber nicht, weil ich die Frau nicht solchen Qualen aussetzen ivollte. Ich frage nun, meine Herren Geschworenen: Wenn von anderer Seite mit solchen Waffen gekämpft wurde, wie kann Dr. Baxa den Mnth staben, hier ein Complot, von Corruption und von wilder Agitation zu Gunsten des Angeklagten zu sprechen? Das sind Phrasen, die zum Fenster (unausgesprochen werden. Dr. Baxa möge beweisen, durch Fhatsacken beweisen, wo das Complot, wo die Corruption, wo die wilde Agitation, wo in diesem Prozesse mit einem dieser Mittel eingegrifsen wurde. Dr. Baxa verwahrte sich auch gegen den Borwurf der Stimmungmackerei, und ich sage noch einmal: Alles, Alles, was er

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