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Der Israelit · 1900-11-19 · Heft 92 (19.11.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 92 (19.11.1900)
Date
1900-11-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1913 ZeitrtirgS«achrichterr u«d Covrefporrderrzen. Deutschland. Schwerin (Meklbg.) Die Inhaberin des bekannten Bankhauses L. I. Jaffb, Frau Rika Jaffö hat « läßlich ihres achtzigsten Geburtstages sowohl der jüdischen Gemeinde für jüdische Arm, als auch dem Magistrate für christliche Arme größere Summen überwiesen, außerdem an diesem Tage der Synagoge eine schöne Tempeluhr geschenkt. Die von ihrem sel. Gatten Louis Jaffö ‘ran s. Zt. errichtete Stiftung zur Erhaltung des Cultus in den kleinen Gemeinden Meklenburg's hat sehr schöne Früchte getragen, und sind schon über Neuntausend Mark von den Zinsen zu obigem Zwecke verwandt worden. Die Würdige Greisin, die nebenbei bemerkt, seit 40 Jahren ununterbrochen Abonnentin des Israelit ist, hat es verstanden bis heute in ihrer ganzen Familie das streng orthodoxe Prinzip aufrecht zu erhalten. J.T8' "pK’ 71 Nürnberg, 14. Nov. Eine jämmerliche Niederlage hat der Führer der hiesigen sog. Deutsch-Nationalen Handlungsgehülsen, Herr Kettenbeil, vor Gericht erlitten. Hier besteht ein kaufmännischer Verein „Merkur," dessen zweiter Vorstand der freisinnige, evangelische Magistrat, Herr Barbeck ist. In einer Versammlung des Vereins stellte nun Kettenbeil die Behauptung auf, Barbeck stütze sich lediglich auf die Juden und benahm üch überhaupt derart, daß ihm auf Antrag des nationalliberalen Ehrenpräsidenten des Vereins, das Wort entzogen wurde. Kettenbeil rächte sich durch Artikel in der deutsch-nationalen „Handelswacht," zur nächsten Versammlung des Vereins aber bot er seine Freunde brieflich gegen die „Judenschutztruppe" auf. In der Versammlung beleuchtete nun Barbeck die Handlungsweise Kettenbeils, der hierauf Klage wegen Beleidigung stellte. Die Anhänger Kettenbeils machten die Öffentlichkeit besonders auf die Verhandlung aufmerksam; diese endete jedoch damit, daß Varbeck freigesprochen wurde, dagegen wurde Kettenbeil infolge der Widerklage Barbecks, zu 40 Mk. Geldstrafe und Tragung der Kosten verurtheilt. B.-M.-Z. O e st e r r. - U n g . Monarchie. Wien. 16. Nov. Das Urtheil über Hilsner ist abermals gefällt; er wurde wiederum zum Tode verurtheilt. Dieses war vorauszusehen, nachdem die antisemitischen Herolde in Wort und Schrift monatelang gehetzt, die Behörden duldeten es stillschweigend, und die Juden hatten die beste Zeit versäumt, den Hetzern entgegenzutreten. Große Entrüstung herrscht in den hiesigen jüdischen Kreisen gegen den Kultusvorstand und hauptsächlich gegen den Oberrabbiner Dr. Güdemann, die das Ernste der Situation nicht ersaßt und ihre Pflichten als Schützer des Judenthums nicht erfüllt haben. Zwar veranstaltete der Kultusvorstand v. I. im Musiksaale eine Protestversammlung gegen die Blutbeschuldigung, und in welcher auch Dr. Güdemann sehr gut und vernünftig gesprochen, aber dies geschah erst nach der Berurtheilung in Kuttenberg; nachdem das Haus niedergebrannt, kam die hochweise Feuerwehr mit der Spritze, wäre dies gleich im April 1899 geschehen, die Sache hätte eine ganz andere Wendung genommen, es wäre zu gar keiner Anklage gekommen, da nicht der geringste Beweis vorhanden war, daß Hilsner den Mord begangen, dies war nur ein einfaches Gerede, und der Staatsanwalt hatte durchaus keinen Grund, auf dieses Geschwätz eine solche schwere Anklage zu erheben, aber die Herren Rabbiner und Kultusvorsteher hüllten sich in vornehmes Schweigen, desto lauter und eifriger arbeiteten aber die Antisemiten in ihrer Presse und ihren Versammlungen. Am 29. September 1899 schrieb Herr Dr. Güdemann in der „Neuen Fr. Presse, der „Woshod" in Petersburg habe ihn telegraphisch angefragt, was eigentlich in Polna vorgehe, „ich," schrieb er, „habe keineswegs Sorge, weder für Hilsner, noch für das Judenthum wegen dieser Blutbeschuldigung; unsere Theologie verbietet sehr strenge den Blutgenuß und der Decalog hat schon vor 4000 Jahren den Mord verboten. Ich schäme mich nur wegen des schönen österreichischen Vaterlandes, welches dadurch leiden könnte. Ich habe bis nun wenig im Mittelalter gelebt, meine Lehrer waren katholische Geistliche und die haben mich sehr gut behandelt.." Die Folgen einer derartigen phlegmatischen Denkart sind auch nicht ausgeblieben. Em. B—r. Raab, den 4. N«w. Tiefe Trauer ist in unsere Gemeinde eingezogen. In kurzer Aufeinanderfolge sind uns zwei herrliche Männer entrissen worden. — Am 8. Tifchri verstarb hier Rabbi Ktonemos Kollmann, ein Mann von hervorragenden Tugenden, ein wahrer p'iL und va>, ein pflichttreuer Beamte der Gemeinde, dessen ganzes Leben ein ebti tynp war. Von seinem großen wp-ix zeugt die Thatsache, daß eS ihm gelungen ist, alle seine Kinder nimn ^2 hv zu erziehen. Einen zweiten schweren Verlust hat die Gemeinde in dem Hinscheiden ihres Vorstehers, des Herrn Josef Meller, erlitten. — Ein Mann von hoher ^Intelligenz und Umsicht, von ungeheuchelter Frömmigkeit erhob ihn das Vertrauen der Gemeinde schon vor^.vielen Jahren zu ihrem Vorsteher. Mit welchem "Ernst er seine heilige Aufgabe erfaßte, bewerfen die Institutionen die seinem Eifer ihr Ent-

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